Osterburken

Auch in der Römerstadt Narren übernahmen die Macht / „Boorchemeschter“ Galm musste den Schlüssel an Präsident „Rossi“ übergeben

„55 Johr Faschenacht feiern wir groß“

Archivartikel

Osterburken.Es gehört schon lange zur guten Tradition, dass der hohe Elferrat, der in diesem Jahr sein 55-jähriges Bestehen feiert, am schmutzigen Donnerstag das Rathaus in der Römerstadt stürmt und die närrische Entmachtung von „Boorchemeeschter“ Jürgen Galm vor-nimmt. Mit diesem Zeremoniell wurden die letzten Tage der in diesem Jahr etwas längeren Fastnachtssaison eingeläutet. So waren schon frühmorgens die Elferräte mit Präsident Rossi (Andreas Geiger), Abordnungen der verschiedenen Gruppen, wie die Hexen, Härle und Fräle, die Wüscheli, die Tanzgruppe und die Strohbären, unterwegs um die Kinder der Astrid-Lindgren-Schule sowie der Kindergärten in Osterburken, Hemsbach und Schlierstadt zu besuchen.

In diesem Jahr wusste auf dem Rathaus keiner genau, wann die Narren den „städtischen Thron“ erklimmen wollen, um das noch amtierende Stadtoberhaupt Bürgermeister Jürgen Galm kurzerhand abzusetzen und bis zum Aschermittwoch in einen „Zwangsurlaub“ zu schicken.

In bester närrischer Laune

Schon etwas schwächelnd, aber in bester närrischer Laune schaute die bunte Narrenschar kurz nach der Mittagspause erst einmal im fastnachtlich geschmückten Bürgerbüro vorbei, um dann gemeinsam singend und musizierend in die „gute Stube“, den Bürgersaal, einzuziehen.

Mit einem dreifachen „Borke Ahoi“ und dem Borkemer Wüschelilied wurde der heraneilende noch amtierende Bürgermeister Galm höchstpersönlich von Präsident „Rossi“ in gereimten Worten begrüßt, der nur noch wenige Minuten sein Amt ausführen durfte. Wie „Rossi“ in seiner närrisch verfassten Rede sagte, übernehmen Narren jetzt in Borke nur für eine Woche, also bis Aschermittwoch, die Macht. Er will es mal wieder versuchen, das Narrenvolk von Borke zu regieren. Um die Finanzlage der Stadt brauche sich der „Boorchemeeschter“ keine Sorgen machen.

„In Borke wor des Johr nix lous – aber 55 Johr Elferrat, des feiern mir grouß“. So laute das Motto „in derre Kampagne, drum trinke mir zum Feiern statt Wein Champagner. Un seit 2004, des gleebt fast kee Sau, senn mir mittlerweil jetz ah scho e.V.“

Der Narretei in Borke, so stellte „Rossi“ launisch fescht, „hot des keen Abbruch getan, denn gemeinsam bringe man trotzdem die Faschenacht voran – und des scho seit 55 Johr“.

Auf diese gereimten Worte gab es dann ein kräftiges „Borke Ahoi“. Danach forderte der Präsident lautstark Jürgen Galm auf, den Schlüssel fürs Rothaus und die Kasse zu übergeben, was er bereitwillig tat, und er streckte nach einigen gereimten Worten freiwillig die „Waffen“. Zum Motto „Des Johr war nix los“ entgegnet die Rothauschbesatzung, „dess gleebt ihr bloß, do wärn verschiedene Bereiche zu bedenke“, die er gerne ins Gedächtnis bringen möchte.

Die Liste der Leistungen, die Galm vortrug, war lang, ob im Bürgerbüro, in der Verwaltung, der Kämmerei, im Bauhof oder dem Hauptamt. „Fast so lang wie der Elferrat gegründet, ist Frau Ander dort mit dem Amt fest verbündet“.

„Boorchemeschter Galm“ freute sich, dass beim Elferrat „die Kampagne g’wiss kräftig begosse wird, getreu dem Motto: In Borke war Desjohr nix losch, aber 55 Johr Faschenacht, des feiern wir groß. Dank Herrle und Fräle mit Strohbär und Garde, Bauernballett, Kirnausträndler und Ranzengarde, die Hexe und de hohe Elferrat net zu vergesse, die Borkemer Faschnacht kann sich mit allene messe.“

Zum Schluss seiner närrischen Reime gab es noch ein besonderes Lob von Galm an die Narrenschar aus Borke. „Ihr seid’s Aushängeschild der Stadt – auch in annere Goi.“ Darauf gab es ein lautes, dreifaches „Borke Ahoi“.

Nach der Schlüsselübergabe und der von den „Wüscheli“ übernommenen Macht lud „Rossi“ den Bürgermeister ein, mit ihnen kräftig Faschenacht zu feiern, am Sonntag bei der Prunksitzung und am Dienstag beim großen Fastnachtsumzug.

Nach dem närrischen Spektakel wurde im Rathaussaal mit einem Umtrunk bei Kaffee, Sekt und Hausmacher Würscht ausgiebig gefeiert, was mit dem gemeinsam gesungenen „Wüschele“-Lied, wobei kräftig und ausgelassen geschunkelt wurde, endete.

Deutlich wurde dabei festgestellt, dass es Borke nur einmal auf der Welt gibt – und: „Wenn’s Borkemer Wüschele schreit, dann isses endlich Faschenachtszeit“.