Osterburken

In der Realschule Osterburken „Ronja Räubertochter“ aufgeführt / Publikum ging begeistert mit / 70 junge Talente zeigten ihr Können auf der Bühne

Aula mit Charme zur Räuberfestung erklärt

„Heutzutage hat man bei seinen Kindern nichts mehr zu melden!“ – „Ronja Räubertocher“ in der RSO begeisterte ein großes Publikum. 70 junge Talente funktionierten die Aula zur Räuberhöhle um.

Osterburken. Es gibt Situationen, da fällt es schwer, die richtigen Worte zu finden. Das Theaterstück „Ronja Räubertochter“ am Mittwoch in der Aula der Realschule Osterburken (RSO) ist gewiss so ein Moment. Wer hier dabei gewesen ist, hat einen lange bleibenden Eindruck von der Schöpfungskraft und Leistungsbereitschaft junger Schüler bekommen.

Gemeinsam gewirkt

Die RSO hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, zu was ein gemeinsames Wirken als Schule führen kann. Aus der Aula wurde eine richtige Räuberfestung. Und in dieser „Festung“ fand eine Aufführung statt, die man getrost mit dem Begriff monumentales Erlebnis beschreiben kann.

Stoff, Pappmaché und Farbe – einfache Mittel, große Wirkung. Wozu Surrealismus, wozu Schnörkel, wenn es das klassische auch tut. Die liebevoll gestalteten Kostüme: einfach, aber wirkungsvoll-elegant. Das Bühnenbild: konventionell, urig, atmosphärisch. Die Requisiten in einem Hauch der alten Räuberzeit. Die Choreographie der diversen Tanz-, Gesang- und Schauspielauftritte war absolut professionell. Das sind die Mittel, mit denen man ein Publikum überzeugt. Und überzeugend war die Darbietung wirklich, die die rund 70 Akteure aller Klassenstufen ihren rund 250 Zuschauern in der Aula der RSO boten.

Es waren aber nicht nur die von vielen fleißigen Händen liebevoll gestalteten Kulissen und Kostüme, nicht nur die perfekte Choreographie, es war vor allem das Engagement der jungen Sänger und Schauspielern, die sich lange und intensiv und unter Opferung vieler Stunden ihrer Freizeit auf diesen Abend vorbereitet hatten.

Ronja Räubertochter (Mia Walch, 8 b), Räubertochter der Mattis-Sippe mit ihrem eigenen Kopf, zeigt ihrem Vater Mattis, wo es langgeht. Von einem tiefen Gerechtigkeitsempfinden geprägt, nimmt sie kein Blatt vor den Mund und widersetzt sich ihrem Vater und dessen Räubertradition resolut. Sie teilt gerne hart aus, ist aber im Inneren ganz weich.

Wertvolle Lektion

Sie freundet sich nach anfänglichem Zögern mit Birk aus der verfeindeten Räubersippe der Borkas an und erteilt zusammen mit dem jungen Räubersohn beiden Sippen eine wertvolle Lektion.

Räuberhauptmann Mattis (Erik Werner, 10 b), macht als lautstarker, respektloser und grausamer Tyrann anfangs seinem Ruf alle Ehre, erweist sich dank Ronja – die er zwischenzeitlich gar verstößt – letztlich als ein echter Vater. Lovis (Jasmin Essig, 8a), Ronjas Mutter, widersetzt sich Mattis, von dessen Grausamkeit angewidert. So bringt sie zusammen mit Ronja Mattis zuletzt auf den rechten Weg. Nie um einen frechen Spruch verlegen ist der alte Glatzen-Per (Colin Hoffmann, 9 b), der mit einem süffisantem Touch Mattis auch immer wieder auf die Palme bringt. Sein Tod erteilt Mattis aber die wohl wichtigste Lektion seines Lebens.

Hauptakteur der Burka-Sippe ist Birk Borkasohn (Johannes Schrader, 8c), ein junger, nicht ganz harter Kerl, der – nach anfänglichem „Zögern“ – nach Ronjas Pfeife tanzt. Kopf der Borka-Sippe ist Birkas Vater, der aggressive und respektlose Borka (Melvin Schaaf, 8 b), der sich als ungebetener Gast mit seiner Sippe in der Mattis-Burg einquartiert, was zu Reibereien führt.

Die Erzählerin (Lea Kühner, 9 a) behält die Lage ständig kühl im Blick, mischt sich teilweise aber in die Meute.

Zur engeren Besetzung gehören auch noch Undis (Sarah Brixner, 10 b), die Mutter von Birk, die Borka - Räuber (Jonas Winter, 9 b und Felix Lansdorf, 8 c) und die Mattis-Räuber Klein-Klipp (Fabian Scheuermann, 8 c), Sturkas (Jana Geiger, 8 a) und Labbas (Lea Schwarz, ebenfalls 8 a).

Die Tanz-AG´s der Klassen sieben bis zehn (Räubertanz, Nebel und Wilddruden) und der Klassen fünf bis sechs (Waldtanz, Rumpelwichte und Räubertanz), beide unter Leitung von Michaela Link und Sarah Geppert, steuern die zahlreichen Tanzbeiträge bei.

Die Schauspieler kommen fünf bis sechs unter Bettina Zinnecker und der Theater-AG der Klassen sieben bis zehn (geleitet von Björn Lesehr und Bettina Zinnecker). Unterstützt werden diese durch den Schulchor „Burning Voices und Little Flames“ unter Führung von Sabine Kaiser und Juliane Egdolf und „RSO and friends: Die Band“ (unter „Leihgabe“ zweier GTO-Schüler Jan Weissenberger und Clara Hirn) unter der Verantwortung von Juliane Egdolf. Als Solisten treten Nadine Belf (10 a), Saskia Bartel, Mia Rüdinger (beide 5 c) und Marie Gökeler (6 c) auf.

Verschiedene Bildende Kunst-Klassen und die Pappmaché-AG unter Mona Stendebach schufen die Kulissen, Anica Fritscher, Katharina Feld, Jutta Heinel und die Näh-AG und viele andere waren für die Kostüme verantwortlich. Das RSO hat eine mehr als einjährige Kraftanstrengung hinter sich, an der Kolleginnen und Kollegen aus allen Fachbereichen beteiligt waren und dessen Ergebnis vollauf überzeugte.

Schulleiter begeistert

Der Schulleiter der RSO, Tobias Mayer, zeigte sich begeistert. Trotz der oftmals eng getakteten Stunden- und Prüfungspläne und der damit verbundenen knappen Zeit habe das hohe Engagement der jungen Darsteller und des gesamten Kollegiums zu einem wunderbaren Ergebnis geführt. Das Publikum sah dies genauso. Es quittierte die Beiträge während der Aufführung immer wieder mit spontanem, prasselndem Zwischenapplaus, am Ende erfolgte ein langes Standing Ovation, der die Burg so richtig wackeln ließ. cg