Osterburken

Historischer Verein Bauland Vortrag von Professor Dr. Thomas Baier aus Würzburg fesselte zahlreiche Zuhörer

Das heidnische Erbe des Christentums vorgestellt

Archivartikel

Osterburken.In seinem Herbstvortrag ging Thomas Baier auf Initiative des Historischen Vereins Bauland im Römermuseum Osterburken auf die antiken Wurzeln des Christentums ein. Er zeigte die wesentlichen Stationen der Entstehung des Christentums und dessen zahlreiche Verknüpfungen mit der römischen, griechischen und jüdischen Welt auf.

Während bei den Naturreligionen die Beschwichtigung der Götter durch kultische Verehrung im Mittelpunkt steht, findet man schon bei den Ägyptern die Bemühungen um ein individuelles, gottgefälliges Leben („erste zarte Wurzeln des Christentums“), so Baier.

Die zweite Wurzel sei griechischen Ursprungs. Die Götter werden hier zunehmend unsichtbar, wenn auch der persönliche Kontakt mit ihnen erwünscht ist. Ihre Präsenz wird positiv gesehen. Der Glaube und die innere Motivation werden zunehmend wichtiger als der Kult. Die Griechen, angeleitet von ihren Philosophen, gehen zunehmend davon aus, dass Menschen von den Göttern her vernunft- und tugendbegabt sind. Und so handelt auch Jesus nach griechischem Verständnis eben nicht wegen eines Vertragsverhältnisses zu Gott, sondern aus Vernunft.

Zehn Gebote „vernünftig“

Der ethische Zug im Christentum hat seine Wurzel in der griechischen Philosophie, dabei zunächst weniger in den konkreten Glaubensinhalten.

Das Verständnis der Beziehung Mensch-Glaube bringt manchen Griechen durchaus an seine Grenze. Aus griechischer Sicht sind die zehn Gebote durchaus vernünftig, die Auferstehung Jesu hingegen gilt als unverständlich.

Da die griechische Welt auch mit jüdischen und orientalischen Kulten in Berührung kommt, verbreiten sich deren Vorstellungen, wie zum Beispiel von der Rettung durch Auferstehung.

„Die dritte Wurzel ist in Rom zu suchen“, so Baier. Von den Griechen übernehmen die Römer die Vorstellung der menschlichen Vernunftbegabung. Vom Römischen Reich kommt darüber hinaus die starke Kanonisierung und Strukturierung der Kirche. Der Umgang mit Religion wird hier viel pragmatischer gehandhabt. Man ist tolerant, besteht aber auf die Einhaltung spezifischer Riten, vor allem in Bezug auf die Verehrung des Kaisers und der Götter.

Die Riten dienen der Sicherstellung der staatlichen Ordnung. Die Religion dient der Disziplinierung der Gesellschaft. Man schuldet den Göttern Dienst und Pflicht, sie gewähren dafür Frieden. Die Römer delegieren die Religion später an die Amtskirche mit einem gewissen Beamtenapparat.

In einer starken Verrechtlichung liegt die Wurzel für den Ausschließlichkeitsgedanken der Römer und die Legitimation von Rom als wichtigste christliche Ausgangsstadt. Lange Zeit stehen die Christen durch ihren Glauben im Gegensatz zum Kaiserkult.

Ihre wachsende Zahl aber fördert ab dem 2. Jahrhundert die Annäherung an den römischen Staat. Letztlich übernehmen die Christen Ende des 4. Jahrhunderts sogar die Führung im Reich.

Das Christentum ist dafür verantwortlich, dass sich, wenigstens im Westen, Latein als Sprache der Religion und der Wissensvermittlung durchsetzt. Die Christen kommen erst spät zum Lateinischen, Griechisch war lange die Sprache der Liturgie und der Eliten.

Religion für das „einfache Volk“

Aber das Grundverständnis des Christentums als Religion für das „einfache Volk“ gibt letztlich den Ausschlag. Es erzwingt eine Öffnung des Ritus hin zum Lateinischen und eine Abkehr vom elitären Griechisch der Philosophen. Damit wird das Christentum im Römischen Reich für die breite Masse verständlich und ob seines Erlösungsgedankens in krisenhafter Zeit hoch interessant. Diese neue Religion hat eine soziale und politische Dimension: sie ist für die kleinen Leute wichtig und ein Gegenentwurf zum Kaiserkult.

Das Christentum sichert auch das Latein gegen das mächtige Griechisch und verdrängt es schließlich. Spätestens ab Augustinus gibt es ein lateinisches Mittelalter. Das Wissen wird in lateinischer Sprache weitergegeben.

Zahlreiche Rückfragen aus dem Publikum unterstrichen den großen Erfolg des Vortrags von Dr. Thomas Baier.