Osterburken

Waldgenossenschaft Bofsheim Mit einem Festakt wurde das 150-jährige Bestehen gefeiert / Auf Erfolgsgeschichte zurückgeblickt / Waldbegehung mit Dietmar Heid

„Große Chance, denn: Gemeinsam ist man stärker“

Bofsheim.1869 gründeten 62 Teilhaber die Waldgenossenschaft Bofsheim. Am Samstagnachmittag wurde der 150. Geburtstag gefeiert. Der Genossenschaft gehören zurzeit 170 Waldbesitzer an, die eine Fläche von rund 336 Hektar ihr Eigen nennen.

Anlässlich dieses Jubiläums fand unter anderem eine Waldbegehung mit Kreisforstamtmann Dietmar Heid statt, an die sich ein Festakt anschloss, bei dem Walter Goll auf die Geschichte der Waldgenossenschaft zurückblickte.

Von Trockenheit erholen

Waldmeister Uwe Schweizer begrüßte zur Waldbegehung neben den Waldbesitzern MdB Alois Gerig, Bürgermeister Jürgen Galm, Forstdirektor Martin Hochstein, Kreisforstamtmann Dietmar Heid sowie den ehemaligen Waldmeister Erich Märker. Schweizer wünschte sich für den Wald, dass es feuchter und kühler werde, damit sich die Bäume von der Trockenheit des letzten Jahres erholen können.

Die erste Station der Begehung führte zum „Kerkers-Graben“. In diesem Waldgebiet habe das „Douglasiensterben“ durch die Dürre erstmalig angefangen, so Heid. Seit 1950 gehöre dieses Gebiet der Waldgenossenschaft. Vor 50 Jahren wurden die Douglasien gepflanzt. Eine rentable Waldwirtschaft sei erst durch maschinelle Vollernte möglich gewesen.

Bei der nächsten Station, „Neuenberg“, informierte Heid über die Forsteinrichtung, durch die die für die nächsten zehn Jahre zu nutzende Holzmenge festgelegt werde. Den Schülern der Astrid-Lindgren-Schule wurde eine Fläche für einen „Walderlebniswagen“ zur Verfügung gestellt. „Sie nehmen die Möglichkeit gerne wahr und erkunden hier die Natur“, so Heid.

Dokumentiert seit 1865

Walter Goll blickte auf die Geschichte der Waldgenossenschaft zurück. Seit 1865 seien Dokumente darüber vorhanden. Am 23. Januar 1865 erfolgte eine Ausschreibung im „Odenwälder Boten“ und „Main-Tauber-Boten“ sowie durch Ausrufung mit Schellenklang in Bofsheim, dass 753 Tannenstämme und drei Laubholzstämmlein im Distrikt „Hofholz“ versteigert werden. Dabei wurde ein Gesamtpreis von 3247 Gulden und 50 Kreuzern erzielt.

Der Bürgermeister und vier Gemeinderäte seien eineinhalb Tage mit der Auszeichnung und Nummerierung der Stämme beschäftigt gewesen. Der Gewinn sei entsprechend der Anteile verteilt worden.

1866 wurden 52 „Holländerstämme“ verkauft. Wenn die Gemeinde Geld benötigte, wurde „Holländerholz“ verkauft, so zum Beispiel beim Kirchenumbau, beim Bau des Pfarrhauses und der Pfarrscheune. Die Obrigkeit habe ab 1866 auf die schriftliche Gründung einer Waldgenossenschaft gedrängt.

1866 legte der Bürgermeister eine Liste mit 14 Waldbesitzer im „Löhlein“ vor. Auf Nachfrage habe er später 62 Teilhaber genannt, weil er zuvor nur die „Wichtigsten“ aufgeführt hatte.

Am 26. Januar 1869 erfolgte auf dem Amt in Adelsheim die amtliche und schriftliche Gründung einer Waldgenossenschaft. Am 6. Februar 1869 wurden die Waldbesitzer ins Rathaus geladen – und fast alle haben zugestimmt. Sieben Waldbesitzer seien mit ihren Anteilen nicht einverstanden gewesen – und hätten erst am 1. Oktober 1871 zugestimmt.

Bis vor 50 Jahren gab es zweierlei Anteile: Anteile am Laubholz und am Tannenholz. Am 10. Februar 1879 beschloss der Bofsheimer Gemeinderat, dass in Zukunft der Privatgenossenschaftswald nicht mehr von der „Bezirksforstei“ sondern vom Gemeinderat bewirtschaftet wird.

Bürgermeister als „Waldmeister“

1920 wurde ein Antrag gestellt, wonach bei der Wahl eines Waldmeisters und der Ausschussmitglieder die Stimmen nach Waldanteilen gewichtet werden. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Viele Jahre sei der Bürgermeister der „Waldmeister“ gewesen, die Gemeinderäte die Beisitzer und der Ratschreiber der Rechner, betonte Goll, der noch die Waldmeister, ab dem Jahr 1879, bekannt gab.

Wie Bürgermeister Jürgen Galm erklärte, sei der Wald schon damals eine Einnahmequelle gewesen. Dies habe sich bis heute erfolgreich fortgesetzt. Die Natur spiele allerdings eine wesentliche Rolle. Mit der Erweiterung der Genossenschaft und dem Waldtausch mit der Stadt Osterburken im Jahr 2011 seien die Grundlagen für eine gute Entwicklung – auch für die nächsten 150 Jahre – gelegt worden.

Alois Gerig betonte, dass bereits bei der Gründung der Genossenschaft die Waldbesitzer sehr weise gewesen seien, denn diese bestehe noch heute. „Wir haben nur eine Chance, wenn wir unsere Wälder mit Förstern schützen.“ Durch den Käferbefall, Trockenheit und Sturm sei eine schwierige Lage für die Waldbesitzer entstanden. Die Preise für das Holz seien zusammengefallen.

„Wir wollen die Waldbesitzer nicht alleine lassen“, erklärte Gerig, der das Modell „Waldgenossenschaft“ als „die größte Chance“ bezeichnete, denn gemeinsam sei man stärker.

Wie Ortsvorsteher Werner Geiger erklärte, dürfe man ohne Übertreibung und nicht ohne Stolz feststellen, dass die Gründung der WG zu einer Erfolgsgeschichte geworden sei.

Ottmar Hettinger habe fast ein halbes Jahrhundert den Genossenschaftswald betreut – und mit ebensoviel Herzblut werde dies von seinem Nachfolger, Dietmar Heid, weitergeführt. Viele hätten sich verdienstvoll in die Waldgenossenschaft eingebracht.

Die Waldbewirtschaftung stehe vor großen Herausforderungen, unter anderem wegen des Klimawandels, Trockenheit und dem Borkenkäfer, so der Ortsvorsteher abschließend.

Forstdirektor Martin Hochstein gratulierte ebenfalls zum Jubiläum und meinte, dass solch ein Zusammenschluss auch in der Zukunft Bestand haben werde. Innerhalb der Waldgemeinschaft sei alles „gut gelaufen“, stellte der Forstdirektor fest.

Als Förster wisse man nicht immer genau, was gerade angebaut werden solle, weil die Klimaentwicklung ungewiss sei. Man müsse in der Forstwirtschaft in langen Zeiträumen denken, weil die Bäume 100 Jahre und länger stünden. Die Fichte werde auf Dauer, bedingt durch den Klimawandel, aussterben, so Hochstein abschließend.