Osterburken

Informationsfahrt Trüffelplantagen und -vermehrungsbetriebe besichtigt / Auf einem kleinen Feld in Sindolsheim sollen erste Erfahrungen gesammelt werden

Landkreis will den Trüffel ins Bauland holen

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Trüffelpilze gedeihen in Kalkböden, wie sie im Bauland zu finden sind. Ob und wie Trüffel im Neckar-Odenwald-Kreis angebaut werden können, das haben der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Albert Gramling, der Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft beim Landratsamt Bernhard Heim sowie weitere Landwirte und Landratsamtsmitarbeiter im Kreis Konstanz erkundet.

Dort besichtigte die Gruppe Trüffelplantagen sowie einen Trüffelvermehrungsbetrieb.

Dass der edle Burgundertrüffel im Kreis wachsen würde, davon zeigte sich Trüffelexperte Dr. Ulrich Stobbe von der Firma „Deutsche Trüffelbäume“ vor Ort überzeugt: „Die Trüffel kommen von Natur aus in fast allen Gebieten mit kalkhaltigen Böden in Mitteleuropa vor. Allerdings stehen die wild wachsenden Trüffel ausnahmslos unter Naturschutz. Das Suchen und Ernten ist somit verboten. Zuchttrüffel sind dagegen sehr gefragt.“ Stobbe gilt als Pionier zu dem Thema in Deutschland.

„Trüffelland“

„Unser Verband hat es sich zum Ziel gesetzt, Deutschland zum Trüffelland zu machen“, ergänzte Markus Mayer, Leiter der Geschäftsstelle beim deutschen Trüffelverband. Mayer hatte die Delegation aus dem Neckar-Odenwald-Kreis eingeladen und informierte über Biologie und Ansprüche des Pilzes. So sei das Pilzgeflecht, die Mykorrhiza, auf Laubbäume oder Haselsträucher angewiesen. Mit diesen gehe der Pilz eine Symbiose ein. Gängig und geeignet seien Buchen, Eichen, Hainbuche und eben Haselsträucher. Der Anbau von Trüffeln erfolge über Jungpflanzen, deren Wurzeln mit dem Pilz beimpft werden. „Der Pilz wächst dann mit der Pflanze. Dabei steht er in Konkurrenz zu anderen Pilzen. Deshalb muss darauf geachtet werden, dass sich keine anderen Pilze an den Wurzeln ansiedeln“, so Mayer.

Zum Trüffelanbau brauche man allerdings Geduld, erklärte der Biologe weiter. Erst nach sieben bis zehn Jahren bildeten sich die ersten Fruchtkörper, die begehrten Pilze. Zuvor könne überprüft werden, ob Pilzgeflechte an den Wurzeln vorhanden sind und sich gut entwickeln.

Dabei können Landwirte vom Trüffelverband unterstützt werden. Wenn alles klappt, könnten dann jedes Jahr Pilze geerntet werden. Erträge von 20 bis 40 Kilogramm Trüffel je Hektar müssten von einem ausgebildeten Trüffelhund erschnüffelt werden.

Naturschutzfachliche Ziele

Mayer betonte bei dem Treffen zudem, dass mit Trüffelanlagen auch naturschutzfachliche Ziele erreicht werden können. Diesen Punkt griffen Bernhard Heim und Lukas Schäfer, Naturschutzfachkraft beim Landratsamt, auf. Schäfer betonte, dass der Trüffelanbau in naturnah gestalteten „Trüffelbiotopen“ als zusätzlicher Anreiz für Landwirte zur Schaffung hochwertiger Biotop- und Vernetzungsstrukturen sehr zu begrüßen sei.

Um das wirtschaftliche Risiko des Trüffelanbaus abzufangen, will Heim die ökologische Aufwertung als „Trüffelbiotop“ nutzen.

„Wenn es uns gelingt“, so Heim, „mit der Anlage von Trüffelkulturen Ökokontopunkte zu generieren, dann wird die Trüffelkultur wirtschaftlich sehr interessant. Denn wenn die Investitionskosten und der mehrjährige Ertragsausfall über den Verkauf von Ökokontopunkten kompensiert werden können, geht das Investitionsrisiko gegen Null.“

Der Fachdienst werde das Thema auf jeden Fall weiterverfolgen, versprach Heim. Zunächst werde man auf einem kleinen Feld in Sindolsheim erste Erfahrungen sammeln.

Der Anstoß zur Etablierung des Trüffels kam von Landrat Dr. Achim Brötel, der dem Gourmet-Pilz in der Region auf Basis der Informationen des Trüffelverbands durchaus gute Chancen einräumt.