Osterburken

Vortrag Evolutionspädagogin Petra Sitzler referierte über Lernprobleme

„Lasst Kinder glücklich sein“

Archivartikel

Osterburken.In ihrem Vortrag am Ganztagsgymnasium Osterburken (GTO) ist Evolutionspädagogin Petra Sitzler vor 90 Zuhörern den Ursachen von Lernproblemen auf den Grund gegangen. Als Leiterin des Bildungszentrums für Evolutionspädagogik und Praktische Pädagogin ist Sitzler in Adelsheim und Stuttgart als Lernberaterin, Ausbilderin und Coach tätig.

Sitzler riet zu Gelassenheit und zu einer unvoreingenommenen Ursachenanalyse. Zugleich rief sie Eltern und Lehrer dazu auf, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. In der Regel liege mangelnder Bildungserfolg vor allem an einem Fehlen des inneren Gleichgewichts des Kindes, so Sitzler. Das Kind reagiere auf Stress dann natürlicherweise mit einem scheinbar provokanten Verhalten. Wenn Kinder etwas nicht verstehen und sich nicht blamieren wollen, verkriechen sie sich, um das innere Gleichgewicht zurückzuerlangen. Dieses Verhalten ahme die im Säuglings- und Kleinkindalter erreichten Entwicklungsstufen nach. Daher seien Probleme beim Stillsitzen und eine für Erwachsene ungewöhnliche Körperhaltung bis ins Jugendalter normal. Aufmerksam sollte man hingegen bei einer deutlich verkrampften Körper- oder Handhaltung sein, mahnte Sitzler.

Besonders kritisch könne es werden, wenn Kinder bestimmte Entwicklungsstufen nicht oder nicht ausreichend durchleben würden. Das Fehlen einzelner Stufen führe fast zwingend zu Defiziten bei der Erreichung der nächstfolgenden. Nur eine gesunde Entwicklung aber garantiere die Fähigkeit zu sozialem Agieren. Daher sei Druckausübung schädlich. Erwachsenwerden brauche eben seine Zeit.

Eltern und Lehrer rief Sitzler zur Besonnenheit auf. Kinder müssten toben und ihre Kräfte messen. Gleiches gelte für das Ausbleiben eines sofortigen Lernerfolgs oder die Fähigkeiten zu Schönschrift beziehungsweise Empathie. Gerade Letzteres lasse sich nicht beschleunigen. Kinder seien immer individuell und könnten Dinge oft nicht sofort oder nicht so schnell wie andere. Dies sei aber in der Regel kein Grund zu sofortiger Besorgnis.

Das Bemühen um eine kindgerechte klare Sprache, Besonnenheit bei der Bewertung von Leistungen, die Nutzung verschiedener Lernwege, Zuwendung und Entspannung trügen wesentlich zum Unterrichtserfolg bei. Eine zu strenge Steuerung sei oftmals gar nicht nötig.

Einem übermäßigen Lernen in der Vorschule steht Sitzler sehr kritisch gegenüber. Kinder müssten zunächst einmal spielen lernen dürfen. Zufrieden äußerte sie sich über die Abschaffung des „Schreibens nach Gehör“, das jeglichen Erkenntnissen zur Gehirnforschung widerspricht.

Zuletzt sprach Sitzler über die weiteren Möglichkeiten der Kommunikation. Worte könnten in ihrer Bedeutung von jedem unterschiedlich aufgefasst werden. Wichtiger als das, was gesagt wird, sei das, was ankomme und wie es verarbeitet werde. Dabei spiele das Alter und das Geschlecht der miteinander Kommunizierenden eine große Rolle. Unbeabsichtigte Missverständnisse seien so keine Seltenheit. Man müsse stets beachten, dass Kinder einen viel geringeren Horizont als die Erwachsenen haben.

Schulleiterin Regina Krudewig-Bartel unterstrich die Bedeutung des Vortrags für den Unterricht: „Jeder, der Mut zu Gelassenheit hat, hat heute den Ritterschlag bekommen. In diesem Sinne: Lasst die Kinder einfach Kinder und glücklich sein.“