Osterburken

Lärmschutz in Osterburken 60 Bürger kamen zur Einwohnerversammlung / Deutsche Bahn informierte über Pläne

Mehr als 270 Wohngebäude betroffen

Archivartikel

Für ein Lärmschutzgutachten sind in Osterburken 600 Gebäude in Gleisnähe untersucht worden. Die Stadt muss nun entscheiden, ob deswegen drei Meter hohe Wände errichtet werden sollen.

Osterburken. Die Bevölkerung und der Gemeinderat von Osterburken stehen in den kommenden Monaten vor zwei großen Fragen: Sollen entlang der Bahnstrecke mitten in der Stadt zwei bis drei Meter hohe Lärmschutzwände aufgestellt werden? Oder wartet man lieber, bis in Deutschland alle Güterwaggons mit der sogenannten „Flüsterbremse“ ausgestattet sind? Im Rahmen einer Einwohnerversammlung kamen am Dienstagabend 60 Bürger, einige Gemeinderäte und Bürgermeister Jürgen Galm in die Baulandhalle, um sich über die Pläne der DB zu informieren.

Grenzwert liegt bei 57 Dezibel

Ein für Osterburken erstelltes Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass insgesamt 270 Gebäude von einer Überschreitung der Lärmschutzgrenze betroffen sind. Wie der zuständige Experte Christian Krenz vom Ingenieurbüro A.I.T. aus Rimpar erklärte, seien für dieses Gutachten rund 600 Gebäude in einem Korridor von 320 Metern links und rechts der Gleise untersucht worden. Als Grenzwert diente der Maßstab für Wohngebiete in der Nacht. Dort dürfe der Lärm nur maximal 57 Dezibel (dB) betragen, so Krenz.

Bei der Vorstellung der Pläne wurde deutlich: Die meisten von einer Überschreitung der Lärmschutzgrenze betroffenen Häuser stehen in der Adelsheimer-, Dr.-Rudolf-Link-, Bahnhof-, Limes-, Silcher- und Bofsheimerstraße, im Buchener- und Paul-Hindemith-Weg sowie in der Seedamm- und Friedrichstraße.

1,7 Kilometer lang

Um den Geräuschpegel zu reduzieren, schlug Krenz zusammen mit Sabine Weiler von der DB Netz AG den Bau zweier Lärmschutzwände vor. Diese können zwischen zwei bis drei Meter hoch sein, liegen mindestens 3,30 Meter von der Gleisachse entfernt und absorbieren mittels einer Schalldämmwolle den Lärm der vorbeifahrenden Züge. Die erste Wand ist nach den derzeitigen Plänen mit einer Gesamtlänge von 1,7 Kilometern entlang der Adelsheimer-, Bofsheimer- und Limesstraße vorgesehen und wird durch das Bahnhofsgebäude unterbrochen. Die andere Wand mit einer Länge von 600 Metern ist für den Bereich Güterhallenstraße und Sportplatzweg geplant. Die Kosten für die Wände übernimmt die DB. Die durchschnittliche Reduzierung des Pegels würde nach dem Bau der ersten Wand bei 5,8 dB und bei der zweiten bei 7,7 dB liegen. Um diese Verminderung zu erreichen, ist eine Wandhöhe von drei Metern notwendig.

Auswirkung der Lärmreduzierung

Krenz wies darauf hin, dass man die topographische Situation der Stadt beachten müsse. „Aufgrund der Lage kann es sein, dass sich bei manchen Häusern der Geräuschpegel durch die Lärmschutzwände stärker reduziert als bei anderen“, so der Gutachter. So liege die maximale Pegelminderung durch die erste Wand bei 18 dB, bei der zweiten bei 14 dB. Wie sich diese Auswirkung auf die wahrnehmbare Lautstärke auswirkt, erklärte Sabine Weiler anhand eines Beispiels: Eine Änderung von zehn dB wirke auf die meisten Menschen wie eine Reduzierung der Lautstärke um die Hälfte. „Alternativ könnte man sagen: Wenn das Verkehrsaufkommen auf den Schienen um 90 Prozent sinkt, haben wir eine Verminderung um 10 dB.“ Erst eine Änderung von drei dB werde vom Menschen wahrgenommen, erklärte sie den Anwesenden.

Passive Maßnahmen möglich

„Wir befinden uns in einem frühen Stadium der Planung und wollen dafür die Meinung der Bürger einholen“, versuchte Weiler klar zu machen, dass an diesem Vorschlag noch nichts in Stein gemeißelt ist. Zumal bei einem „Nein“ der Gemeinde zu den Lärmschutzwänden immer noch für die betroffenen Hauseigentümer die Möglichkeit besteht, passive Maßnahmen zu ergreifen. Darunter fällt etwa der Austausch von Fenstern und die Dämmung von Rollladenkästen und Dächern.

Die DB werde so oder so die Hauseigentümer anschreiben, ob sie ein objektbezogenes Gutachten haben möchten, so Weiler. Dabei werde in allen Schlafräumen, in Wohn- und Esszimmern sowie in Wohnküchen überprüft, ob der Grenzwert in Höhe von 57 dB überschritten wird. Maßnahmen wie etwa der Austausch der Fenster werden zu 75 Prozent gefördert, die restlichen 25 Prozent muss der Eigentümer zahlen. Weiler machte in ihrem Vortrag klar: Sollten die Lärmschutzwände nicht dazu führen, dass der Pegel unter den Grenzwert fällt, können immer noch passive Maßnahmen ergriffen werden.