Osterburken

Waldtausch in Osterburken Zukunftsfähige Struktur durch große Flächen / Landrat Dr. Brötel und Minister Peter Hauk würdigten die Maßnahme

„Projekt ist einzigartig in Deutschland“

Durch freiwilligen Landtausch über eine Fläche von 1078 Hektar wurde eine grundlegende Verbesserung einer zersplitteten Waldstruktur auf der Gemarkung der Stadt Osterburken erreicht.

Osterburken. Vereinbart wurde der Waldtausch zwischen dem Land Baden-Württemberg Staatsforst, der Stadt Osterburken, der Waldgenossenschaft Gies, der Waldgenossenschaft Rinschbachtal und 20 Privatwaldbesitzern.

Durch die Zusammenlegung von Flurstücken reduzierte sich die Waldflurstückzahl von bisher 719 auf 98. „Dies ist für das Land Baden-Württemberg vorbildlich und wird auch eine landesweite Bedeutung haben“, sagte der Minister für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, MdL Peter Hauk, im Sitzungssaal des Osterburkener Rathauses, anlässlich des entscheidenden Anhörungstermins, bei dem der Tauschplan von Minister Peter Hauk, Landrat Dr. Achim Brötel, Bürgermeister Jürgen Galm, Uwe Belzner (Waldgemeinschaft Rinschbachtal), Wolfgang Köpfle (Waldgemeinschaft Gies), und Forstamtsmann Dietmar Haid (in Vertretung der Privatwaldbesitzern) unterzeichnet wurde.

Der Landrat hieß die Beteiligten dieses Landtausches im Namen des Neckar-Odenwald-Kreis willkommen. Es werde heute nicht nur fleißig unterschrieben, sondern auch ein Stück weit deutsche Wald- und Forstgeschichte geschrieben. Der durchschnittliche Kleinprivatwaldeigentümer im Bauland habe aktuell 0,3 Hektar verteilt auf zwei Flutstücke. Dies mache eine sinnvolle Waldbewirtschaftung nahezu unmöglich, stellte Brötel fest. Wer keine vernünftigen finanziellen Erträge generieren könne, verliere auch schnell das Interesse. Die Folge sei, dass der weit überwiegende Teil des Kleinprivatwaldes gar nicht mehr bewirtschaftet werde. „Nur großflächige Zusammenschlüsse ermöglichen im Wald zukunftsfähige Strukturen“, resümierte der Landrat. Dieser großflächige Waldtausch führe zu einer grundlegenden Verbesserung der bisher stark zersplitterten Waldstrucktur. Dieser sogenannte freiwillige Landtausch, unter der Federführung des Fachdienstes Flurneuordnung und Landentwicklung, sei eindrucksvoll gelungen. Die eigentlichen Vorarbeiten haben seit Jahren in mühevoller Kleinarbeit der Fachdienst Forst, Forstbetriebsleitung Adelsheim, mit Forstdirektor Martin Hochstein an der Spitze, geleistet. Bereits im Jahr 2013 erfolgte der Zusammenschluss von 165 Eigentümern mit 440 Flurstücken zu einer Waldgemeinschaft mit einer Größe von 73 Hektar. Um die völlig zersplitterten Flurstücke dieser Waldgemeinschaft zusammenzuführen und dadurch eine sinnvolle forstliche Bewirtschaftung zu ermöglichen, war zwischen der Stadt Osterburken und der Waldgemeinschaft ein großer Waldtausch beschlossen und über privatrechtliche Gestattungsverträge auch bereits vollzogen worden. Dem geplanten Waldtausch schlossen sich noch weitere Waldbesitzer wie der Staatswald, die Waldgenossenschaft Gies sowie diverse Privatwaldbesitzer an, so dass es jetzt einen Waldtausch aus einem Guss gebe, so der Landrat. Da es bereits im Jahr 2011 auf der Gemarkung Bofsheim ein ähnliches Verfahren gegeben habe, sei die Waldstruktur im Gebiet der Stadt Osterburken zum Vorteil aller Waldbesitzer optimiert. „Ein solches Projekt ist einzigartig in ganz Deutschland“, lobte Dr. Brötel. Dass dieses Projekt überhaupt verwirklicht werden konnte, sei auf die hervorragende Zusammenarbeit der Forstbetriebsleitung Adelsheim, die mit großem Einsatz das Projekt initiiert und betrieben habe.

Die Stadt Osterburken habe mit Zustimmung des Gemeinderates die Gründung der neuen Waldgemeinschaft nicht nur finanziell unterstützt, sondern offensiv für das Projekt geworben und einem Waldtausch unter besonderer Berücksichtigung der Interessen der Privatwaldbesitzer zugestimmt. Sehr wichtig sei auch die Hilfe des Notars Dr. Theisinger in Sachen Rechtsberatung und Vertragsgestaltung sowie des Grundbuchamtes Osterburken der Stadt Osterburken gewesen. Der Fachdienst Flurneuordnung und Landentwicklung habe schließlich den nicht ganz einfachen Landtausch mit einigen Neuvermessungen in enger Abstimmung mit der Forstbetriebsleitung sehr zeitnah bearbeitet und zu einem guten Abschluss gebracht. Auf dem gesamten Gebiet der Stadt Osterburken konnten so 120 Hektar Wald einer geregelten Bewirtschaftung über Waldgemeinschaften zugeführt werden. Dies entspreche einem jährlichen nachhaltigen Einschlag von nahezu 1000 Festmeter Holz, so der Landrat abschließend.

„Dieser Waldtausch ist ein Meilenstein und ein historischer Tag“, stellte Minister Peter Hauk fest. In Baden-Württemberg gebe es überall zersplittete, kleine Wälder. Die Zusammenlegung zu einer Waldgemeinschaft mache Sinn. Die auswärtigen Kleineigentümer verlieren zwar ihr Eigentum am Flurstück, aber nicht die Nutzungsrechte aus dem Waldeigentum. Es sei wichtig, dass der Wald genutzt werde und dass die Eigentümer mitgemacht haben. Dies sei für das Land Baden-Württemberg vorbildlich. Der Minister dankte den Mitarbeitern der Landesforstverwaltung für ihr großes Engagement. Es zeige, dass ohne die Präsenz der Förster vor Ort, die Waldnutzung schwieriger sei und dankte zuletzt allen Beteiligten für ihr großes Engagement.

Forstamtmann Dietmar Haid zeigte an Karten die neu getauschten Waldgebiete auf. Der Leiter der Forstbetriebsleitung Adelsheim, Forstdirektor Martin Hochstein, sagte, dass ein Großteil der Arbeiten bei der Forstbetriebsleitung von Forstamtmann Dietmar Haid geleistete worden seien und dankte ihm dafür. Markus Hüblein, Leitender Fachbeamter Flurneuordnung- und Landentwicklung beim Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises, verlas den Tauschplan, der danach von den Verantwortlichen unterzeichnet wurde. jüh