Osterburken

Professionelle Theaterproduktion am GTO „TheatermobileSpiele“ zeigt „Schiller. Maria Stuart.“

Sensible Spielmomente und feiner Magnetismus

Archivartikel

Osterburken.Das „TheatermobileSpiele“ ist ein freies, in Karlsruhe ansässiges und in ganz Baden-Württemberg agierendes Profi-Theater, das sich ausschließlich mobilen Theaterproduktionen widmet. Am Montag, 6. Mai, gastiert es am GTO. Ein künstlerisches Aufgabenfeld ist dabei das Klassenzimmertheater.

Theater kommt in die Schule

Klassenzimmertheater meint, dass die Zuschauer – in diesem Fall Schüler – nicht zum Theater kommen, sondern umgekehrt, das Theater in die Schule, das Klassenzimmer, kommt.

Dabei sucht das Theater immer die intime, weil den Schülern sehr nahe Spielsituation. Und nahe ist es sowohl physisch als auch psychisch, da es im gewohnten Umfeld der Schüler auftritt. Diese besondere Spielsituation ist im Sinne von ästhetischer Bildung bestens dafür geeignet, einen ge- und bewohnten funktionalen Alltagsraum mit neuen Blickwinkeln auf die Welt aufzuladen, mit Phantasie in einen fiktionalen Raum zu verwandeln, als einen möglichen Ort für Geschichte(n) „erscheinen“ zu lassen.

Die Inszenierung „Schiller. Maria Stuart.“ hat den Untertitel „Macht und Marter“. Dieser Untertitel bedeutet zweierlei: Die körperlichen oder seelischen Schmerzen, die Marter, derer, die Macht ausüben, und derer, über die sie ausgeübt wird.

Der Mächtige, der Ermächtigte, muss ein (inneres) Martyrium mitmachen, das gerade seine Macht manifestiert, ihn selbst aber zum Opfer seines Machtstrebens macht: Elisabeths letzter Befehl ist nicht mehr ausführbar. Sie ist machtlos geworden ihrer eigenen Macht-Maschinerie gegenüber …

Letzte Regianweisung zu Elisabeth: „Sie bezwingt sich und steht mit ruhiger Fassung da.“

Der Ohnmächtige, Entmachtete mag in seinem (äußeren) Martyrium einzig die Möglichkeit der Akzeptanz dieser Entmächtigung haben, um Macht über sich selbst, sein Selbst, zu behaupten.

Letzte Worte Marias vor dem Tod: „Die Krone fühl ich wieder auf dem Haupt,/Den würd’gen Stolz in meiner Seele!“

Schüler werden konfrontiert

Die Schüler werden in dieser Inszenierung mit Maria und Elisabeth, den beiden Magnatinnen, als den beiden Polen konfrontiert, in deren Magnetfeld alle höflichen Teilnehmer wie nichtige Elementarteilchen erscheinen, die gar nicht mehr vorkommen.

So wird diese Produktion auch von zwei Frauen allein gespielt.

Wichtig dabei ist die Nähe der Zuschauer zu diesem Spannungsfeld, die – volksgleich – das Innenleben dieser beiden Herrscherinnen begleiten – tatsächlich nur zwei bis drei Meter von ihnen entfernt.

Dieser Konzeption ist der Bezug zu heute wichtig. Als Textgrundlage dient der Originaltext von Friedrich Schiller.

Die Zuschauer sitzen zwei bis drei Meter von den hochintensiv spielenden Profischauspielerinnen entfernt, was in dieser Intimität auch immer sehr sensible Spielmomente und einen feinen Magnetismus im Spieler-Zuschauer-Kontakt ermöglicht.

Vor dem Hintergrund dessen, was ästhetische Bildung meint, ist es darüber hinaus entscheidend, die Schüler mit Bühnensprache (Theatersemiotik) vertraut zu machen, auch zu konfrontieren. Daher findet im Anschluss an jede Vorstellung ein Nachgespräch mit den Schauspielerinnen statt, das offen ist für alle Fragen zum Gesehenen oder dem Themenfeld Theater.

Die Theaterproduktion „Schiller. Maria Stuart. richtet sich an die Klassenstufe zehn der Gymnasien in Baden-Württemberg.