Osterburken

Besuch im Bauland Staatssekretär MdB Hans-Joachim Fuchtel informierte sich in Osterburken über die Borkenkäferplage

„Situation für den Wald eine Katastrophe“

Archivartikel

Dunkle Gewitterwolken zogen zwar über das Bauland, aber der erhoffte Regen blieb auch während des Kurzbesuches des Parlamentarischen Staatssekretärs MdB Hans-Joachim Fuchtel aus.

Osterburken. Für den Wald wäre es so dringend notwendig. Die bisher lang anhaltende Dürre und der fehlende Regen verursacht derzeit eine in dieser Form noch nie da gewesene Borkenkäferplage, die den Fichtenbäumen in den heimischen Wäldern stark zusetzt und dessen negative Folgen noch auf Jahre hinaus zu spüren sein werden.

Schäden in der Forstwirtschaft

Ein „Willkommen“ zu diesem kurzfristig anberaumten Informationsbesuch in Osterburken entbot der gastgebende Bundestagsabgeordnete Alois Gerig den anwesenden Gästen. Gerigs Dank galt Staatssekretär Fuchtel, der kurzfristig bereit war, sich über die in den heimischen Wäldern akut bestehende Borkenkäferproblematik zu informieren.

Wie Gerig weiter sagte, höre man in diesen Tagen sehr viel über die Dürreschäden in der Landwirtschaft. In den letzten beiden Tagen habe man in Berlin eine Absichtserklärung für ein Programm auf den Weg gebracht, um existenziell bedrohten Landwirten finanziell zu helfen. Es werde aber auch noch zu wenig über Schäden in der Forstwirtschaft geredet, die der Borkenkäfer derzeit in den Fichtenbeständen der heimischen Wälder anrichtet, die schleichend gekommen sind, aber zwischenzeitlich exorbitant in die Höhe gehen.

In seiner Funktion als forstpolitischer Sprecher in der Union sei er sehr intensiv im Kontakt mit vielen Forstleuten und Waldbesitzern und er wisse auch, dass man dieses Problem sehr ernst nehmen müsse. Das heißt auch, es komme jetzt eine re-lativ große befallene Holzmenge auf den Markt, die dieser fast nicht aufnehmen kann. Man habe durch die fortschreitende Hitze und die bisherige Trockenheit die Problematik, dass die eine und andere Generation der Borkenkäfer weiter schlüpft. MdB Gerig bedankte sich bei den beiden anwesenden Forstleuten, dass man dieses Problem hier vor Ort in Osterburken, wo derzeit befallenes Fichtenholz in großer Menge gefällt wird, in Augenschein nehmen kann.

Wie Gerig weiter betonte, ist aus der letzten Sturmkatastrophe des Jahre 2017 noch nicht alles Sturmholz aufgearbeitet worden, jetzt komme durch den Borkenkäfer schon wieder befallenes Fichtenholz in großer Menge dazu. Der Druck auf die Holzpreise sei deshalb enorm. Für ihn sei es deshalb sehr wichtig, dass sich die Politik dieser Thematik annimmt, sagte der parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. Er möchte sich mit diesem kurzfristigen Besuch im Bauland diese ungute Situation vor Ort ansehen und die daraus resultierenden Folgen von den Fachleuten des Forstes erklären lassen.

Bei dieser nunmehr verstärkt aufgetretenen Borkenkäferplage ist eine Feststellung der „Ist-Situation“ wichtig und von großer Bedeutung, um mit Ministerin Julia Klöckner weitere Maßnahmen einleiten zu können, die auf bestehenden Fakten basieren.

Ihm als „Schwarzwälder“ seien die Sorgen um den Borkenkäfer auch von dort wohl bekannt. „In den nächsten Jahren ist aber“, so Fuchtel, „mit nicht kalkulierbaren Folgen zu rechnen“. Von den anwesenden Fachleuten wollte er wissen, wie die Situation des Borkenkäfers und dessen Entwicklung in den letzten beiden Jahren vor Ort gewesen sei.

Sorge wegen Trockenheit

Bürgermeister Burger als Präsident der Forstkammer betonte, dass man in den letzten beiden Jahren das Thema Borkenkäfer gut im Griff hatte. Die seit Wochen anhaltende Trockenheit setze nicht nur den hiesigen, sondern auch den Wäldern in Baden-Württemberg immer mehr zu, worüber er sehr besorgt sei. Man habe ein Dürreproblem, denn insbesondere die älteren Buchen werden jetzt schon braun und werfen ihre Blätter ab, was nicht normal ist. Viele junge Bäume seien bereits vertrocknet. Es müsse davon ausgegangen werden, so Burger, dass die Folgen durch den Borkenkäferbefall des Fichtenbestandes die Forstwirtschaft auch in den kommenden Jahren erheblich belasten wird. Burger forderte daher die Politik auf, den Waldbesitzern beizustehen.

Aus den „Niederungen der Praxis“ berichtete Oberforstrat Martin Hochstein, der sagte, dass es eine solche Situation schon einmal nach dem heißen Sommer im Jahr 2003 gab, aber nicht in diesem bedeutenden Ausmaß wie jetzt. Anhand einer Auswertung zeigte Hochstein dem Staatssekretär den deutlichen Anstieg der Käferschäden nach diesem Trockenjahr. Die Nachwehen waren damals noch im Jahre 2005 zu spüren, wo man im Bereich der Forstwirtschaft Adelsheim insgesamt 35 000 Festmeter Käferholz hatte.

In den nächsten Jahren verflachte dies zunehmend und tendierte dann später gegen „Null“. In diesem Jahr sei wieder ein deutlicher Anstieg der der Borkenkäferplage an Fichtenbäumen festzustellen, dessen Spätschäden in den nächsten zwei drei Jahren noch erkennbar sein werden, sagte Hochstein. Zudem werde sich die Situation auf dem Holzmarkt weiter verschlechtern, wobei sich keine Liquiditätsprobleme abzeichnen, aber man habe massive Vermögensschäden. Die wirtschaftliche Not bei den Forstbetrieben fange erst in den nächsten zwei, drei Jahren an. Burger ergänzte, dass man von Seiten der Forstkammer vorschlage, das bestehende Forstschädensausgleichsgesetz, was er als derzeit unbrauchbar bezeichnete, sollte dringend reformiert werden. „Die Möglichkeit, Risikorücklagen zu bilden, müssen verbessert“ werden, forderte der Forstkammer-Präsident. Wichtig seien außerdem eine Aufarbeitungshilfe für das anfallende Schadholz, die verbesserte Förderung der Wiederaufforstung von Kahlflächen und der Ersatz der vertrockneten Pflanzungen.

Revierförster Dietmar Heid brachte in seinen Ausführungen die Entwicklung des Borkenkäfers auf den Punkt: „Die jetzige Situation ist für den Wald eine Katastrophe.“ Die Entwicklung des Käfers sei im Juni so richtig in Schwung gekommen, sagte Heid und die Vermehrung ging durch den fehlenden Regen und die lange Trockenheit sehr schnell.

Jetzt habe man die zweite Generation, was bei der Stadt Osterburken mehr als 1000 Festmeter schadhaftes Fichtenholz bedeutet. In vier Wochen erwarte man in der Vermehrung des Käfers die dritte Generation und sogar mit einer Vierten sei zu rechnen, fügte Oberforstrat Hochstein hinzu, die es selbst im Jahre 2003 nicht gegeben habe. Die Fichten, das ist jetzt schon deutlich zu sehen, sterben schon ohne Wasser ab. „Dagegen haben wir als Forst keine Chance“, sagte er. Man könne jetzt durch Maßnahmen das Holz schützen, damit kein Käfer mehr einnistet, aber der Käferbestand sei entscheidend dafür, was übrig bleibt. Auch wenn jetzt noch ein großer Regen kommen würde, nützt das dem Fichtenbestand in diesem Jahr nichts mehr.

Wenn man mit einem großen Käferbestand ins nächste Jahr geht, besteht keine große Chance, dieses Problem in den Griff zu bekommen. An einem Stück befallener Baumrinde sahen die Fachleute wie viele Käfer, die sich darin befinden. Zur Aufarbeitung des befallenen Käferholzes stehen relativ wenige Forstwirte zur Verfügung.

Bürgermeister Galm ergänzte die bisherigen Ausführungen dahin, dass diese derzeit bestehende Borkenkäferplage die Kommunen in den nächsten Jahren viel Geld kosten werde. Auch die Privatwaldbesitzer werden durch die Forstverwaltung gebeten, ihr befallenes Käferholz so schnell wie möglich aufzuarbeiten.

Gemeinsames Konzept

Wie MdB Gerig abschließend sagte, war das Holz in den letzten Jahren noch etwas wert und brachte den Kommunen gute Erlöse. Jetzt gebe es mit dem Holzabsatz erhebliche Probleme und der Erlös werde sich durch den erheblichen Holzüberschuss weiter vermindern. Für die Forstbetriebsleitung ist es, wie Hochstein sagte, deshalb wichtig nach neuen Abnehmern auch im Export zu suchen. Bürgermeister Burger war sich sicher, dass das Käferproblem als auch die Dürreschäden auch in Zukunft bleiben werden, weshalb man nachhaltige Maßnahmenpakete schnüren müsse. Über ein gemeinsames Konzept müsse in Berlin gesprochen werden.

Für Staatssekretär Fuchtel war es, wie er sagte, bei dieser kurzen Stippvisite vor Ort wichtig, Informationen und Kenntnisse von diesem bedeutenden Borkenkäferproblem zu bekommen und diese mit nach Berlin zu nehmen. Die Auswirkungen auf den Wald sollen in die parlamentarische Arbeit einfließen.