Osterburken

Ortsrundgang Walter Groll machte die Teilnehmer mit „Bofsheimer Häusergeschichten“ vertraut

Von der „Krone“ bis zum „Neuhaus“

Archivartikel

Bofsheim.Über 50 Personen beteiligten sich am Ortsrundgang in Bofsheim, der dieses Mal auf der linken Bachseite stattfand und unter der Leitung von Walter Goll zum Thema „Bofsheimer Häusergeschichten“ eine große Resonanz fand.

Ortsvorsteher Werner Geiger freute sich bei der Begrüßung im neugestalteten „Stadtgarten“ über die zahlreichen Interessierten, unter ihnen auch Bürgermeister Galm.

Positive Veränderungen

Neben der Geschichte einzelner Häuser und Gehöfte wurde von Walter Goll auch über Namen und Hausnamen früherer und heutiger Bewohner und Besitzer informiert, was immer wieder auch zu Nachfragen führte. Werner Geiger ergänzte Golls Ausführungen an einzelnen Standorten mit Hinweisen auf positive Veränderungen und Entwicklungen aus neuzeitlicher Sicht.

Der früheren Schmiede in Bofsheim, die von Heinrich Schnabel 1898 in der heutigen Brückenstraße gebaut wurde, galt ein erstes Augenmerk. Nächste Station war das Anwesen des mit 92 Jahren ältesten Teilnehmers Karl Salm, das früher als „Salmens Gut“ bezeichnet wurde und wo auch die einzige Doppelscheune im Ort stand.

Dieses später nicht mehr genutzte landwirtschaftliche Gebäude wurde zwischenzeitlich im Rahmen einer Dorfentwicklungsmaßnahme ortsbildtypisch zu Wohnzwecken umgebaut.

In der „Zehntscheune“ wurde bis ins Jahr 1827 der 10. Teil des Getreides als Abgabe eingelagert, führte Goll hierzu aus. 1839 hat die Herrschaft Fürst von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg dieses Gebäude versteigert. Seitdem gab es mehrmals einen Besitzerwechsel.

Das im rückwärtigen Bereich der Brückenstraße gelegene und jetzt zum Abbruch vorgesehene marode Gebäude ist seit 1842 im Besitz der Gemeinde und wurde früher als „Armenhaus“ bezeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es dann überwiegend von Flüchtlingsfamilien belegt, erfuhren die Teilnehmer.

Neuordnung

Von Ortsvorsteher Geiger wurde die aktuell in diesem Bereich vorgesehene Dorfentwicklungsmaßnahme vorgestellt, die eine Neuordnung und Erschließung der dortigen rückwärtigen Grundstücke vorsieht und zu einer Wohnumfeldverbesserung beitragen wird.

Weitere Ausführungen galten der einzigen noch im Ort verbliebenen Gaststätte „Krone“, die bereits 1786 als Gastwirtschaft gebaut wurde und sich bis heute in Familienbesitz befindet. Walter Goll klärte darüber auf, warum die Familie Alfred Blesch als „Engelwirts“ bezeichnet wurden, obwohl es dort keine Wirtschaft gab.

Dorfmittelpunkt

Viele wussten auch nicht, dass es am heutigen Steg früher die einzige Brücke in Bofsheim gab. Dort war damals der geographische Dorfmittelpunkt. So war es auch nicht verwunderlich, dass man 1919 an dieser Stelle ernsthaft die Aufstellung des Kriegerdenkmals plante, was aktenkundig sei, wie Goll ausführte.

Weiter ging es bis zum ortsbildprägenden Haus Frey, das 1861 gebaut wurde und in Bofsheim damals das erste Bauernhaus ohne Einrichtung eines Stalls im Wohngebäude war.

Aus dem „Martinsch Haus“ stammte ein Nachfahre des Hettingers, der beim Rundgang teilnahm und dabei von früher und über das Schicksal dieser Familie berichtete.

Das direkt an der Ortsdurchfahrt dominant stehende, im Volksmund „Neuhaus“ genannte Haus wird wohl deshalb so bezeichnet, weil es sich als besonders wuchtiges Gebäude – mit einer hohen Treppe und hohen Geschosshöhen – deutlich von den anderen Gebäuden abhebt.

Die Geschichte des „Becken Buben Hauses“ (Haus Keller), das 1989 nach Gottersdorf ins Freilichtmuseum transloziert wurde, fand ebenfalls Aufmerksamkeit. Genauso interessant war, dass es vor der zentralen Wasserversorgung, ab 1914, vier örtliche Brunnen gab, einer war am Platz, wo früher das Waaghäuschen stand und heute noch der Lindenbaum steht.

Beim letzten Treffpunkt wurde über den aus Anlass des Ausbaus der Ortsdurchfahrt und der umfangreichen Neugestaltungs- und Pflanzmaßnahmen aufgestellte Gedenkstein informiert. Zusammen mit zahlreichen anderen privaten Maßnahmen in Bofsheim fanden diese 1994 – mit dem Sieg beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ – ihre Anerkennung.

Ortsvorsteher Werner Geiger dankte abschließend Walter Goll für den informativen Ortsrundgang.