Osterburken

Im Ganztagsgymnasium Osterburken Inszenierung von Schillers „Maria Stuart“ begeistert GTO / Schüler der 10. Klassen hautnah am Geschehen dabei

Würde und Freiheit trotzen Macht und Willkür

Osterburken.Das Schauspielduo Petra Ehrenberger und Veronique Weber präsentierte den 10. Klassen des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO) eine Aufführung von Friedrich Schillers „Maria Stuart“. In rund 60 Minuten spielten sie die wesentlichen Stellen des Dramas nach. In einem 30-minütigen Nachgespräch im Anschluss reflektierten die Schüler unter Leitung der beiden Schauspielerinnen und Oberstudienrätin Elke Autrata das Gesehene.

Reale Geschichte neu erzählt

„Maria Stuart“ basiert auf einer realen Geschichte aus dem frühen 16. Jahrhundert. Aus einem politischen Konflikt der schottischen Königin Marias Stuarts mit ihrer Cousine, der englischen Herrscherin Elisabeth I., gestaltete Schiller Ende des 18. Jahrhunderts ein bis heute bekanntes und oft gespieltes Theaterstück. Elisabeth ließ ihre Cousine damals aus Furcht wegen deren Anspruch auf den englischen Thron gefangen nehmen und später auch hinrichten. Schiller wich in seiner Interpretation deutlich von der Realität ab. Die Königinnen in Schillers Drama sind verschiedenen Alters, der Konflikt geht hier auch um die Zuneigung eines so nicht existierenden Günstlings. Auch trafen sich die beiden Herrscherinnen – entgegen Schillers Stück – tatsächlich nie.

Die Inszenierung „schiller.maria stuart.“ mit dem Untertitel „Macht und Marter“ umreißt neben den körperlichen oder seelischen Schmerzen der gemarterten Maria auch die Leiden von Elisabeth. Sie, die (Er)-Mächti(t)ge, muss auch ein (inneres) Martyrium durchleiden.

Ihr erbarmungsloses Handeln bestätigt ihre Macht als englische Königin. Sie wird aber selbst zum seelischen Opfer ihres Machtstrebens. Maria hingegen gelingt es in ihrem Martyrium, ihre Entmachtung zu akzeptieren. Damit gewinnt sie sogar in ihrem letztendlichen Sterben eine gewisse Macht über sich selbst und kann sich – anders als Elisabeth – behaupten.

Immer noch aktueller Konflikt

Der Konflikt zwischen Alt und Jung, Macht und Ohnmacht, Recht und Willkür und Verantwortung und die Flucht aus selbiger, ist aktueller denn je. Das Stück ist ein Plädoyer für Würde, Recht, Freiheit und Selbstbestimmung.

In dem Umfeld der Frauen erscheinen alle weiteren Teilnehmer nur noch wie nichtige Elementarteilchen. Sie werden daher auch durch die beiden Schauspielerinnen „vertreten“. So präsentiert Veronique Weber (Maria) deren Günstling Mortimer als Handpuppe in Form einer Matratze. Und aus Elisabeth (Petra Ehrenberger) wird durch das Aufsetzen von Masken einmal der dynamisch und staatsaffine Burleigh, dann der dandyhafte-opportunistische Intrigant Leicester und zuletzt der (süffisant angedeutet) lüsterne, Maria offen wohlgesonnene, Greis Shrewsbury.

Die Schüler werden durch die Inszenierung vor allem der beiden Pole Elisabeth und Maria mit der Kernaussage konfrontiert. Das Bühnenbild: schlicht, aber kontrastreich. Hier ein goldener Baldachin mit Discokugel, dort ein vermülltes schwarzes Zelt. Beide sind Spiegel des Seelenlebens. Am Ende aber wird klar: beide Frauen hausen eigentlich im jeweils falschen Zelt.

Wichtig ist die Nähe der Zuschauer zu diesem Spannungsfeld, die – volksgleich – das Innenleben dieser beiden Herrscherinnen begleiten. Tatsächlich sind sie nur zwei oder drei Meter von den Darstellerinnen entfernt.

Diese besondere Spielsituation ist im Sinne von ästhetischer Bildung bestens dafür geeignet, einen ge- und bewohnten funktionalen Alltagsraum mit neuen Blickwinkeln aufzuladen und als einen möglichen Ort für Geschichte(n) „erscheinen“ zu lassen. Entscheidend ist zudem, die Schüler mit der Bühnensprache vertraut zu machen, geradewegs zu konfrontieren. Dieser Konzeption ist der Bezug zu Heute, ohne das tagesaktuell als Plattitüde zu meinen, wichtig.

Theater kommt in die Schule

Das „TheatermobileSpiele“ ist ein freies, in Karlsruhe ansässiges und in ganz Baden-Württemberg agierendes Profi-Theater, das sich nur mobilen Theaterproduktionen widmet. Ein künstlerisches Aufgabenfeld ist dabei das Klassenzimmertheater. Die Schüler kommen nicht zum Theater, sondern umgekehrt: das Theater kommt in die Schule, in das Klassenzimmer. Diese Theaterproduktion richtet sich an die Klassenstufe 10 der Gymnasien in Baden-Württemberg.