Ratgeber

Vorsorge

Finanzielle Vorsorge für Familien

Archivartikel

Dieser Moment ist etwas ganz Besonderes: Mit dem ersten Kind wird Eltern klar, dass die Uhren in einem anderen Takt schlagen. 2017 wurden in Deutschland 785.000 Kinder geboren. Zahlen des Statistischen Bundesamts lassen erahnen, wie viele Haushalte sich neuen Herausforderungen stellen müssen. Mit dem ersten Kind verändert sich nicht nur der Alltag. Viele Familien müssen jetzt auch umdenken. Statt nur für Job oder Verein zu leben, steigen jetzt die Erwartungen. Es geht jetzt auch darum, beim Thema Vorsorge und Versicherung neu zu planen.

Wo ist hier anzusetzen? Generell gibt es drei wichtige Bereiche abzudecken:

  •  Versicherung
  • Altersvorsorge
  • Vermögensaufbau.

In allen drei Segmenten müssen Familien umdenken, da die Geburt eines Kindes die Weichen komplett neu stellt. So muss es bei Absicherung jetzt um die Frage gehen, wer den Nachwuchs eigentlich gegen Unfälle versichert. Eine BU-Versicherung fällt hier aus dem Raster. Komplett schutzlos sollte der Nachwuchs sich nicht selbst überlassen werden.

Absicherung für Familien: Was muss sein?

Im Hinblick auf die Absicherung eines Familienhaushalts sollte folgender Satz zum Mantra werden: Was finanziell ruiniert, wird zuerst versichert. Warum diese absolute Aussage? Ganz einfach: Risiken, welche zum Bankrott führen, werden immer bevorzugt abgedeckt. Daher ist es wichtig, bei der Absicherung die richtigen Prioritäten zu setzen. Besonders wichtig sind deswegen die Lebensversicherung, die private Haftpflichtversicherung sowie die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Hintergrund: Jede der drei Policen deckt ein essentielles Risiko ab. Die Haftpflichtversicherung schützt vor Schadenersatzansprüchen, die sich unter anderem aus § 823 BGB ff. ergeben können. Sei es nach einem Unfall im Straßenverkehr oder wegen anderer Unfallursachen.

Die Risikolebensversicherung ist primär dazu da, Hinterbliebene vor finanziellen Schwierigkeiten zu schützen. Schwere Krankheiten wie Krebserkrankungen oder Hirnblutungen können ein Elternteil genauso schnell aus dem Leben reißen wie Unfälle. Und die Lebensversicherung muss vorher abgeschlossen werden.

Eine BU-Versicherung hat das Ziel, gegen Einkommensausfälle – verursacht durch Krankheiten oder Unfälle – abzusichern. Rein statistisch gesehen trifft die Berufsunfähigkeit jeden vierten Beschäftigten, weshalb eine Absicherung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist.

Hausrat-, Unfallversicherung & Co.

Warum hat die Hausratversicherung bisher noch keine Rolle gespielt? Bei Policen wie der Hausratversicherung oder der Unfallversicherung gehen die Meinungen durchaus auseinander. Wenn, dann sollte eine Unfallversicherung auf den Nachwuchs und dessen Bedürfnisse zugeschnitten werden – wenn sich keinerlei Alternative bietet. Und die Hausratversicherung wird dann in Erwägung gezogen, wenn alle anderen Bereiche abgedeckt sind. Der Grund ist relativ simpel: Selbst wenn die komplette Einrichtung der Wohnung vernichtet wird, hält sich der Schaden – im Vergleich mit anderen Bereichen – immer noch im Rahmen.

Altersvorsorge: Aus Eltern werden Senioren

Hat zwar nicht unbedingt etwas mit den Kindern zu tun, gehört aber trotzdem auf die Agenda. Altersvorsorge war lange ein Themenbereich, den Haushalte gern ausgeklammert haben. Schließlich gab (und gibt) es die gesetzliche Rentenversicherung. Das Generationenversprechen sieht vor: Wer heute einzahlt, bekommt morgen eine Rente, welche von den Kindern bezahlt wird. Seit die Bundesregierung das Rentenniveau abgesengt hat, machen sich zunehmend mehr Beschäftigte Sorgen um ihre Rente.

Altersarmut ist in der Vergangenheit zu einem Problem für die Politik geworden. Beschäftigte machen sich Sorgen, dass nach einem Arbeitsleben auf dem Rentenkonto nicht mehr viel übrigbleibt. Wie aber vorsorgen?

  • Vorsorge staatlich fördern lassen: Ein Ansatz besteht darin, die vom Staat geschaffenen Fördermöglichkeiten auszuschöpfen. Ganz klar – es geht um die Riester-Rente. Deren Image ist in den letzten Jahren zwar etwas unter die Räder gekommen. Hohe Kosten, intransparente Berechnung – nur zwei Kritikpunkte. Allerdings machen sich die Zulagen für Familien auf jeden Fall bemerkbar. Für Kinder (ab Januar 2008 geboren) gibt es immerhin 300 Euro pro Jahr zur Grundzulage von 175 Euro.
  • Betriebliche Altersvorsorge: Diese Form der Vorsorge hat in den letzten Jahren einen erheblichen Schub hinsichtlich der Aufmerksamkeit erfahren. Schuld ist auf der einen Seite der Image-Verlust der Riester-Rente, auf der anderen Seite haben Reformen in der Besteuerung privater Rentenversicherungen dazu beigetragen. Allerdings müssen Familien im Hinblick auf die betriebliche Altersvorsorge sehr genau hinschauen, um eine optimale Performance herauszuholen.
  • Sparpläne & Co.: Eine Option, die zuletzt wieder mehr Interesse geweckt hat, sind auf Wertpapieren basierende Anlageprodukte. Sparpläne – zum Beispiel auf Aktien basierend – haben in der Vergangenheit recht vernünftige Renditen erzielt. Besonders in den Mittelpunkt sind zuletzt sogenannte ETFs gerückt. Es handelt sich hier um passiv gemanagte Indexfonds. Je nach Größenordnung ist damit bereits eine sehr breite Streuung zu erreichen, ohne sich jedes Wertpapier einzeln ansehen zu müssen.
  • Das Thema Eigenheim: Wohnimmobilien lassen sich bei der Altersvorsorge als auch dem Vermögensaufbau einsortieren. Als Vorteil hat das eigene Haus/die Eigentumswohnung mietfreies Wohnen. Parallel entsteht ein Vermögenswert, der im Alter belastet werden kann – Stichwort Umkehrhypothek. Klar muss hier aber sein, dass mit dem Eigenheim auch eine finanzielle Verpflichtung in Bezug auf den Substanzerhalt eingegangen wird.

Vermögensaufbau: Wie richtig sparen?

Mit der Geburt eines Kindes denken Eltern erst einmal nicht daran, wie der Schulranzen oder der Führerschein finanziert werden. Es wird aber nicht sehr lange dauern, bis größere Ausgaben anstehen. Schon beim nächsten Auto wird es nicht mehr um Hubraum und PS gehen – sondern die Größe des Kofferraums. Spätestens mit der Einschulung stehen auch Aspekte im Raum wie Klassenfahrten, Kinderzimmer oder Konfirmation/Jugendweihe.

Soll heißen: Kinder und Haushalt kosten Geld. Während sich ein Teil der Ausgaben im Voraus planen lässt, laufen regelmäßig Kosten auf, die so niemand auf dem Radar hat. Das beste Beispiel ist der Geschirrspüler, der sich pünktlich zum Sonntag verabschiedet.

Mittlerweile bieten Händler Finanzierungen für Konsumgüter an. Sparen und Anschaffungen bar zahlen haben aber noch nie geschadet. Wer Geld zurücklegen will, hat es heute schwer. Sparbücher oder Tagesgeldkonten bringen kaum noch Zinsen. Wertpapiere halten viele Haushalte immer noch für zu riskant.

Auswege aus dieser Situation sind schwierig. Ein konservativ ausgerichtetes Anlageportfolio, das auf Fonds setzt, kann Teil der Lösung sein. Die bei der Altersvorsorge angesprochenen ETFs tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Der Vorteil: Da diese Fonds einen bestehenden Index abbilden und zudem häufig bei Brokern sparplanfähig sind, lässt sich mit dem Durchschnittskosten-Effekt ein gewisser Puffer einbauen.

Achtung: Für jedes Wertpapierinvestment gilt, dass der Zeitpunkt entscheidende Aufmerksamkeit genießt. Je näher der Moment rückt, in dem das Geld gebraucht wird, umso stärker muss die Gewichtung schwankungsarmer Anlageinstrumente sein.

Worauf ist noch zu achten?

Bisher ging es vor allem um ein grundlegendes Portfolio für Familien. Haushalte werden – je nach Situation – noch sehr viel genauer hinschauen müssen. Entscheidend ist die Lebenssituation. Beispiel: Immobilieneigentümer müssen einen weitreichenden Versicherungsschutz im Auge behalten. Gleiches gilt für Hobbys, die ältere Kinder begeistern – wie zum Beispiel den Flugmodellsport.

Zu achten haben Eltern ab einem bestimmten Zeitpunkt aber auch auf noch ganz andere Aspekte. Wann gibt´s ein Handy und handelt es sich dabei um eine Prepaid- oder Postpaidvariante. Diese Frage ist durchaus nicht nur eine „Randnotiz“. Kindern ein gewisses Verständnis für Geld beizubringen gehört am Ende zu Vorsorge dazu.

 

 

Fazit: Familien müssen richtig vorsorgen

Die Geburt der Kinder ist ein besonderer Moment. Eltern sind plötzlich nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich. In der Praxis heißt es jetzt auch für andere vorzusorgen. Gerade im Hinblick auf die Finanzen ist der Tragweite mitunter gar nicht so schnell zu überblicken. Bei den Versicherungen geht es nicht nur darum, Gesundheit und Einkommen zu schützen, sondern sich auch mit eher unangenehmen Situationen auseinanderzusetzen. Der Vermögensaufbau hält einige weitere Überraschungen bereit, die Eltern vielleicht noch gar nicht bedacht haben. Es geht dabei nicht nur um den Führerschein, sondern auch die Frage, ob Geld im Namen der Kinder gespart wird – oder das Ganze später eine Schenkung ist, für welche sich auch das Finanzamt interessiert.