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Mobil und Festnetz: So schnell sollte das Internet sein

Kein Schritt ohne Internet: Es ist kaum vorstellbar, ein paar Stunden ohne Zugang zu Instant Messaging oder News-Updates zu verbringen. Die Deutschen lieben das Internet. Laut einer Erhebung des D21-Digital-Index sind 79 Prozent der Bundesbürger online. Für das Jahr 2017 bedeutet dies, dass 62,4 Millionen Einwohner der Bundesrepublik Zugang zum Internet haben und diesen auch aktiv nutzen. Rechnet man Babys, Kleinkinder und sehr alte Rentner aus dieser Statistik heraus, liegt die Rate der Internetnutzer bei beinahe 100 Prozent.

Geräte wie Smartphones, Tablets und auch das sogenannte Internet of Things (IoT) sind dabei darauf ausgelegt, “Always-On” zu sein. Das bedeutet, dass eine durchgängige Verbindung zum Internet gegeben sein sollte, damit sie ideal funktionieren können. Dadurch stellt sich für mobile Nutzer die Frage: Wieviel Datenvolumen benötige ich eigentlich, um schnell und dauerhaft alle Funktionen des smarten Begleiters nutzen zu können? Festnetz-User fragen sich im Gegenzug, wie schnell der Internetzugang eigentlich sein muss, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Mobiles Internet: Festnetz ist tot - zumindest fast

Millenials (die Generation, die Rund um die Jahrtausendwende geboren wurde) kennen die Zeiten des Festnetzes kaum noch. Eventuell steht in den Wohnzimmern der jungen Generation noch ein stationäres Telefon, doch ein Telefonat führen hiermit vermutlich die wenigsten. Sie nutzen eher ihre Smartphones, um sich mit Nachrichten, Sprachnachrichten und Anrufen zu versorgen. Dank Flatrate-Tarifen müssen sich Eltern heute keine Gedanken mehr um unnötige Geldausgaben bei der Smartphone-Nutzung machen. Die einzige Hürde im Leben der “Always-On-Generation” ist das Datenlimit, das die Nutzung des schnellen Internets begrenzt. Doch wie viel Datenvolumen benötigt wird, entscheidet auch die Art des heimischen Internetanschlusses.

Grundsätzlich ist die Netzabdeckung in Deutschland an einem Punkt angelangt, an dem fast jeder Winkel der Bundesrepublik mit mobilen Internet abgedeckt ist. Wenige weiße Flecken gibt es auf der digitalen Landkarte noch, die in den nächsten Jahren jedoch auch mit Farbe gefüllt werden sollen. Auch in der Region geht es hier voran. Und fast überall liegt auch ein schneller Datenstandard vor, mit dem die üblichen Anforderungen im Internet bewältigt werden können. Deshalb ist es für mobile Internetnutzer mittlerweile zur Normalität geworden, sich nur noch bei Bedarf ins WLAN und damit ins Festnetz einzuloggen.

Was verbrauchen die einzelnen Komponenten des Internets?


Allerdings geht es hierzulande nicht ganz ohne WLAN. Im Durchschnitt verbraucht jeder mobile Nutzer im Monat 510 Megabyte. Eine im europäischen Vergleich lächerlich geringe Menge, die auch aus dem Angebot resultiert. Während in Dänemark echte Datenflatrates für die Kunden angeboten werden, gibt es in Deutschland limitierte Flatrates, die nach Ablauf eines Inklusivvolumens die Geschwindigkeit drosseln. Standard ist im Jahr 2017 eine Drosselung auf 64 kbits/s. Umgerechnet sind das gerade einmal 8 Kilobyte pro Sekunde. Zum Vergleich: Das Laden einer Facebookseite schlägt mit ungefähr 2.000 Kilobyte zu buche. Das bedeutet, dass der Aufruf der Seite nach Ablauf der Datenfreigrenze mehrere Minuten dauert.

Dennoch brauchen normale User der Smartphones keine teure Komplett-Flatrate, um mit der Nutzung glücklich zu werden. Wenn ein Benutzer täglich im Internet surft, Nachrichten und Fotos verschickt oder auch mal ein Video schaut, reichen 3-5 Gigabyte an Inklusivvolumen aus, um mit Highspeed-Geschwindigkeit durch den Monat zu kommen. Anders sieht es bei Power Usern aus. Wer gerne vergisst, zuhause die WLAN-Funktion auf dem Smartphone zu aktivieren, und stattdessen fast nur mobil surft, lässt das Datenvolumen nur so durch das Handy rieseln. Für diese Art der User eignen sich Datentarife zwischen acht bis 25 Gigabyte. Mit dieser Menge ist es problemlos möglich, Videos zu schauen, Games runterzuladen oder größere Uploads durchzuführen. Selbst die Ad-Hoc-Synchronisierung der eigenen Foto-Galerie stellt kein Problem mehr dar.

Datenverbrauch im Überblick:

• Videotelefonie: 5-7 MByte pro Minute

• Youtube: 7-9 MByte pro Minute

• Spotify: 1 MByte pro Minute

• Maps: 2,7 MByte pro Minute

• WWW-Nutzung: 2 MByte pro Minute

Wie senke ich den Datenverbrauch beim mobilen Internet?

Als erster Schritt sollte der Verbrauch in den Smartphone-Einstellungen überprüft werden. Sowohl iOS als auch Android geben dem User genaue Statistiken aus, welche App wieviel Datenvolumen verbraucht. Anhand dieser Statistiken ist es möglich, Datenfresser zu identifizieren und im Zweifelsfall abzuschalten. Zusätzlich sollten Streamer die Streaming-Qualität herabsetzen, um das monatliche Inklusivvolumen zu schonen. Wer nicht die höchsten Einstellungen auf dem Smartphone benötigt, spart weit über die Hälfte der durchrauschenden Daten. Ebenfalls sinnvoll ist es, die Datenkompression im mobilen Browser anzuschalten und alle Synchronisationen sowie Updates auf das heimische WLAN zu beschränken.

Sicherheit kostet ebenfalls Datenvolumen

Um seine digitalen Spuren im Internet zu verwischen und für Sicherheit auf den Mobilgeräten zu sorgen gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. Virenschutzprogramme müssen jedoch ständig aktuell gehalten werden, um maximalen Schutz bieten zu können. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Update auch dann nötig wird, wenn gerade keine WLAN-Verbindung zur Verfügung steht.

Sogenannte CyberGhost VPNs – Anonymisierungsdienste, die besonders viel Sicherheit beim Surfen bieten, sind als eigene Angebotspakete mit integriertem Datenvolumen erhältlich.

Festnetz vor dem Aus? Wohl eher nicht!

Doch wenn die Netzabdeckung so großartig ist und die Geschwindigkeit alle Nutzungen zulässt, warum benötigt man in Deutschland dennoch einen Festnetzanschluss zur Internetnutzung? Die einfache Antwort: Weil unser tägliches Leben nicht allein durch mobile Daten abgedeckt werden kann. Und auch hier kommen wieder die Millenials als Prototyp einer neuen Daten-Generation auf den Schirm. Diese wollen nicht nur einfach mobil erreichbar sein und vielleicht jeden Status ihres Lebens posten, sondern auch unbeschwert alle neuen Serien, Filme oder Spiele genießen.

Das bedeutet für die heimische Internetverbindung: Die Geschwindigkeit muss überzeugen. Ein Beispiel aus der Praxis: Das im September 2017 erschienene Computer-Spiel “Mittelerde: Schatten des Krieges”, beinhaltet unglaubliche 100 Gigabyte an Daten. Kaum ein mobiles Datenvolumen ist dazu in der Lage, diese Menge herunterzuladen. Anders sieht das bei Festnetz-Internet-Angeboten aus, die heutzutage keine Datendrosselung in ihrer Flatrate festgeschrieben haben. Es kommt also bei der Internetverbindung im Wohn- oder Arbeitszimmer allein auf die maximale Geschwindigkeit an. Und hier liegt Deutschland leider nur im Mittelfeld des weltweiten Vergleichs.

Mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 1,9 MByte pro Sekunde (Deutschland) würde der Download des oben genannten Spiels knapp 15 Stunden dauern. Zum Vergleich: Südkorea ist das Land mit der weltweit schnellsten Internetverbindung. Jeder User kann im Schnitt auf 3,6 MByte pro Sekunde zugreifen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Download in gerade einmal sieben Stunden und 46 Minuten abgeschlossen wäre. Da das Runterladen einer solch großen Datei jedoch noch nicht zum Alltag gehört, wird die normale Nutzung betrachtet. Dazu zählt unter anderem das Anschauen von Filmen und Serien auf Netflix, Amazon Prime und Co.

Durchschnittliche Internetgeschwindigkeit nicht für Zukunft gerüstet

Und spätestens beim Blick auf die Datenraten der Streaming-Anbieter zeigt sich, dass Deutschland beim Netzausbau dringend Geschwindigkeit aufnehmen muss. Streaming-Primus Netflix gibt selbst an, dass für Filme in High-Definition (Standard bei heutigen Wiedergabe-Geräten) eine Download-Geschwindigkeit von mindestens 0,7 Megabyte pro Sekunde empfohlen wird. Dies schafft der durchschnittliche Anschluss in deutschen Haushalten noch recht einfach. Anders sieht es aus, wenn aus der High Definition mit einmal Ultra High Definition (UHD) wird. Netflix empfiehlt für den neuen Standard der Videowiedergabe eine Geschwindigkeit von 3,2 Megabyte pro Sekunde. Südkorea würde diese Geschwindigkeit schaffen; in Deutschland ist UHD für den Durchschnitt noch Zukunftsmusik.

Wem die DSL-Geschwindigkeit nicht ausreicht, kann bei seinem Provider nachfragen, ob ein Mix mit mobilen Internet möglich ist. Da die heutigen 4G-Technologien im Durchschnitt schneller sind als die Festnetzanschlüsse, gibt es gute Möglichkeiten, den Festnetzanschluss mit einem mobilen Standard zu mischen, um durchweg hohe Geschwindigkeiten zu erreichen.