Ravenstein

Theatergruppe Hüngheim Laienschauspieler begeisterten ihre Fans mit dem Dreiakter „Liebe, Lügen, Leberkäs’“ vier Mal vor ausverkauftem Haus

Alles drehte sich um die Wurst – und die Liebe

Archivartikel

Hüngheim.Seit zehn Jahren erfreuen die Laienschauspieler der Theatergruppe Hüngheim zur Osterzeit die Besucher mit einem Theaterstück. Am Samstag fand die letzte von vier Vorstellungen statt. Bei allen war der kleine Saal der Alten Schule voll besetzt.

In diesem Jahr wurde der Dreiakter „Liebe, Lügen, Leberkäs“, eine überaus vergnügliche Geschichte, in der es um Beziehungen und Liebeleien geht und sich alles um die Wurst dreht, aufgeführt.

Gelungenes Bühnenbild

Das Ganze spielte sich im Metzgereifachgeschäft von Jakob und Anni Säuling ab. Regie führte Dagmar Müller, welche die Rollen optimal besetzt hatte. Das gut gelaunte Publikum spendete schon gleich zu Beginn Applaus für ein überaus gelungenes Bühnenbild: eine Metzgerei mit Schinken und Würsten, bereitgestellt von der Metzgerei Maurer aus Merchingen.

Zunächst lernten die Zuschauer Metzgerstochter Carolin kennen, ein fesches Mädel, das nicht auf den Mund gefallen war, sondern immer eine „spitze“ Bemerkung parat hatte. Margit Seemann meisterte die Rolle in Perfektion.

Ihr erster Kunde war Opa Blechle, gespielt von Christian Heffele, dem seine Rolle als verwirrter Großvater wie auf den Leib geschrieben war. Er haute dauernd von zu Hause ab, um in der Metzgerei Mohnbrötchen, Nägel oder Stricknadeln zu kaufen.

Anni Säuling, die sprachgewaltige und teils hinterlistige, aber stets schlagfertige Metzgersgattin, gespielt von Sissi Nies, nahm es gerne mit ihrem cholerischen Mann Jakob Säuling (Sebastian Vogt) auf, der wegen seiner besonderes Ausdrucksweise, Mimik und Gestik, die Lacher auf seiner Seite hatte. Das Metzgersehepaar lieferte sich temperamentvolle und witzige Streitgespräche, zu denen es nicht nur Lachsalven, sondern auch spontanen Beifall der begeisterten Besucher gab.

Temperamentvoll und witzig

Dann gab es noch Fanny Käßknödel, die Tochter des Bäckers, die immer kurz vor Ladenschluss kam und fragte, was billig ist und weg muss.

Die etwas einfältige, altmodische Frau, bei der man offensichtlich „auch am Gehirn sparte“, wie Anni Säuling meinte, wurde urkomisch aber perfekt von Bärbel Göbel dargestellt. Verehrt wurde sie vom schüchternen Postbeamten, gespielt von Martin Essig. Dirk Schindler spielte den Metzgergesellen Fritz Hack, der immer schon ein Auge auf Metzgerstochter Caro geworfen hatte. Deshalb war Meister Jakob Säuling nicht gut auf ihn zu sprechen. Zudem hatte er gute Ideen für die Erhaltung des Metzgerladens in „Hünge“.

Er machte auch bessere Würste als sein knorriger Chef – und forderte ihn sogar beim Metzgerwettbewerb der Innung heraus. Natürlich gewann der Jungmetzger.

Auch am „blinden“ Gugger-Michel, der sich am liebsten als weiser Seher ausgab, sich überall einmischte und für „Schwingungsausgleich“ sorgen wollte, hatten die Zuschauer ihre Freude, insbesondere, als er Metzgermeister Jakob auf der Bühne bis auf die Unterhose ausziehen ließ und ihm ein „Elixier“ ) verabreichte, um ihn auf die bevorstehende Innungsprüfung fit zu machen. Aber daraus wurde nichts.

Originelle Gestik

Erst später stellte sich heraus, dass er keineswegs blind war. Adrian Volk verkörperte den Michel mit Spielwitz und origineller Gestik.

Zum Ende des lustigen Dreiakters dann noch ein schönes Happy End: Metzgermeister Säuling sah seine Niederlage gegen seinen zukünftigen Schwiegersohn ein, übergab ihm die Metzgerei, um deren Fortbestand zu sichern und willigte zudem auch einer Heirat mit seiner Tochter ein.

Auch Postbeamter Georg durfte seine Fanny freudenstrahlend in die Arme schließen.

Sissi Nies stellte schließlich die Theaterspieler vor, die mehrfach dazu beigetragen haben, dass die „Alte Schule“ bebte. Sie bedankte sich sowohl bei Souffleuse Tanja Müller, bei der Regie Dagmar Müller sowie bei Samira Nies – und bei allen Helfern vor und hinter der Bühne sowie am Ausschank. F