Ravenstein

Leserbrief Zur geplanten Starkstromtrasse Südlink

„Mit dem Boden absolut sorgsam umgehen“

Seit drei Jahren plant die Transnet BW die Starkstromtrasse Südlink von der Nordsee bis nach Heilbronn. Bei der Bauausführung ist ein Arbeitsstreifen von zwei Metern Tiefe und 30 Metern Breite notwendig – sowie eine Kabelkerntemperatur von 50 Grad.

Ganz überwiegend durchschneidet somit der Südlink landwirtschaftliche Nutzflächen, so dass die Bauern die Hauptbetroffenen sind. Erfahrungen mit dauerhaft warmen Leitungen im Boden und deren Auswirkungen auf die Vegetation bestehen derzeit noch nicht.

In mehreren Bürgerversammlungen in Oberwittstadt wurde die Öffentlichkeit aufgeklärt. Die größte Zustimmung bei allen Beteiligten hat die Verlegung neben der Autobahn erfahren. Mit dem Argument, dass der Bund dem nicht zustimmt, da auch Wald gerodet werden muss, wurde dieser Vorschlag abgelehnt, obwohl in Ravenstein und Ahorn zehn Windräder mitten im besten Wald stehen und demselben Zweck der Energiewende dienen.

Laut Transnet BW wird das Gelände hinterher genauso aussehen und keine Veränderungen darstellen. Warum kann dann nicht durch Naturschutzgebiete, FFH-Flächen, Feuchtgebiete und Biotope verlegt werden – nur Acker- und Wiesenflächen?

Von Anfang an wurde uns versichert, eine Versuchsstrecke anzulegen, in der zwei 50 Grad warme Kabel in zwei Metern Tiefe im Boden verlegt werden, um die Auswirkungen auf die Kulturpflanzen zu untersuchen. Dieses Projekt wurde noch nicht einmal begonnen, obwohl des Öfteren von uns gefordert – und es versprochen wurde.

In der ersten Aufklärungsveranstaltung habe ich schriftlich den Vorschlag eingereicht, die Trasse durch das Wiesental Kästlich zu führen. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt, obwohl diese Trassenführung den Vorteil hätte, dass sie 1,3 Kilometer kürzer wäre, keine Höhenunterschiede zu überwinden wären und der Boden nicht steinreich ist.

Ein weiterer Vorteil wäre, dass sie über teilweise landeseigene Flächen verläuft und weit von bebauten Gebieten entfernt wäre. Weil der Korridor im Kästlich keine 1000 Meter breit ist, wurde argumentiert, der andere Korridor 300 Meter durch Oberwittstadt führt. Viele Bürger in und um Oberwittstadt würden sich diesen Verlauf Wiesental-Kästlich wünschen.

Ungeklärt bleibt das Problem der Bodensetzungen nach dem Bau der Trasse und den damit verbundenen Auffüllungen. Wo wird der notwendige Boden zwischengelagert, der später wieder aufgefüllt werden muss?

Die Veranstaltungen in Oberwittstadt waren reine Wiederholungsinformationen. Es besteht die Meinung, dass nach außen Mitspracherechte und Alternativvorschläge eingeräumt werden, in Wirklichkeit alles beschlossene Sache ist, von der Transnet nicht abweichen darf oder will. Wir fühlen uns somit vorgeführt und können unsere Zustimmung über die ortsnahe Verlegung nicht geben. In aller Deutlichkeit möchte ich erwähnen, dass wir nicht gegen den Südlink sind – sowie einer Oberleitung vorziehen.

Allerdings wünschen wir, dass landwirtschaftlichen Belangen die gleiche Priorität eingeräumt wird wie das für die Naturschutzbelange erfolgt. Der Boden(Landwirtschaftsflächen) ist ein hohes Gut, das nicht vermehrbar ist und mit dem absolut sorgsam umzugehen ist.