Ravenstein

FN-Umfrage zur Kommunalwahl Ravensteiner Fraktionen äußern sich zum Schul- und Kindergartenkonzept sowie zur Weiterentwicklung der Gemeinde

Neue Konzepte ins Auge fassen

Archivartikel

Ravenstein.Die Entwicklung der Schulen und Kindergärten in der Gemeinde beschäftigt Ravenstein schon seit vielen Jahren. Nach dem ersten Gutachten im Jahr 2001 dauerte es 18 Jahre, bis der Kindergarten in Oberwittstadt schlussendlich Mitte April offiziell eröffnet wurde. Doch reicht damit das Angebot? Oder braucht es trotz des Neubaus mehr Plätze? Und welche Schwerpunkte warten auf die Gemeinde? Die Fränkischen Nachrichten befragten die Verantwortlichen der drei Parteien, welche Kandidaten für den Gemeinderat ins Rennen geschickt haben, zu den Themen Schul- und Kindergartenkonzeption sowie Weiterentwicklung der Gemeinde.

Gerhard Volk, CDU: Mit der offiziellen Einweihung des Zentralkindergartens in Oberwittstadt wurde das vom jetzigen Gemeinderat beschlossene Schul- und Kindergartenkonzept umgesetzt. Wir werden aufgrund der überaus erfreulichen demografischen Entwicklung das Konzept gemeinsam mit den verantwortlichen Erzieherinnen und Lehrern weiterentwickeln. Der Inhalt muss wie bei der Konzepterstellung für den Zentralkindergarten vom Fachpersonal erstellt werden. Von der Kleinkindbetreuung bis zur kommunalen Betreuung von Schulkindern nach dem Schulunterricht: Wir wollen dafür sorgen, dass Ravenstein für junge Familien weiterhin attraktiv bleibt.

Ein weiteres Anliegen ist es, für Senioren in Ravenstein altersgerechten Wohnraum und das zugehörige Pflege- und Betreuungsangebot zu schaffen. Ein erster Schritt ist mit dem geplanten Seniorenwohnheim in Merchingen bereits getan. Die Schaffung von bezahlbaren Bauplätzen in den Stadtteilen wird ebenso ein weiterer Schwerpunkt für die Gemeinderäte der CDU in den nächsten fünf Jahren sein.

Damit unsere Ortskerne nicht aussterben, werden wir, neben der Erschließung von Neubaugebieten, auch die innerörtlichen Potenziale fördern. Wir wollen, dass unsere jungen Menschen in Ravenstein bauen, am liebsten in dem Stadtteil, mit dem sie verbunden sind. Auch sehen wir die Erfordernis, neue Gewerbegebiete auszuweisen.

Weiterhin sind enorme finanzielle Aufwände zur Erhaltung und Instandsetzung unserer Straßen und Feldwege erforderlich. In fast jedem Ortsteil laufen noch Flurbereinigungsverfahren, verbunden mit innerörtlichem Straßen- und Radwegebau. Wir werden diese Aufgaben im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten natürlich fortführen, ebenso wie die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen. Aktuell wird ein neuer Feuerwehrbedarfsplan erstellt. Die Umsetzung des Bedarfsplans soll positiv begleitet werden, um den bestmöglichen Schutz sicherzustellen: für unsere Bürger, aber auch die Feuerwehrmänner durch die Bereitstellung der erforderlichen Ausrüstung.

Ein weiteres Anliegen ist die Verbesserung des Mobilfunks. Gerade im ländlichen Raum ist man in Notfällen auf ein gutes Funknetz angewiesen. Wir werden die Initiative des Landkreises zur Verbesserung der Mobilfunkversorgung unterstützen und die erforderlichen Geldmittel bereitstellen. Der Neubau des Bauhofes ist längst überfällig. Wir wollen dafür sorgen, dass trotz der in Ravenstein immer angespannten finanziellen Situation dieses Vorhaben endlich umgesetzt wird. Wir werden uns einsetzen, dass die Rathauspolitik wieder offen und bürgernah wird durch rechtzeitige Information und Kommunikation.

Heinrich Hofmann, Freie Wähler: Im Rahmen des neuen Kindergartens wurde schon so manches Problem an uns herangetragen, da gibt es Anlaufschwierigkeiten. Bei den Schulen ist von Anfang an einiges schief gelaufen, deshalb mussten früher auch viele nach Osterburken. Kindergärten und Schulen gilt es im Auge zu behalten.

Das Hauptthema muss für die Zukunft eine gute Zusammenarbeit im Sinne der Gemeinde sein. Man bekommt das Gefühl, dass der Bürgermeister für alle arbeitet, aber alle gegen ihn. Das gibt zu bedenken, wenn von 14 Gemeinderäten zehn aufhören und auch mehrere Ortsvorsteher – zum Teil allerdings auch alters- und berufsbedingt – ihr Amt niederlegen. Junge Leute fragen sich zurecht, was da los ist.

Als Freie Wähler wollen wir uns deshalb auch für eine gerechte und transparente Gemeindepolitik einsetzen, in der die Bürger frühzeitig informiert werden. Beschlüsse sollen zeitnah umgesetzt werden. Mit den Finanzen der Stadt, dem Geld unserer Bürger, muss verantwortungsvoll umgegangen werden. Wichtig ist uns vor allem, generationenübergreifende Treffen und ehrenamtliche Tätigkeiten wie die Bürgerhilfe zu fördern und zu unterstützen. Die Nahversorgung, etwa durch einen Dorfladen, soll gesichert und Rad-, Wander- und Feldwege instandgehalten und ausgebaut werden.

Michael Deuser, SPD: Die Grundlage einer aussichtsreichen Bildungsbiografie wird bereits im Kindesalter gelegt. Das von der SPD Baden-Württemberg initiierte Volksbegehren für eine gebührenfreie Kinderbetreuung und -förderung unterstützen wir hier voll und ganz. Wir haben viele Unterschriften vor Ort gesammelt und eine öffentliche Veranstaltung mit unserem Landesvorsitzenden Andreas Stoch, dem früheren Kultusminister, organisiert, um die Bevölkerung über dieses Vorhaben zu informieren. Unsere Familien müssen weiter entlastet werden. Gute und gebührenfreie Bildungsangebote für die Kleinen sollen die Berufstätigkeit, insbesondere für Frauen, ermöglichen.

Wir unterstützen die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten, damit diese gerüstet sind, unsere Kinder entsprechend ihren Neigungen zu fördern. Aber genauso müssen Erzieher eine angemessene Entlohnung erhalten. Sicherlich wird es herausfordernd werden, geeignete und genügend Arbeitskräfte zu finden. Gleichzeitig zeigt sich schon jetzt, nachdem der Kindergarten im April 2019 in Oberwittstadt fertiggestellt wurde, dass die Anzahl der Plätze bereits ausgeschöpft ist. Hier werden wir zeitnah Lösungen finden müssen. Das Gleiche gilt für die Grundschule. Auch hier müssen geeignete Räume für voraussichtliche zwei weitere Klassen geschaffen werden. Für diese Ziele müssen der Bund und das Land die bereitgestellten Mittel nicht nur in die Haushalte einstellen, sondern auch zur Verfügung stellen. Die Verwaltung ist dann gefordert, die Anträge rechtzeitig zu stellen und das Budget voll auszuschöpfen.

Unsere Schwerpunkte und Ziele für die nächsten fünf Jahre sind neben der Schaffung von wohnortnaher und kostenfreier Bildung, hier insbesondere die gebührenfreien Kitas, die Förderung und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die Belebung der Ortskerne. Es gibt in der Gemeinde wenig zukunftsorientierte Bebauungspläne, bisher werden die Ortschafts- und Gemeinderäte an der Aufstellung nicht oder kaum beteiligt. Wir wollen uns für mehr Beteiligung einsetzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Ausbau und die Verbesserung der Telekommunikationsnetze. Viele Ravensteiner haben noch nicht die Möglichkeit, ein Mobilfunknetz und einen gut funktionierenden Internetanschluss zu nutzen. Das ist vor allem ein Standortnachteil für Unternehmen. Hier muss dringend, auch durch den Kreis, für Verbesserung gesorgt werden. Weitere gute Rahmenbedingungen für die ansässigen und möglichen Unternehmen wollen wir mitgestalten. Durch soziale und demokratische Kommunalpolitik und Meinungsvielfalt wollen wir Transparenz schaffen und Mitbürger in wichtige Entscheidungen einbinden. Uns ist wichtig, das kulturelle Leben in Ravenstein durch die Förderung und Unterstützung unserer örtlichen Vereine und den Zusammenhalt zu stärken. Wir setzen uns ein für den Schutz und die Pflege von Natur und Einhaltung von Umweltstandards. Der Ausbau und die Verbesserung der ÖPNV in allen Teilorten Ravensteins muss weiter gefordert und umgesetzt werden.