Ravenstein

95. Geburtstag Der frühere Ratschreiber Willi Essig feiert morgen / Ältester Einwohner Hüngheims / Ortsgruppen von CDU und VdK gegründet

Viele Vereine und Gruppen zählten auf ihn

Hüngheim.Der älteste Einwohner im Ravensteiner Stadtteil Hüngheim, Ratsschreiber a.D. Willi Essig, feiert morgen, Sonntag, seinen 95. Geburtstag. Er ist nach wie vor fit, das Laufen macht ihm infolge einer Arthrose in beiden Knien jedoch starke Beschwerden.

Willi Essig wurde am 14. Januar 1923 als erstes Kind des Landwirts und Gemeinderechners Martin Essig und seiner Ehefrau Anna, geborene Sebert, in Hüngheim geboren. Er hatte noch sechs Geschwister, von denen bereits fünf verstorben sind.

Mit 16 Jahren dienstverpflichtet

Willi Essig besuchte in Hüngheim die Volksschule, um dann in der elterlichen Landwirtschaft mitzuarbeiten. Im Jahre 1939 wurde er vom Arbeitsamt für ein Jahr dienstverpflichtet zur Torpedoversuchsanstalt in Eckernförde, wo Torpedos für U-Boote gebaut wurden. Im April 1942 erfolgte die Einberufung zum Wehrdienst zu den Sturmpionieren nach Würzburg. Nach sechswöchiger Grundausbildung erfolgte die Abstellung nach Frankreich zur Besatzung und Weiterausbildung. Im Jahre 1943 begann der Kriegseinsatz in Russland. Es folgten schwere Kämpfe bei Stalingrad und im Südabschnitt. Nach mehreren Auszeichnungen wegen Tapferkeit wurde der Jubilar durch Artilleriebeschuss am 5. Oktober 1943 schwer verwundet.

Nach einem längeren Aufenthalt im Lazarett kam Essig zur Heeresentlassungsstelle nach Fürth. Nach Kriegsende folgte die amerikanische Gefangenschaft, aus der er schon nach kurzer Zeit entlassen wurde. Willi Essig kehrte in seine Heimat Hüngheim zurück, wo er Ratschreiber und Grundbuchhilfsbeamter wurde. Mit großem Eifer und Zielstrebigkeit füllte er die beiden Ämter aus. Mit dem Gemeindezusammenschluss 1971 wurde Essig in den Verwaltungsdienst der neuen Stadt Ravenstein übernommen.

Das Sozialwesen, das Versicherungswesen sowie das Standesamt waren sein neuer Arbeitsbereich in dem er, geschätzt von Mitbürgern und Kollegen, bis zu seiner Pensionierung im Januar 1984 als anerkannter Fachmann tätig war.

Neben seinem Beruf übernahm der Jubilar viele ehrenamtliche Aufgaben. Im Februar 1946 wurde er Mitglied der CDU und gründete den Ortsverband Hüngheim. Er verschrieb sich in seinem Leben der Politik der CDU und hatte das Amt des Vorsitzenden bis zum Zusammenschluss zum Stadtverband Ravenstein inne.

Bei der 70-Jahr-Jubiläumsveranstaltung der CDU des Neckar-Odenwald-Kreises im Februar 2016 in Waldbrunn wurde er als einziger im Kreis für 70 Jahre Mitgliedschaft durch den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier geehrt.

Im November 1950 wurde Essig Mitglied im VdK und gründete den Ortsverein Hüngheim, dessen Vorsitzender er über 50 Jahre war – ebenfalls bis zum Zusammenschluss zum Stadtverband Ravenstein. Zudem gehörte Willi Essig über 40 Jahre der Freiwilligen Feuerwehr Hüngheim als aktives Mitglied an, war deren langjähriger Schriftführer und ist heute noch Mitglied in der Altersmannschaft. Beim Hüngheimer Gesangverein Harmonie ist er passives Mitglied. Seit 1955 ist Essig zudem örtlicher Obmann des katholischen Männerwerks.

Neben seinen vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten war der Jubilar über fünf Wahlperioden Mitglied des Pfarrgemeinderates und drei Wahlperioden dessen Vorsitzender. Außerdem war er Mitglied des Dekanats- und Diözesanrates und Beisitzer des Caritasverbandes im Neckar-Odenwald-Kreis. 20 Jahre lang war Essig jährlich eine Woche bei der Gebetswache der Männer auf dem Lindenberg in Freiburg.

Zudem war er Kassenverwalter der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Hüngheim, ist Mitglied der Frauenselbsthilfegruppe Buchen und war 18 Jahre lang deren Kassenverwalter.

Den Heimatverein mitbegründet

Zu Essigs vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten gehörte auch, dass er 20 Jahre lang Interviewer für den Mikrozensus beim Statistischen Landesamt Stuttgart und Mitbegründer der Sozialstation Osterburken gewesen ist, wo er jahrzehntelang Mitglied im Vorstand war. Weiter war Willi Essig Mitbegründer des Heimatvereins Hüngheim und dort aktives Mitglied wie auch im Deutschen Roten Kreuz und im Volksbund Kriegsgräberfürsorge.

Im Jahr 1950 hat Willi Essig Emilie Weimer in Hüngheim geheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor.

Zahlreiche Ehrungen und Anerkennungen erfuhr der Jubilar für seine vielen ehrenamtlichen Aufgaben, die ihm neben dem Beruf, der Arbeit für die eigene Familie und der für Willi Essig selbstverständlichen Nachbarschaftshilfe, kaum die Freizeit und Muße ließen, die zur körperlichen und geistigen Erholung verdient und nötig waren.

Zu seinem 95. Geburtstag wünschen seine Ehefrau, die vier Kinder mit ihren Ehepartnern, elf Enkel, zehn Urenkel, alle Verwandten und Freunde, die Bürger von Hüngheim und Ravenstein, seine ehemaligen Mitarbeiter und Freunde, aber auch die Behörden und öffentlichen Einrichtungen Willi Essig alles Gute, Gottes Segen und weiterhin viel Gesundheit. Die FN schließen sich den guten Wünschen an diese bekannte und außergewöhnliche Persönlichkeit gern an. F