Ravenstein

FN-Serie zu Merchingen Die Helfer des Fördervereins „Schloss mit Heimatmuseum Merchingen“ haben alle Hände voll zu tun / Hotel und Gastronomie haben einen guten Ruf

„Wir-Gefühl“ trägt den Betrieb in die Zukunft

Die Gastronomie und der Hotelbetrieb im Schloss Merchingen sind in der Hand von zwei Vereinen – und dabei gut aufgehoben.

Merchingen. Ein Schloss haben – Das ist doch ein Traum! Oder doch nicht? Mit einem Schloss hat man Platz für viele Gäste, man kann große Veranstaltungen abhalten und Feste mit Hunderten von Freunden feiern. Andererseits: Als Schlossherr muss man sich ständig kümmern, um tropfende Wasserhähne, offene Rechnungen und vieles mehr.

Für die Merchinger haben die Vorteile überwogen. Anfang der 1980er Jahre haben sie sich entschieden, das recht heruntergekommene Schloss für ihre Zwecke zu sanieren und damit für den Ort zu retten. Der Hintergrund war, dass immer mehr Gaststätten zumachten. Die Vereine hatten keine Säle mehr für größere Veranstaltungen.

Die Vision von schönen, eigenen Räumen vor Augen machten sich die Bürger mit riesigem Engagement an die Arbeit. Sie schafften, angeführt vom damaligen Ortsvorsteher Emil Otterbach, das eigentlich Unmögliche: Nicht nur den Ausbau selbst, sondern auch den Aufbau eines dauerhaften und auch zukünftig erfolgreichen Wirtschaftsbetriebs.

Ausgebuchte Säle

Klein und pragmatisch hat die Bewirtung durch den eigens gegründeten Förderverein begonnen – in der ersten Zeit brachten die „Küchenchefs“ noch Geschirr von zuhause mit. Heute sollte man ein Jahr im Voraus buchen, wenn man im Schlosshotel feiern will, berichten der Geschäftsführer des „Dienstleistungsbetriebs Schloss Merchingen“, Wolfgang Elsen, Klaus Leimbach (Vorsitzender des Dienstleistungsbetriebs und zweiter Vorsitzender des Fördervereins „Schlossausbau“) sowie Ortsvorsteher Jürgen Ullrich im Gespräch mit den FN.

„Von April bis September nächsten Jahres sind wir an den Wochenenden schon gut gebucht“, so Elsen. Daneben gibt es noch Tagungen und andere „kleine Sachen“. Es hat sich einfach herumgesprochen, dass man in Merchingen schön feiern kann und dabei freundlich und gut bewirtet wird.

Das bedarf einer professionellen Planung, berichtet Elsen. Die Personaleinteilung wird jeweils Anfang des Jahres schon gemacht. Für eine große Feier brauche man fünf Personen im Service und vier in der Küche, so die Erfahrung.

„Die Arbeit wird immer mehr“, erklärt Elsen. Deshalb habe man auf zwölf Festangestellte aufgestockt, die in Voll- und Teilzeit im Einsatz sind.

Daneben helfen Vereinsmitglieder. Die greifen ein, wenn Not am Mann ist, oder auch dann, wenn die Arbeitszeitgesetze den Hauptamtlichen Grenzen setzen. Doch wie in den ersten Tagen nehmen die Vereinsmitglieder es mit Humor: „Um 3 Uhr ist Schluss mit Party, und dann fangen wir an zu spülen“, lacht Leimbach.

Wenn es um das „Material“ für die Bewirtung geht, haben die Schloss-Leute eine klare „Philosophie“, so Ullrich. Man setzt auf die regionalen Zulieferer, den örtlichen Metzger, die Brauerei im Nachbarort, den Bäcker von gegenüber: „Da weiß man, dass die Qualität stimmt“. Und man kann auch mal außerhalb der Geschäftszeit Hilfe erwarten, wenn spontan noch etwas fehlt.

Der Hotelbetrieb läuft ebenfalls „rund“ und ist zu 60 Prozent ausgelastet. Das sei sehr gut für ein Landhotel. Der Betrieb trägt sich. Für kleinere Reparaturen ist der Dienstleistungsbetrieb zuständig, für „Größeres“ der Eigentümer, die Stadt Ravenstein.

Bei aller Professionalität haben die Schloss-Gastronomen ihre Ursprünge nicht vergessen. Bei der Vermietung der Säle haben die örtlichen Vereine Vorrang. „Die haben mit ausgebaut, die sind zuerst am Zug“, betont Ullrich diesen Aspekt der Vereinsphilosophie. Wenn dann der Musikverein beispielsweise seine Kerwe im Schloss feiert, stehen in der Küche auch nicht die Festangestellten des Dienstleistungsbetriebs, sondern eben Vereinsleute.

Elsen und Ullrich betonen noch einen Aspekt ihrer Philosophie: Der Gastronomiebetrieb im Schloss will keine Konkurrenz zu bestehenden Lokalen sein, sondern man ergänzt sich. „Unter der Woche schicken wir unsere Hotelgäste zum Brunnenwirt oder zu Spall“, so Elsen.

Der Hotelfachmann und Diplombetriebswirt hat im Juli 2017 die Geschäfte vom bisherigen ehrenamtlichen „Chef“ Jürgen Ullrich übernommen. Dem ist die Arbeit schlicht über den Kopf gewachsen – nicht nur wegen der Vielzahl der Buchungen, sondern auch wegen den zunehmenden bürokratischen Erschwernissen, Stichwort Arbeitszeitrichtlinien oder Datenschutzgrundverordnung.

„Die Regelungen zur Arbeitszeit sind unser größtes Problem“, unterstreicht Ullrich. Denn nach zehn Stunden muss Schluss sein, und wer am Samstagvormittag schon woanders regulär gearbeitet hat, der darf am Abend höchstens noch zwei oder drei Stunden jobben und das lohne sich dann nicht. So habe man viele junge Frauen verloren, die sich gern etwas dazuverdient hätten.

Arbeit schweißt zusammen

Unter der Regie von Ortsvorsteher Emil Otterbach und dem 1982 gegründeten „Förderverein Schlossausbau“ haben die Merchinger vor inzwischen über 35 Jahren den Saalbau nach und nach nutzbar gemacht. Das war Knochenarbeit: Denn die Räume dienten im Laufe der Jahrhunderte nicht nur als Getreidespeicher, sondern als Lager für alles Mögliche und Unmögliche. Mindestens zweimal die Woche krempelten die Freiwilligen die Ärmel hoch. Nach getaner Arbeit saß man gemütlich zusammen. Das schweißt zusammen. Noch heute ist Ortsvorsteher Jürgen Ullrich überzeugt, dass das ganze Projekt nur durch das großartige „Wir-Gefühl“ im Ort möglich wurde.

Konzert als Geschenk der FN

Dieses Engagement verdient Unterstützung, finden die FN und schenken dem Förderverein einen Abend mit dem Rezitator Stefan Müller-Ruppert und Martin Schmidt (Querflöte). Die beiden Künstler versprechen für den Samstag, 24. November, einen unterhaltsamen Mix aus Lyrik und Musik zum Spätherbst. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr, Einlass ist bereits ab 19 Uhr. Der Erlös kommt dem Förderverein Schlossausbau zugute.