Ravenstein

FN-Serie Merchingen In der „Jungen Musik Ravenstein“ wird der Nachwuchs der Musikvereine gemeinsam ausgebildet

„Wir verfolgen alle das gleiche Ziel“

Zusammen geht es leichter und gemeinsam hat man mehr Spaß. Diese Erfahrung machen junge Musiker und Verantwortliche der Musikvereine mit der „Jungen Musik Ravenstein“.

Merchingen. Gut läuft es immer dann, wenn man miteinander redet, sich zusammentut und anstehende Probleme gemeinsam bewältigt. Ein Beispiel dafür ist die „Junge Musik Ravenstein“, ein Zusammenschluss für junge Musiker aus allen Stadtteilen Ravensteins.

Wie gut das läuft, konnte man kürzlich im Schlosssaal erleben, als das 20-köpfige Jugendorchester bei der Kerwe des Musikvereins Merchingen vor großem Publikum eine Probe seines Könnens abgab.

Für die meist kurzen Stücke – das Repertoire reicht von „Linus und Lucy“ bis zur Europahymne – gab es viel Beifall. „Und wenn mal ein Ton daneben geht, dann macht das auch nichts“, sagen Marina Stern, die Vorsitzende der „Jungen Musik“ und Ortsvorsteher Jürgen Ullrich im Gespräch mit den FN. Zwischen neun und 16 Jahre sind die Nachwuchsmusiker alt, alle zwei Wochen am Dienstagabend wird geprobt. Dirigentin ist die 22-jährige Laura Ullrich.

„Da lernt man viele Leute kennen“

Die Geschwister Leon und Vivienne haben nach dem Auftritt bei der Kerwe zwar großen Hunger, aber trotzdem noch Zeit, einige Fragen der Journalistin zu beantworten. Bereitwillig erzählen sie, wie viel Spaß ihnen das Musizieren im Orchester macht. „Da lernt man halt auch mal andere Leute kennen“, sagt der 14-jährige Leon und freut sich, immer mal wieder woanders zu spielen. Vivienne (elf) findet es gut, dass sie dabei Mitschüler trifft.

Auf die Frage, ob das nicht zu viel ist, wenn man nach der anstrengenden Schule und den „Hausis“ noch auf seinem Instrument üben soll, schütteln beide bloß den Kopf. „Das geht schon“, sagt Leon lässig. Und das, obwohl er jetzt für das bronzene Leistungsabzeichen schon ein bisschen mehr proben muss. Nach dem Jugendorchester wollen beide im Musikverein ihres Ortes weitermachen, das steht schon mal fest.

Ob das so kommt, wird sich zeigen: Von sechs oder sieben jungen Musikern, die noch das Abzeichen ablegen, bleiben erfahrungsgemäß nicht mehr als zwei oder drei dem Verein erhalten. „Das ist ein hoher Einsatz“, weiß die Vorsitzende. „Aber wir sind froh über jeden Einzelnen, der uns bleibt.“ Angesichts der Vielzahl der Angebote, die auf junge Leute einströmen, müsse man um jeden Nachwuchsmusiker im Verein froh sein, so auch Jürgen Ullrich.

Seit bald fünf Jahren besteht dieser Zusammenschluss der Ravensteiner Musikvereine – fünf Ensembles gibt es und damit in fast jedem Stadtteil eines. Und alle sind „fit und aktiv“, berichtet Marina Stern, die ursprünglich vom Musikverein Oberwittstadt kommt. Aber sie alle haben dasselbe Problem: „Wir brauchen für unseren Nachwuchs qualifizierten Unterricht.“ Die nötigen Ausbilder zu finden, sei gar nicht so einfach.

Darüber hätten sich Bernd Otterbach vom Musikverein Merchingen und Andreas Eberhard vom Musikverein Oberwittstadt im Jahr 2013 unterhalten. Bei dieser Gelegenheit sei die Idee geboren worden, sich im Bereich der Jugend zusammenzutun, erzählt Stern.

Die beiden Initiatoren schrieben die anderen Vereine an, man traf sich, und schnell war klar, dass man auch aus versicherungstechnischen Gründen eine feste Organisationsform für die „Junge Musik“ braucht. „Damit war klar: Wir müssen einen Verein gründen.“

So geschah es im Mai 2015. Marina Stern wurde Vorsitzende, von jedem Verein ist gleichberechtigt ein Vertreter im Vorstand. Bernd Otterbach hat die musikalische Leitung. Seitdem bilden die Vereine ihre jungen Blasmusiker gemeinsam aus, und zwar an allen denkbaren Blasinstrumenten vom Saxophon über das Flügelhorn, von der Blockflöte bis zur Posaune. Für jedes Instrument gibt es einen Lehrer.

Instrumente kann man auch leihen

35 Mädchen und Jungen sind aktuell in Ausbildung. Sie musizieren ab dem zweiten Ausbildungsjahr im Jugendorchester. Ab dem dritten Jahr, oder wenn sie das Leistungsabzeichen in Bronze geschafft haben, können sie ins Orchester ihres Vereins wechseln – wenn sie möchten. Natürlich ist eine Doppelmitgliedschaft möglich, so Marina Stern.

Ein eigenes Instrument ist für die Ausbildung keine Voraussetzung. Flöte, Tuba, Saxophon, Posaune oder Horn können für wenig Geld geliehen werden – ein wichtiger Aspekt für Marina Stern. Schließlich soll jedes Kind, egal mit welchem familiären Hintergrund, Zugang zur Musik haben können.

Kooperation läuft super

Für die zweifache Mutter, die „nebenbei“ bis vor kurzem auch noch Querflöte unterrichtete, bedeutet das Vorstandsamt nicht wenig Arbeit. Informationsveranstaltungen in Schulen müssen organisiert und veranstaltet werden, Gespräche mit Eltern sind zu führen und vieles mehr.

Aber sie macht das alles gern. Schließlich ist es ja für die Kinder, auch für die eigenen. „Wenn man eine Idee gut findet, dann hängt man sich auch ’rein“, bringt die Vorsitzende eine Haltung auf den Punkt, die man in den Vereinen in Merchingen – und anderswo – öfter erlebt.

Und die Kinder haben so großen Spaß, dass sie für „ihr“ Ensemble schon selbst Pläne schmieden: Als Gemeinschaftsprojekt wollen sie ein Konzert machen, mit Probewochenende und allem, was dazu gehört. Ob das klappt? „Mal sehen“, meint die Vorsitzende.

Die Kooperation unter den Ravensteiner Vereinen läuft „super“, findet Marina Stern. „Wenn ich Hilfe brauche, ist sie da.“ Schwierigkeiten gibt es höchstens angesichts der weiten Wege zwischen den Ortsteilen, aber nicht, was die Inhalte betrifft.

„Wir helfen uns gerne gegenseitig, schließlich verfolgen wir alle dasselbe Ziel“.