Reise

Andalusien, März 2009

Archivartikel

Andalusien - Spaniens feuriger Süden
Leserreise vom 4.3. - 11.3.2009

Heidi Wasser

Sonne und Meer, Stierkampf und Flamenco, stolze Menschen und maurische Pracht: Andalusien ist der Teil Europas, der Afrika am nächsten liegt. Fast 800 Jahre lang hat die arabische Kultur das Land geprägt und dabei Schätze hinterlassen wie die Alhambra in Granada, die Mezquita in Córdoba und die Giralda in Sevilla.

Granada
Die Stadt Granada liegt auf 685m Höhe, wohlbehütet unter den Gipfeln der Sierra Nevada, die bis weit in den Frühling hinein von Schnee bedeckt sind.

Die Alhambra ist einer der schönsten Paläste der Welt, das herausragende Denkmal des andalusischen Islam. Künstlerische Pracht und orientalische Lebenslust haben die einmalige Alhambra geprägt. Erbaut im 13. und 14. Jh. nach den Vorstellungen maurischer Kalifen und Könige, sie wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Wie ein Schatz ist das Innere der Alhambra hinter mächtigen Mauern verborgen. Sie umschließen eine Anlage aus mehreren, ganz unterschiedlichen Teilen. Das Herzstück der Alhambra sind die "Palacios Nazaries" (Nasridenpaläste), dem besterhaltensten islamischen Schloss aus dem Mittelalter, dem Palast von Kaiser Karl V., sowie den blühenden Gärten des "Generalife" und dem Sommerpalast. Ein beliebtes Fotomotiv ist der Löwenhof "Patio de los Leones". 124 Marmorsäulen umrahmen den 28 mal 15 Meter großen Hof, der seinen Namen den 12 Löwen in seiner Mitte verdankt, die einen Brunnen tragen. Leider sind die Löwen zur Zeit nicht zu besichtigen, da sie restauriert werden.

Bei einem Rundgang durch die zauberhaften Gassen des maurischen Altstadtviertels Albaicin atmet man die Atmosphäre jahrhundertealter Geschichte ein - zahlreiche Teestuben, Gewürzmärkte und Handwerkerläden verströmen orientalisches Flair. Früher lebte hier der Großteil der muselmanischen Bevölkerung. Sie war also das bürgerliche Gegenstück zur fürstlichen Alhambra. Später wurden hier christliche Kirchen und Klöster auf Trümmern von Moscheen erbaut.


Teil 2

Málaga, Nerja und Frigiliana - Mijas
Einen Besuch wert ist die Geburtsstadt von Pablo Picasso: Málaga.

Sehenswert sind die "Alcazaba" maurische Festungsanlage aus dem 11. Jh., das römische Theater und die beeindruckende, im Renaissancestil gebaute Kathedrale. "La Manquita", die kleine Einarmige wird sie genannt. Der Bau zog sich über 250 Jahre hin, dann hatten die Bürger genug, er wurde ohne den geplanten zweiten Turm beendet.

An der östlichen Costa del Sol liegt das Städtchen Nerja. "Cueva de Nerja", die Tropfsteinhöhle ist die Touristenattraktion mit einem 4 km langen Höhlensystem. Die Höhle wurde erst in den 50er Jahren durch einen Zufall von spielenden Kindern entdeckt. Inzwischen ist sie hervorragend erschlossen, ca. 800 m sind zugänglich. Am besten lassen sich die Stalaktiten und Stalagmiten dieser Höhle von der Aussichtswarte im Saal des Elefantenstoßzahns bewundern.

Auf einem Felsvorsprung, hoch über dem Meer, ist mitten im historischen Zentrum von Nerja der "Balcon de Europa". Von hier lädt ein wunderschöner Blick auf das Mittelmeer und die Buchten der Costa del Sol ein.

Nur 6 km nördlich von Nerja liegt eines der wohl schönsten typischen weißen Dörfer Andalusiens: Frigiliana. Hier fühlt man sich in maurische Zeiten zurückversetzt. Umgeben von breiten Grünflächen und in der Nähe des Meeres, erstreckt sich das Gebirgsdorf in der Axarquia, der einzigartigen Gebirgsregion im Osten von Málaga. Kleine, stufenförmig angelegte Straßen und Gassen, die wunderschön geschmückt mit Blumen aller Art sind, erinnern an die maurische Vergangenheit.

Mijas
31 km östlich von Marbella liegt das malerische Bergdorf Mijas. Atemberaubende Ausblicke auf das Meer, verwinkelte Gassen und weiß getünchte Häuser mit blumengeschmückten Fenstern erwarten uns. Sehenswert ist die Wallfahrtskirche "Santuario de la Virgen de la Pena" aus dem 16. Jahrhundert, eine in den Fels gebaute Kapelle.

Lohnenswert ist ein Besuch des "Museo Historico-Etnologico de Mijas". In den Räumlichkeiten wird das Leben und Arbeiten der Bewohner von Mijas aus vergangener Zeit zur Schau gestellt.

Eine originelle Fortbewegungsart in den engen Gassen sind die "Burro-Taxis", ordnungsgemäß mit Rückspiegel, Taxischild und Registriernummer versehene Esel.


Teil 3

Sevilla
Sevilla, die Hauptstadt Andalusiens, fasziniert mit ihren großartigen, geschichtlichen Höhepunkten mit mehreren UNESCO Weltkulturerben.

2,5 Meter dicke Mauern, 70 Meter hoch, so wollte es im 12. Jahrhundert Emir Abu Jacub. Das Minarett seiner Hauptmoschee ist seitdem Wahrzeichen Sevillas und Ausdruck religiöser Freiheit. Die "Giralda" steht heute als Glockenturm neben der Welt drittgrößten Kathedrale "Santa Maria de la Sede" (nach dem Petersdom im Vatikan und der Londoner St. Paul's Cathedral).

Höhepunkt im Innern der Kirche ist ein Hauptwerk der spanischen Holzschnitzgotik, der Hochaltar in der Capilla Mayor. Er entstand unter mehreren Meistern zwischen 1482 und 1564. Im südlichen Querschiff liegt Christopher Kolumbus begraben. Die Kathedrale wurde, wie fast immer in Andalusien, an Stelle einer Moschee errichtet.

Der "Alcázar" ist der mittelalterliche Königspalast von Sevilla. Ursprünglich als maurisches Fort angelegt, wurde der "Alcázar" später mehrfach zum Palast erweitert.

Durch maurische Handwerker, aber unter christlicher Herrschaft des Rey Pedro I. (Peter der Grausame) erhielt der Königspalast "Alcázar" um 1370 seine heutige Form. Der "Alcázar" wirkt leicht und luftig, ähnelt in Form und Innenarchitektur stark der muselmanischen Herrlichkeit der Alhambra Granadas. Vom Obergeschoss des "Alcázar" hat man einen wunderschönen Blick auf die Gartenanlage. Palmen, Zitrusbäume und Zypressen bieten Schatten und mosaikverzierte Bänke laden zum Ausruhen ein.

Das "Barrio Santa Cruz" ist eine Stadt in der Stadt, in der die Zeit stillzustehen scheint. Das ehemalige Judenviertel, unweit der Kathedrale, kann man durch blumengeschmückte Gässchen erreichen. Kleine Innenhöfe, winzige Plätze und ein enges, weißgetünchtes Labyrinth von Gassen lassen ahnen, wie die Menschen vor 500 Jahren hier wohnten. Die "Plaza de Dona Elvira" war früher ein Theaterhof, nebenan malte Murillo.

Die "Plaza de Espana" ist einer der bekanntesten Plätze in Sevilla. Mitten im "Parque de Maria Luisa" liegt wie eine Filmkulisse, der wunderschöne Platz, abgeschlossen von einem prächtigen halbrunden Bau. Auf dem Sockel des Gebäudes sind die spanischen Provinzen auf Kachelbänken dargestellt.

Sevilla ist Ursprungsort der Tapas. Man sollte nicht verpassen, die erstaunliche Vielfalt an Tapas zu kosten, diese sind perfekt geeignet für eine kleine Zwischenmahlzeit zu einem Gläschen Wein. Sie bestehen hauptsächlich aus Fisch- und Fleischspezialitäten. Jede Bar hat ihre eigenen Tapas.


Teil 4

Ronda und Puerto Banus - Córdoba
Nirgendwo ist Spanien romantischer als in Ronda. Die Stadt breitet sich über ein Felsplateau aus, dessen Seiten bis zu 165 m senkrecht in die Tiefe fallen und das zudem noch wie von einem Keil in zwei Teile gespalten ist. Durch die bis zu 80 m breite Schlucht hat sich der Rio Guadalevin seinen Weg gesucht. Ein kleines Weltwunder aus Steinblöcken ist die "Puente Nuevo". Die Brücke wurde in 42jähriger Arbeit im 18. Jh. hoch über der Schlucht zwischen Ciudad und Mercadillo errichtet. "Der Fluss in seinem schluchtigen Abgrund spiegelt die zerrissenen Lichter des Himmels, aber auch sein Innerstes wieder", schrieb der deutsche Dichter Rainer Maria Rilke, als er sich im Dezember 1912 für einige Monate in einem Hotel in Ronda einquartierte. Auch Ernest Hemingway war ein Verehrer Rondas.

Die Hauptkirche Rondas, "Iglesia Santa Maria", liegt am schönsten Platz der Stadt. Sie wurde Ende des 15. Jahrhunderts unter König Ferdinand II. an Stelle der früheren großen Moschee der Stadt erbaut. Von der ursprünglichen Bausubstanz sind noch der Mihrab und ein Teil des, in einen Glockenturm umgewandelten, Minaretts zu sehen. In der Kirche, erbaut nach der christlichen Eroberung Rondas, stoßen Gotik und Renaissance aufeinander.

Die älteste Stierkampfarena Spaniens (1785), befindet sich an der Plaza de Toros. Sie ist die einzige mit komplett überdachten Sitzreihen.

Marbella ist der Treffpunkt des Jet-Set. Im exklusiven Yachthafen, dem Puerto Banus, liegen die Luxusyachten der Superreichen.

Córdoba
Andalusiens großer Poet Garcia Lorca schrieb: "Sevilla ist das Wunder, Granada für die Träume, aber Córdoba zum friedlichen Sterben".

Kommt man über die alte Römerbrücke, fühlt man sich fast erdrückt vom Anblick der mächtigen Hauptmoschee "Mezquita". Sie ist das Herz von Cordoba. Die "Mezquita" macht von außen einen eher schlichten, festungsähnlichen Eindruck. Der Glockenturm, in dessen Inneren sich das Minarett der Moschee verbirgt, steht direkt neben dem Eingangstor. Im Inneren der Moschee (UNESCO-Weltkulturerbe), öffnet sich eine überwältigende Pracht. Als "Wald der tausend Säulen" werden die Pfeiler, die Bögen im charakteristischen rot-gelben Streifenmuster tragen, bezeichnet.

Nach dem Sieg über die Mauren, 1236, ließen die Christenkönige mitten in die Moschee eine Kathedrale bauen. Einzigartig ist die Gebetsnische, der "Mihrab". Mit seinen persischen Ornamenten, arabischen Kalligraphien und byzantinischen Mosaiken ist sie prächtiger als die "Mihrabs" von Jerusalem oder Damaskus.

Ein Spaziergang durch das ehemalige Judenviertel ist ein "Muss" und ein Genuss. Üppiger Blumenschmuck verzaubert in der "Calleja de las Flores" (Blumengässchen). Hier kann man die einzig erhaltene Synagoge Andalusiens aus dem 14. Jahrhundert besichtigen.