Reise

Israel, Oktober 2010

Archivartikel

Israel - zwischen Tradition und Moderne
Leserreise vom 24.10. bis 31.10.2010

Heidi Wasser

"Shalom" - Frieden - so begrüßen sich die Israelis. Der Frieden in diesem Land ist noch weit entfernt. In einem Land, in dem drei Weltreligionen um die Vorherrschaft kämpfen, in dem Palästinenser und Israelis seit 60 Jahren unversöhnlich auf ihre Rechte beharren.

Tel Aviv
Ausgangspunkt unserer Leserreise ist Tel Aviv, zweitgrößte Stadt und Wirtschaftszentrum Israels. Tel Aviv ist weltoffen und die modernste Stadt im Nahen Osten. Hinter dem endlosen Sandstrand der zum Baden einlädt, erstrecken sich Hochhäuser, die die Skyline der Stadt bilden.

Der älteste Teil Tel Avivs ist die arabische Altstadt "Jaffa". Vom Hafen aus erscheint die Kulisse von Jaffa wie eine Märchenstadt. In seinen engen Gassen laden kleine Bazare, Kunsthandwerksläden, Schmuckgeschäfte zum Bummeln und Stöbern ein.

Um den Rothschild-Boulevard konzentriert sich die Bauhaus-Architektur. Eine Besonderheit stellen die im Bauhaus-Stil errichteten Häuser dar. Dieser Stadtteil, die so genannte "Weiße Stadt", wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Caesarea - Haifa - Akko
Caesarea ist eine der bedeutendsten archäologischen Ausgrabungsstätten Israels. Direkt am Meer liegen die Ruinenstätten des Palast des Herodes sowie die Ruinen eines römischen Theaters. Die eindrucksvollste Ruine der römische Stadt ist das Aquädukt welches das antike Caesarea mit Wasser versorgte.

Haifa gilt als die schönste Stadt Israels. Haifa wurde auf drei Ebenen den Berg hoch gebaut. Auf halber Höhe befindet sich in einer prächtigen Parkanlage der Bahai-Schrein, das Wahrzeichen Haifas.

Nördlich von Haifa befindet sich die ehemalige Kreuzfahrerstadt Akko. Auf einem Rundgang durch die heute bis zu 10m unter Straßenniveau liegenden unterirdischen Anlagen fühlt man sich in die Zeit der Kreuzritter zurückversetzt. Akko, überwiegend von Palästinensern bewohnt, hat bis heute seinen arabischen Charakter bewahrt.


Teil 2

Die heiligen Stätten am See
Der See Genezareth gehört zu den großen Reichtümern Israels. Von ihm werden viele Städte mit Wasser versorgt. Hier befinden sich zahlreiche biblische Stätten. Am Nordufer, auf dem Berg der Seligpreisung, erinnert die Brotvermehrungskirche an das Wunder, das hier geschehen ist. Von hier hat man den schönsten Blick auf den See Genezareth. Rund um den See spielen viele Erzählungen aus den Evangelien. Hier hat Jesus mit seinen Jüngern gewohnt, gelehrt und der Bibel zufolge auch zahlreiche Wunder vollbracht. An fast jedes erinnert eine Kirche.

Kapernaum gehört zu den bedeutenden Wirkungsstätten Jesu und ist heute ein archäologisches Ausgrabungsgelände. Hier befinden sich das Wohnhaus von Petrus und eine Synagoge aus dem 4. Jahrhundert.

Massada - Qumran - Totes Meer
Bequem mit der Seilbahn ist die Festung Massada zu besichtigen wo König Herodes hoch über dem "Toten Meer" seinen Palast errichtete. Nach der Zerstörung Jerusalems verschanzten sich hier jüdische Aufständische um der Sklaverei zu entgehen. Nach zweijähriger Belagerung gelang es den Römern Massada einzunehmen. Die Belagerten beschlossen von eigener Hand zu sterben. Die Haltung der Zeloten hat in Israel eine hohe symbolische Bedeutung.

In Qumran, am Westufer des "Toten Meeres", befinden sich Ausgrabungen der "Essener Siedlung". In ihr lebten um die Zeitwende Mitglieder der "Essener Sekte", zu denen möglicherweise auch Jesus gehörte. Im Jahr 1947 hat ein Hirtenjunge in einer Höhle Krüge mit den ältesten Bibelschriftrollen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. entdeckt. Sie befinden sich heute in Jerusalem im Israel-Museum.

Das stark salz- und mineralhaltige Wasser des 400m unter dem Meeresspiegel liegende "Tote Meer" lädt zu einem Bad ein. Der Salzgehalt ist mit etwa 30 Prozent fast zehnmal so hoch wie der anderer Meere (Zeitung lesend auf dem Salzmeer liegen - das gehört zu jedem Israel-Urlaub). Die Grenze zu Jordanien verläuft genau in der Mitte des "Toten Meeres".


Teil 3

Jerusalem
Jerusalem ist die Hauptstadt des Staates Israel. Sie wurde um 1800 v. Chr. erstmals erwähnt und ist damit eine der ältesten bekannten Städte der Welt. In ihr begegnen sich viele Kulturen der Antike und Moderne.

Die Gedenkstätte Yad Vashem erinnert schmerzlichst an die Ermordung von 6 Mio. Juden durch die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges. Zentrum der Gedenkstätte ist die Halle der Erinnerung.

Das israelische Parlament ist in der Knesset untergebracht. Davor befindet sich die 5m hohe Menora, ein siebenarmiger Kerzenleuchter, israelisches Staatssymbol.

Reich an Schätzen ist das Israel-Museum u.a. mit dem berühmten "Schrein des Buches". Hier befinden sich die 1947 in Qumran gefundenen Schriftrollen mit den ältesten Bibeltexten. Prunkstück des Museums ist ein Modell Jerusalems zur Zeit der Römer. Hier bekommt man eine Vorstellung, wie Jerusalem zu Lebzeiten Jesu aussah, eine prächtige Stadt mit einem pompösen Tempel. Eine reiche, mit Villen bestückte Oberstadt und eine Unterstadt mit kleineren Steinhäusern. Spuren der Römer, die Jerusalem damals regierten, sind das Amphitheater, die Antonia-Festung und der Palast des Herodes.

Die Altstadt Jerusalems wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Sie ist seit dem Mittelalter in das jüdische, christliche, armenische und muslimische Viertel unterteilt und wird von einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden, fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben.

Im Südostteil der Altstadt befindet sich der Tempelberg. Sein Gipfel ist ein künstliches Plateau. Ursprünglich standen hier der salomonische Tempel und der nachfolgende herodianische Tempel. Heute befinden sich dort der "Felsendom" und die "Al-Aqsa-Moschee". Der Tempelberg ist einer der umstrittensten heiligen Orte der Welt.

Der Ölberg ist eine Erhebung östlich des Tempelbergs und der Jerusalemer Altstadt. In Erinnerung an die biblische Geschichte wurde Jesus am Fuß des Berges, im Garten Gethsemane, gefangen genommen und ist vom Ölberg in den Himmel aufgefahren. Von hier eröffnet sich ein atemberaubender Blick über die Altstadt und den Tempelberg.

Die römisch-katholische "Kirche der Nationen" im Garten Gethsemane am Fuß des Berges wurde in Erinnerung an das verzweifelte Gebet Jesu im Garten errichtet. Sie hat 12 Kuppeln, die für die 12 Apostel stehen. Dahinter steht die russisch-orthodoxe "Maria-Magdalena-Kirche" mit ihren goldenen Zwiebeltürmen.

Das "Misttor" auch Dungtor genannt, ist eines der acht Tore, die in die Altstadt führen. Das "Misttor" ermöglicht den direkten Zugang zum Platz vor der Klagemauer.

Die Klagemauer wird in Israel "westliche Mauer" genannt, da sie die Westmauer der Tempelanlage war und nicht primär ein Ort der Klage ist. Sie ist 48 Meter lang und 18 Meter hoch. Heute besuchen täglich viele Menschen die Klagemauer, um zu beten. Sie stellt für viele Juden ein Symbol für den ewigen, bestehenden Bund Gottes mit seinem jüdischen Volk dar. Zu sehen sind auch die Ultraorthodoxen, gekleidet in schwarze Kaftane und Hüte, unter denen die Schläfenlocken hervorschauen. Männer und Frauen dürfen nur getrennt beten.

Die "Via Dolorosa" führt durch die Altstadt vom Löwentor zur Grabeskirche, die an jenem Ort stehen soll, wo Jesus ins Grab gelegt wurde. Die Grabeskirche zählt zu den größten Heiligtümern des Christentums.

Nach der Bibel ist die "Via Dolorosa" jene Straße, die zur Zeit des Todes von Jesus vom Amtssitz des römischen Statthalters Pontius Pilatus zur Hinrichtungsstätte am Hügel Golgota führte. Diesen Weg musste Jesus vor seiner Kreuzigung zurücklegen. Daher ist die "Via Dolorosa" heute als Kreuzweg ausgestaltet. Von den 14 Stationen des Kreuzweges befinden sich acht auf der "Via Dolorosa" selbst. Die neunte befindet sich auf dem Dach der Grabeskirche, die letzten fünf darin.

Heute ist die Grabeskirche in der Hand sechs christlicher Konfessionen. Bedeutendste Stätte der Grabeskirche ist die Grabeskapelle, der überlieferte Ort des Grabes Jesus. Neben der Grabeskapelle beinhaltet die Grabeskirche zahlreiche weitere christliche Heiligtümer. Am Salbungsstein beim Eingang soll der Leichnam Jesu für die Bestattung vorbereitet worden sein. Auf der anderen Seite des Eingangs liegt der Kalvarienberg oder "Golgotafelsen", die Stelle, an der Jesus am Kreuz gestorben ist.

Auf tieferem Nivau als der Kircheneingang, befinden sich die armenisch-orthodoxe Helenakapelle und die römisch-katholische Kreuzauffindungskapelle. In ihr soll der Fundort des Kreuzes von Jesus liegen.

Da sich die Glaubensrichtungen nicht einigen können, liegen die Schlüssel der Kirche in den Händen zweier muslimischer Familien, die jeden Morgen die Kirche aufschließen.

Der Zions Berg liegt nicht weit außerhalb der Stadtmauern von Jerusalem. Er ist für die Christen von besonderer Bedeutung: Dort befindet sich nach der Überlieferung das Haus der Eltern des Evangelisten Markus. Jesus hat auch in diesem Haus mit den zwölf Aposteln das "letzte Abendmahl" gefeiert.

In der benachbarten Dormitionskirche verehren die Katholiken den Ort, an dem Maria starb und in den Himmel fuhr.


Teil 4

Bethlehem
Nicht weit von Jerusalem entfernt liegt im palästinensischen Autonomiegebiet, im Westjordanland, die Stadt Bethlehem. Im Zentrum befindet sich die Geburtskirche in der Jesus Christus geboren wurde. Durch die so genannte Demutspforte, die 1,20m hoch ist und eine gebückte Haltung beim Eintritt verlangt, betreten wir den dreischiffigen Bau. Der Altarraum ist unter den Konfessionen griechisch-orthodox, armenisch und römisch-katholisch aufgeteilt. Über eine steile Treppe gelangen wir zur Geburtsgrotte, wo der 14-strahlige Silberstern unter dem Altar auf die Geburtsstätte Christi hinweist.

Von der Geburtsgrotte führt ein unterirdischer Gang zur römisch-katholischen Katharinenkirche wo am Heilig Abend die weltweit bekannte Mitternachtsmesse zelebriert wird.

Mitbringsel aus Bethlehem sind in kunstvoller Handarbeit, aus Olivenholz geschnitzte Krippenfiguren und Holzkreuze, die in den Souvenierläden angeboten werden.

Durch unsere Reiseleiterin "Anna", haben wir sehr viel über Land und Leute, über Vergangenheit und Gegenwart und die verschiedenen Religionen in Israel erfahren.

Wir sagen "lehitraot" (auf Wiedersehen) zu Israel. Mit vielen unterschiedlichen Eindrücken verlassen wir das Land.