Reise

Jordanien, Mai 2009

Archivartikel

Faszination Jordanien
Leserreise vom 12. bis 20.5.2009

Heidi Wasser

Legenden aus vergangenen Zeiten und hautnah erlebte Geschichte. In Jordanien liegt das nah zusammen. Eine Reise durch das haschemitische Königreich führt zu den Spuren von Griechen, Römern, Christen, Muslimen und Kreuzrittern

Amman - Wüstenschlösser - Totes Meer
Ausgangspunkt unserer Leserreise ist Amman, die "weiße Stadt", die auf sieben Hügeln erbaute Hauptstadt und Königsresidenz.

Bedeutende historisch-kulturelle Stätte ist das beeindruckend gut erhaltene "Römische Theater", das erst 1957 freigelegt und zwischenzeitlich hervorragend restauriert wurde. Das Theater wurde unter Kaiser Antonius Pius zwischen 138 und 161 n. Chr. erbaut und bietet ca. 6000 Besuchern Platz. Es wird heute noch für Sportveranstaltungen und kulturelle Ereignisse genutzt.

Das "Archäologische Museum", am Eingang zur Zitadelle, ist zwar recht klein, beherbergt aber doch einige wichtige Funde. Es sind Exponate aus 10.000 Jahren Geschichte aus ganz Jordanien ausgestellt, von der Frühgeschichte bis hin zur Islamischen Zeit.

Wir verlassen Amman in Richtung Osten und gelangen zu den omayyadischen Wüstenschlössern aus dem 8. Jahrhundert. "Qasr Amra" ist das am besten erhaltene Wüstenschloss und gehört seit 1999 zum Unesco-Welterbe. Kalif Walid I. ließ sich diesen Jagdpavillon mit Badehaus bauen, der auch als Lustschloss diente. Im Innern zeugen beeindruckende Fresken und Wandmalereien von der Lebensart jener Zeit.

Das stark salz- und mineralhaltige Wasser des 400 m unter dem Meeresspiegel liegende "Tote Meer" lädt zu einem Bad ein. Der Salzgehalt ist mit etwa 30 Prozent fast zehnmal so hoch wie der anderer Meere (Zeitung lesend auf dem Salzmeer liegen - das gehört zu jedem Jordanien-Urlaub).


Teil 2

Jerusalem
Jerusalem ist die Hauptstadt des Staates Israel. Sie wurde um 1800 v. Chr. erstmals erwähnt und ist damit eine der ältesten bekannten Städte der Welt. In ihr begegnen sich viele Kulturen der Antike und Moderne. Die Altstadt wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Sie ist seit dem Mittelalter in das jüdische, christliche, armenische und muslimische Viertel unterteilt und wird von einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden, fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben.

Der Ölberg ist eine Erhebung östlich des Tempelbergs und der Jerusalemer Altstadt. In Erinnerung an die biblische Geschichte soll Jesus am Fuß des Berges, im Garten Gethsemane, gefangen genommen und vom Ölberg in den Himmel aufgefahren sein. Von hier eröffnet sich ein atemberaubender Blick über die Altstadt und den Tempelberg.

Die römisch-katholische "Kirche der Nationen" im Garten Gethsemane am Fuß des Berges wurde in Erinnerung an das verzweifelte Gebet Jesu im Garten errichtet. Sie hat 12 Kuppeln, die für die 12 Apostel stehen.

Der Tempelberg ist ein Hügel im Südostteil der Altstadt. An seinem Gipfel befindet sich ein künstliches Plateau. Ursprünglich standen hier der salomonische Tempel und der nachfolgende herodianische Tempel. Heute befinden sich dort der "Felsendom" und die "Al-Aqsa-Moschee". Der Tempelberg ist einer der umstrittensten heiligen Orte der Welt.

Das "Misttor" auch Dungtor genannt, ist eines der acht Tore, die in die Altstadt führen. Das "Misttor" ermöglicht den direkten Zugang zum Platz vor der Klagemauer.

Die Klagemauer wird in Israel "westliche Mauer" genannt, da sie die Westmauer der Tempelanlage war und nicht primär ein Ort der Klage ist. Sie ist 48 Meter lang und 18 Meter hoch. Heute besuchen täglich viele Menschen die Klagemauer, um zu beten. Sie stellt für viele Juden ein Symbol für den ewigen, bestehenden Bund Gottes mit seinem jüdischen Volk dar.

Die "Via Dolorosa" führt durch die Altstadt vom Löwentor zur Grabeskirche, die an jenem Ort stehen soll, wo Jesus ins Grab gelegt worden sein soll. Die Grabeskirche zählt zu den größten Heiligtümern des Christentums.

Nach der Überlieferung ist die "Via Dolorosa" jene Straße, die zur Zeit des Todes von Jesus vom Amtssitz des römischen Statthalters Pontius Pilatus zur Hinrichtungsstätte am Hügel Golgota führte. Diesen Weg musste Jesus vor seiner Kreuzigung zurücklegen. Daher ist die "Via Dolorosa" heute als Kreuzweg ausgestaltet. Von den 14 Stationen des Kreuzweges befinden sich acht auf der "Via Dolorosa" selbst. Die neunte befindet sich auf dem Dach der Grabeskirche, die letzten fünf darin.

Heute ist die Grabeskirche in der Hand sechs christlicher Konfessionen. Bedeutendste Stätte der Grabeskirche ist die Grabeskapelle, der überlieferte Ort des Grabes Jesus. Neben der Grabeskapelle beinhaltet die Grabeskirche zahlreiche weitere christliche Heiligtümer. Am Salbungsstein beim Eingang soll der Leichnam Jesu für die Bestattung vorbereitet worden sein. Auf der anderen Seite des Eingangs liegt der Kalvarienberg oder "Golgotafelsen", die Stelle, an der Jesus am Kreuz gestorben ist.

Auf tieferem Nivau als der Kircheneingang, befinden sich die armenisch-orthodoxe Helenakapelle und die römisch-katholische Kreuzauffindungskapelle. In ihr soll der Fundort des Kreuzes von Jesus liegen.

Der Zions Berg liegt nicht weit außerhalb der Stadtmauern von Jerusalem. Er ist für die Christen von besonderer Bedeutung: Dort befindet sich nach der Überlieferung das Haus der Eltern des Evangelisten Markus. Angeblich hat Jesus auch in diesem Haus mit den zwölf Aposteln das "letzte Abendmahl" gefeiert.


Teil 3

Damaskus
Damaskus ist die Hauptstadt der Arabischen Republik Syrien. Sie wird auch "Die Perle des mittleren Ostens" genannt. Die Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 35 x 40 km.

Die Altstadt von Damaskus, umgeben von einer römischen Mauer, steht seit dem Jahre 1979 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Es gibt acht Stadttore, von denen das älteste "Bab Sharqi" noch auf römische Zeit zurückgeht. Die Altstadt wird von der "Via Recta" der "geraden Straße" geteilt und besticht durch fantastische Bauwerke aus alter Zeit. Wohl das bedeutendste Gebäude ist die Umayyaden-Moschee, ein Bauwerk aus mehreren Epochen. Zu Zeiten der Römer war dort ein Jupitertempel, unter byzantinischer Herrschaft war es eine Kirche und heute ist es eine Moschee. Sehenswert sind der Innenhof mit seinen Nebengebäuden und die 140 Meter lange Gebetshalle. In ihr steht ein Schrein, in welchem sich der Kopf von Johannes dem Täufer befinden soll. Somit ist die Moschee nicht nur für Muslime, sondern auch für Christen ein Heiligtum. In einer anderen Halle steht ein weiterer Schrein. Dieser soll den Kopf Husseins, dem Enkel Mohammeds, enthalten. Dieser Schrein ist ein wichtiges Pilgerziel für Schiiten.

Frauen müssen vor dem Betreten der Moschee einen Kaftan überziehen.

Rund um die Moschee befinden sich die berühmten Suqs der Stadt, vor allem der überdachte Suq "al-Hamidiya". Schade, dass man Gerüche noch nicht konservieren kann. Eine unglaubliche Mischung aus Kräutern, Gewürzen, getrockneten Blumen, handgemachter Seife und Süßigkeiten strömt durch die Luft.

Im Nordosten der Altstadt liegt das Jahrhunderte alte Christenviertel mit vielen alten Kirchen. Die "Ananias-Kirche" wurde der Überlieferung nach im Hause des biblischen Ananias errichtet, wo Paulus sein Augenlicht zurückerhielt. Die Kirche liegt rund sechs Meter tief in der Erde und ist einer der ältesten christlichen Sakralbauten.

Nicht weit entfernt befindet sich die "Kapelle des Heiligen Paulus". Nach der Bibel wurde der Apostel dort von seinen Anhängern in einem Korb von der Stadtmauer herabgelassen, damit er vor seinen Verfolgern fliehen konnte.

Das Nationalmuseum beherbergt eine Ausstellung archäologischer und historischer Funde, u.a. Sammlungen aus Papyren, Statuen, damaszenische Waffen usw.

 

Um Qais - Jerash
In der nordwestlichsten Ecke Jordaniens, über dem Jordantal, liegt das Dorf Um Qais mit den Ruinen des alten Gadara. Die imposanten Überreste lassen die Wichtigkeit dieser Stätte ahnen. Von der Anhöhe, auf der die Ruinen stehen, bietet sich bei klarem Wetter eine herrliche Aussicht auf die Golanhöhen in Syrien, über den See Genezareth nach Israel (über den Jesus einst gewandert sein soll) und in das Jordantal.

Jerash, das antike Gerasa, ist eine der besterhaltendsten spätantiken Stätten des Nahen Ostens und war einst ein bedeutendes Handelszentrum der Römer. Davon zeugen noch heute die sehr gut erhaltenen Bauwerke.

Das bekannteste ist das Forum, eine Art Marktplatz, auf dem sich damals das geschäftliche und gesellschaftliche Leben der Römer abspielte. Es ist oval geformt und wird umrahmt von 56 ionischen Säulen. Am Forum beginnt die 600 m lange Kolonnadenstraße, deren Pflaster noch immer das original antike ist.

Sehenswert sind außerdem das "Nymphäum", der einst zweistöckige Prachtbrunnen der Stadt, der "Artemistempel", das größte Heiligtum der Stadt, das "Theater" mit seiner auch nach 2000 Jahren noch ausgezeichneten Akustik sowie den frühchristlichen Kirchen aus dem 6. Jahrhundert mit wunderschönen Mosaik-Fußböden.


Teil 4

Berg Nebo - Madaba - Kerak
Die Königsstraße führt vom Berg Nebo über die Canyonlandschaft von Dana zu Kreuzritterburgen und der Felsenstadt Petra.

Es gibt Hinweise, dass der Berg Nebo seit frühester Zeit besiedelt war. Moses soll von hier in das "Gelobte Land" geschaut haben. Der Ausblick ist tatsächlich eindrucksvoll, an klaren Tagen reicht er weit über das Jordantal und das Tote Meer bis nach Jerusalem. Auch sein Grab befindet sich, der Legende nach, hier.

Ca. 10 km entfernt vom Berg Nebo, erhebt sich die Stadt Madaba. Sie ist berühmt für ihre Mosaiken, die sich in byzantinischer Zeit zu voller Blüte entwickelten.

In der griechisch-orthodoxen Kirche "St.-Georgs" befindet sich die berühmte "Palästina-Karte". Die um 560 n. Christus aus 2 Millionen Steinen zusammengesetzte Landkarte ist die erste erhaltene geografische Darstellung der Region. Das Bodenmosaik wurde erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Obwohl die 16 mal 6 m große Karte teilweise beschädigt ist, beeindruckt vor allem seine wirklichkeitsnahe Darstellung des Jordans, des Toten Meeres und der Mittelmeerküste. Im Zentrum der Karte steht Jerusalem. Hier sind die Stadtmauern und das Damaskus-Tor gut zu erkennen.

Nach einem ausgiebigen Picknick in freier Natur mit köstlichen Tomaten, Gurken, Bananen, Orangen, Honigmelonen u.v.m., bei einer atemberaubenden Aussicht, führt uns die Königsstraße weiter nach Kerak. Die Stadt wird von der höher gelegenen Kreuzritterburg, aus dem 12. Jahrhundert, beherrscht. Besonders beeindruckend sind die unterirdischen Gewölbe, die noch gut erhalten sind.

Petra
Absoluter Höhepunkt jeder Jordanienreise ist der Besuch der Felsenstadt Petra. Der Sandstein, der in allen Farbschattierungen von Violett, Rot, Rosa, Gelb, Beige und Braun leuchtet, die tiefen Schluchten und Wadis sind an sich schon beeindruckend.

Die verlassene Felsenstadt Petra war in der Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer. Wegen ihrer Grabtempel, deren Monumentalfassaden direkt aus dem Fels gemeißelt wurden, gilt sie als einzigartiges Kulturdenkmal. Im Jahr 1985 wurde Petra in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Etwa 800 historische Baudenkmäler und Opferplätze sind in und um Petra erhalten geblieben. Die Monumente sind geprägt von nabatäischen, griechisch-hellenistischen und römischen Einflüssen. Oft vermischen sich Stilelemente aller drei Kulturen in ein und demselben Bau.

An der Einmündung des "Siq" in den Talkessel steht das wohl berühmteste Bauwerk Petras, das fast 40 Meter hohe und 25 m breite, Schatzhaus des Pharao, "Khazne al-Firaun". Das Bauwerk entstand im 1. Jahrhundert v. Chr. als Grabmal für einen nabatäischen König.

Auf dem Weg zum Zentrum Petras liegt das "Römische Theater" welches auch direkt aus dem Fels gemeißelt wurde und rund 5000 Zuschauern Platz bot.

Nördlich des Theaters erhebt sich die so genannte "Königswand". Auf halber Höhe reihen sich hier mehrere monumentale Grabtempel aneinander, die aufgrund ihrer Größe und Ausschmückung als Königsgräber gedeutet werden.

Gegenüber dem Theater sind, teilweise übereinander, etwa ein Dutzend Königsgräber in den Fels gemeißelt.

Anstrengend, aber lohnend, ist der Aufstieg über 788 Treppen zum Grabtempel "Ed-Deir". Sein Name, auf deutsch "Kloster" geht darauf zurück, dass sich im Mittelalter Mönche darin niederließen. Wenn man nach einer guten Stunde "Ed-Deir" erreicht hat, verschlägt es einem die Sprache. Ein gut erhaltenes Monument, 40 m hoch und 47 m breit ist hier mitten in der Natur in den gelblichen Stein gehauen.

Wem der Weg zu beschwerlich ist, dem bietet sich die Gelegenheit ihn auf dem Rücken eines Pferdes oder Kameles zurückzulegen.

 

Wadi Rum - Wüstental der Beduinen
"Unermeßlich, vom Echo widerhallend, göttlich" - so hat Lawrence von Arabien diese Wüstenlandschaft bezeichnet.

Das Wadi Rum ist ein Wüstental, eingeschlossen von parallelen, sich steil auftürmenden Felswänden aus buntem Sandstein. Eine dieser Felsformationen heißt daher auch "Die sieben Säulen der Weisheit", benannt nach der Autobiografie des T.E. Lawrence.

Eine Fahrt mit dem Jeep durch das Wüstental der Beduinen ist ein besonderes Erlebnis.

Diesen unvergesslichen Tag beschließen wir mit einem köstlichen Abendessen in einer "historischen Karawanserei" in Amman um am nächsten Tag unsere Heimreise nach Deutschland anzutreten.