Reise

Mallorca, Februar 2009

Archivartikel

Mallorca - die Insel mit den vielen Gesichtern
Leserreise vom 16.02. - 23.02.2009

Heidi Wasser

Ende Januar, Anfang Februar erblühen zartrosa die Mandelbäume auf Mallorca, die vielen Zitrusbäume tragen Früchte in hellem Gelb und leuchtendem Orange. Daneben stehen noch blattlos die Feigenbäume und die Olivenbäume mit ihren silbermatten Zweigen. Im sattgrünen Gras unter den Johannisbrotbäumen weiden die Schafe.

Den Südwesen der Insel beherrscht die Hauptstadt Palma mit ihrem Flughafen, Ausgangspunkt der Teilnehmer der Leserreise. Mit ca. 400.000 Einwohnern stellt sie mehr als ein Drittel der Inselbevölkerung.

Von außen wehrhaft-trutzig, krönt das ehemalige Königsschloß "Castell de Bellver" die Stadt. 1309 fertiggestellt, diente es als Residenz Jaumes II.

Der wuchtige Rundbau beherbergt heute ein Museum. Der herrliche Ausblick auf Stadt und Hafen lohnt die Auffahrt. Zentrum Mallorcas quierliger Hauptstadt ist die Kathedrale "La Seu" (Kathedrale des Lichtes). Sie ist die schönste Komposition aus Licht und Stein am Mittelmeer.

Wohin man auch geht in der Stadt der Palmen, von fast überall hat man die Kathedrale fest im Blick. "La Seu", der Bischofssitz und das Wahrzeichen von Palma, erstrahlt bei Tag und bei Nacht. Das Innere des gotischen Baus besticht durch seine hohen Gewölbe, die von arabesken Säulen getragen werden. Vormittags fällt das Licht durch die Rosetten und zaubert bunte Lichtspiele. An die 1236 farbige Glasstücke zählt die größte Fensterrosette der Welt, das "Auge der Gotik".

Verzaubern lassen kann man sich auch vom "Gaudi-Leuchter" über dem Altar und von der Riesenkeramik des Mallorquiners Miquel Barceló "Speisung der 5000" in der Petruskapelle.

Direkt neben der Kathedrale steht der Königspalast "Palau de S'Almudaina", einstiger Alkazar des Emirs, später Residenz der aragonesischen Könige. Heute Militärkommandantur und Sitz des amtierenden Königs Juan Carlos I. wenn er auf Mallorca weilt. Zeichen seiner Anwesenheit ist die königliche Fahne auf dem Palast.

In unmittelbarer Nähe der Kathedrale befinden sich herrliche Stadtpaläste und Jugendstilbauten, u.a. das "Gran Hotel", 1901 - 1903 erbaut und aufwendig restauriert und in eine Kunstgalerie umgewandelt.

Von den vielen Plätzen Palmas ist der schöne, rechteckige "Placa Major", der Hauptplatz in der Oberstadt, umrahmt von gelben Häuserfassaden und Arkadengängen.

Sehr beeindruckend ist die in der Nähe befindliche größte Markthalle der Stadt, "Mercat de L'Olivar" mit allem was das Herz begehrt, frisches Gemüse, knackiges Obst, Kräuter, Käse, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte.

Unterhalb der Kathedrale ragt eine Mole ins Meer, die den Fischerhafen begrenzt. Hier legen auch die Schiffe für die Hafenrundfahrten an.


Teil 2

Sóller - Sa Calobra
Von Palma fährt die elektrische Schmalspurbahn in das 27 km entfernte Städtchen Sóller an der Westküste Mallorcas. Sóller, eine Insel auf der Insel, war das von mächtigen Tausendergipfeln umschlossene Städtchen einst, bis 1912 die heute nostalgische Schmalspurbahn (Ferrocarril de Sóller) aus dem Hause Siemens die bequeme Verbindung nach Palma brachte. Die Fahrt führt durch 13 Tunnel, vorbei an Orangengärten und Mandelbaumplantagen.

Als historisches Vehikel zuckelt eine Straßenbahn weiter zum 5 km entfernten Hafen "Port de Sóller".

Über die Serpentinenstraße wird "Cala Sa Colobra" erreicht, felsengerahmte Mündung des "Torrent de Pareis" (der zweitgrößte Canyon Europas).

Zur Geröllmündung des Wildbaches bei "Sa Calobra" führen 2 Fußgängertunnel.

Die Rückfahrt führt über die Serpentinenstraße mit einer Höhendifferenz von 800 m, vorbei am Wallfahrtsort Lluc.

Formentor mit Port de Pollença
Eine erbauliche Tour in den Norden ist die Fahrt zur Halbinsel Formentor, dem "Finger Mallorcas". Die nördliche Serra de Tramuntana ist nur spärlich besiedelt und mit ihren Steineichenwäldern, den senkrecht aus dem Meer ragenden Felswänden, Ölbaumterrassen und kleinen Bergdörfern bilderbuchschön.

Inca - einst römische Siedlung, nicht weit vom Berg "Puig Major" (1445 m) entfernt, wurde Ende des 19. Jh. eine Lederstadt, die heute noch sehr gut floriert.

Pollença das Landstädtchen im äußersten Norden ist geprägt von einem Gassen-Labyrinth, schmiedeeisernen Toren und verzierten Fensterfronten. Von dem Fischer- und Yachthafen der Bucht von Pollença erstreckt sich die schönste Fußgängerpromenade der Insel. Bekannt ist Pollença auch für seine Osterprozessionen, 365 Stufen führen dort zur Iglesia El Calvario, die sich die Alten des Ortes jeden Karfreitag barfüßig oder auf Knien hinauf quälen.

Von "Port de Pollença" erreicht man, entlang der Steilküste, die Bucht Formentor.

Vom Aussichtspunkt "Es Colomer" auf der Halbinsel Formentor wird ein spektakulärer Ausblick auf die Bucht von Pollença und die zerklüftete Steilküste, die 232 m senkrecht zum Meer abfällt, geboten.

Der berühmte Sandstrand "Cala Pi" am nicht minder berühmten Hotel Formentor ist schmal und lädt zum Baden ein.

Einen Abstecher wert ist auch das Landstädtchen Alcúdia, umrahmt von einer mächtigen mittelalterlichen Stadtmauer. Fest integriert in die Mauer ist die Pfarrkirche Sant Jaume.


Teil 3

Valldemossa und La Granja
Schon die Busfahrt zu dem ganz abgeschiedenen, in den Bergen liegenden, pittoresken Valldemossa, ist ein Erlebnis.

Von Palma komment, verschlägt es einem die Sprache, so zauberhaft präsentiert sich das Bergdorf Valldemossa.

Schmale Häuser auf Steinterrassen mit blühenden Gärten, gekrönt von der Pfarrkirche und dem berühmten Kartäuserkloster, in dem der Komponist Frédérik Chopin und seine Dichtergefährtin, George Sand den Winter 1938/39 verbrachten. George Sand setzte mit ihrem Buch "Ein Winter auf Mallorca" der Insel ein erstes Denkmal.

Im ehemaligen Kartäuserkloster befindet sich das Klavier von Chopin sowie Noten, Bilder und Bücher von ihm. Sehr sehenswert ist die alte Klosterapotheke, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Von den kleinen Blumenterrassen vor den Klosterzellen wird ein grandioser Fernblick geboten.

Teil der Klostergebäude ist auch der ehemaliger Königspalast. Der "Palau de Rei Sanxo" mit kostbaren Möbeln und einem kleinen Konzertsaal in dem Klavierkonzerte von Frédérik Chopin zu genießen sind.

Ein Muss ist das Probieren der Spezialität von Valldemossa, "Cocas de patata" (Kartoffelkrapfen), die es dort in jeder Bäckerei zu kaufen gibt.

Nördlich von Esporles befindet sich das alte Landgut "La Granja". Es liegt inmitten eines fruchtbaren, wasserreichen Gebietes, auf dem bereits die Mauren siedelten und die eindrucksvollen, von Windmühlen betriebenen Bewässerungssysteme bauten und damit die Gegend kultivierten.

Nach der christlichen Rückeroberung der Insel wurde die Granja zuerst den Mönchen übergeben, bevor sie dann im 17. Jh. in einen feudalen Gutshof verwandelt wurde. Die prachtvolle Innenausstattung gibt Aufschluss über den großzügigen Lebensstil mallorquinischen Landadels.

Im Inneren des Haupthauses können wertvolle Möbel und Gemälde bewundert werden. In den anderen Gebäudeteilen liegen die Werkstätten, Käserei, Weinkeller und eine alte Ölpresse.

In einem Gebäuden werden typisch mallorquinische Erzeugnisse zum Kauf angeboten, u.a. Wurst, Käse, Marmeladen und Weine. Nach Lust und Laune kann alles gekostet werden.

Seit den 1970er Jahren ist "La Granja" ein Freilichtmuseum.


Teil 4

Portocristo - Coves del Drac
Die Ostküste Mallorcas ist bekannt für ihre Höhlen und Buchten. Zu den berühmtesten Attraktionen der Insel gehören die nahe bei Portocristo gelegenen Tropfsteinhöhlen, "Coves del Drac" und "Coves del Hams".

Auf dem Weg durch die Tropfsteinhöhle "Coves del Drac" (Gesamtlänge 1700 m), sieht man interessante Kalksteinformationen. Einige der Stalagmiten und Stalakiten treffen sich in der Mitte und bilden Säulen. Am kristallklaren und konstant 20 Grad warmen "Llac Martel" (Martelsee), tief im Höhleninnern, befindet sich ein Auditorium mit Platz für etwa 1100 Besucher. Nachdem die Besucher Platz genommen haben, erlischt die Beleuchtung und auf dem unterirdischen See wird von Musikern in dezent beleuchteten Booten klassische Musik aufgeführt.

Licht und zarte Klänge erhöhen diesen unterirdischen Dom zu einem furiosen Schauspiel, seine natürliche Stille wahrt er nun nur noch nachts.

Leider ist das Fotografieren sowie Filmen in der Höhle nicht erlaubt.

Der kleine Ort Portocristo, östlich von Manacor, war ursprünglich der Hafen von Manacor. Er ist ein ruhiger Fischerort. Der Fischereihafen und der Yachthafen sind sehenswert. Direkt neben dem Hafen befindet sich ein kleiner, gepflegter Sandstrand der zum Baden einlädt.