Reise

Marokko, Oktober 2010

Archivartikel

Marokkos Königsstädte
Leserreise vom 4.10. bis 11.10.2010

Heidi Wasser

Als Königsstädte Marokkos bezeichnet man die vier Städte Fès, Marrakech, Meknès und Rabat. Jede dieser Städte war zu einer bestimmten Zeit in der Geschichte Marokkos die Hauptstadt einer der großen Dynastien des Landes. Die jeweiligen Herrscher bauten ihre Hauptstadt prunkvoll aus, so dass diese Städte heute zu den wichtigsten Attraktionen Marokkos gehören.

Marokko ist ein Land der Gegensätze. Teenager mit Miniröcken fahren gemeinsam mit tief verschleierten Mädchen Mofa und Jungs veranstalten lärmende Mopedwettrennen.

Ausgangspunkt der Leserreise der Fränkischen Nachrichten ist die Stadt Marrakech.

Marrakech
"Allaha akbar"! So lautet der Ruf des Muezzin bei Sonnenaufgang zum ersten von fünf Tagesgebeten. Marrakech erwacht. Menschenmengen drängen nach den rituellen Waschungen in die Ben-Youssef-Moschee.

Der Zauber des Orients nimmt uns gefangen.

Eine Stadt wie ein Märchen: Gassen mit hämmernden Schmieden, der Geruch von Safran, dazu verborgene Paläste. Die Häuser sind alle in Rot-, Rosa- oder Ockertönen gehalten. Marrakech ist die Berbermetropole des Landes.

Zahlreiche Zeugnisse aus alter Zeit lassen sich bewundern: So die "Saadier-Gräber", eines der schönsten Bauwerke der Stadt, der "Bahia-Palast", der um 1900 erbaut wurde und Staatsgästen bis heute als Unterkunft dient. Er ist ein Meisterwerk maurischer Baukunst. Luxus pur.

Das Wahrzeichen Marrakechs ist das Minarett der Koutoubia-Moschee. Hoch über die Medina ragt das Wahrzeichen ca. 70 m empor und ist von fast jedem Platz der Stadt aus sichtbar.

Die Altstadt ist von einer mächtigen zwölf Kilometer langen Mauer aus rotem Lehm umgeben. Die Souks von Marrakech sind die größten des Landes. Besonders bunt ist der Souk der Färber und der Teppichsouk.

Das Herz Marrakechs ist der Platz "Djemaa el Fna". Am Nachmittag verwandelt sich dieser Platz in ein Freilichttheater. Gaukler zeigen ihre Künste, Schlangenbeschwörer betören mit Musik. Berberfrauen malen Henna-Ornamente auf die Haut. Zauberer, Musiker, Tänzer, Affenbändiger, Wunderdoktoren und vieles mehr sind zu bestaunen.

Köche bauen Essensstände auf, Rauchschwaden ziehen über den Platz, der köstliche Duft der Garküchen nach Koriander und Kardamom liegt in der Luft. Aber leider nichts für die empfindlichen Mägen der Europäer. Überall gibt es Pfefferminztee, heiß und süß, der aus Silberkannen in hohem Bogen in kleine Gläser gegossen wird. Schmeckt köstlich und ist erfrischend.

Erholung bieten, außerhalb der Stadtmauer, die Menara-Gärten aus dem 19. Jahrhundert mit Wasserbecken und Palais sowie der riesigen Palmeraie (Dattelpalmenkulturen). Hier treffen sich junge Leute oder Familien zum Picknick.


Teil 2

Beni Mellal - Wasserfälle von Ouzoud Am Rande des Hohen Atlas befinden sich die berühmten Wasserfälle von Ouzoud, die "Cascades d'Ouzoud" in einer wunderschönen Landschaft. Die rund 100 Meter hohen Wasserfälle zählen zu den größten Wasserfällen Marokkos. Sie liegen in der Nähe von Beni Mellal in einer Landschaft gesäumt von Feigenbäumen und herumspringenden Affen. Unser Reiseleiter Hassan lädt uns zu einem vorzüglichen Picknick in freier Natur ein. Wir müssen auf der Hut sein, dass uns die Affen unseren Nachtisch nicht vom Tisch wegschnappen. In Tanant besuchen wir einen riesigen regionalen Bauern-Wochenmarkt. Hier wird alles angeboten, riesige Melonen, Granatäpfel, eben alles was auf den fruchtbaren Feldern wächst.

Fès
Fès, die älteste der Königsstädte und noch heute die Kulturhauptstadt des Landes, blickt auf eine 1000-jährige Geschichte. Sie ist ein Schmelztiegel der Kulturen: Araber, Berber, Juden und muslimische Andalusier haben die alten Viertel mit ihren eigenen Traditionen geprägt. Die Franzosen legten Anfang des 20. Jahrhunderts die Neustadt an.

Der älteste Teil der Stadt ,"Fès el Bali", wurde 1976 zum Weltkulturerbe erklärt. Im Labyrinth der Gassen sind architektonische Schätze versteckt. Hier sind nur Esel als Transportmittel von Waren möglich.

Die Karaouine Moschee, die wichtiste Sehenswürdigkeit der Stadt, hat Platz für 20.000 Menschen und wird von 270 Säulen getragen. Sie gilt als einer der schönsten Bauten Marokkos.

Ein Abstecher lohnt auch zur herrlich ausgestatteten Koranschule "Medersa Attarine", die in ihrer Schönheit an die Alhambra in Granada erinnert.

Durch das Gewirr der Gassen erreicht man das Handwerkerviertel.

In den Souks sind die uralten Handwerkstraditionen der Weber, Silberschmiede und Färber lebendig geblieben. Eine enge, finstere Treppe führt uns auf eine Terrasse über den Dächern von Fes. Hier können wir den Gerbern bei ihrer schweren Arbeit zuzuschauen. Die Häute von Ziegen und Rindern werden von Hand in riesigen Bottichen gegerbt und gefärbt. Die Arbeit mit den ätzenden Laugen ist eine sehr gesundheitsschädliche Arbeit. Die Arbeiter stehen bis zu den Knien in den Bottichen.

Das alte Fès bezaubert durch seinen Flair.

Im neuen Fes "Fes el Djedid" befindet sich der Königspalast und die Mellah, das jüdische Viertel.


Teil 3

Meknès
Vom Place el-Hédim schauen wir auf das schönste Tor des Landes, das "Bab Mansour". Der machtbesessene Sultan Moulay Ismail ließ die Stadt seinem Vorbild Ludwig XIV. nacheifernd, zu einem kleinen Versailles aufbauen. Er ließ die landesweit größten Stallungen für 12.000 Pferde erbauen, besaß 30.000 Sklaven und einen Harem von 500 Frauen. Diese Verschwendungssucht bescherte der Stadt bombastische Bauten. Nach dem Tode Moulay Ismails war es mit dem Glanz vorbei. Der Königssitz wurde nach Fès verlegt. Bei Kämpfen wurden die Palastanlagen von Meknès weitgehend zerstört.

Heute macht die Stadt, mit ihren dicken Mauern umgebene Medina, eher einen beschaulichen Eindruck. Zum Pflichtprogramm gehört ein Besuch des Mausoleums von Moulay Ismail, das unter Mohammed V. restauriert wurde. Leider dürfen Nichtmuslime den eigentlichen Grabraum mit dem Katafalk nicht betreten.

Aus dem fruchtbaren Umland von Meknès kommen die aromatischsten Oliven, vorzügliche Weine und die beste Minze des Landes.

Volubilis - Rabat
Volubilis, die größte römische Ausgrabungsstätte Marokkos, befindet sich am Fuße des Zerhoun-Gebirges. Vor Ort bekommt man einen plastischen Eindruck von der Anlage einer römischen Provinzhauptstadt: Die Reste von Forum, Caracalla-Triumphbogen, Basilika, Thermen und Kapitol sind gut erhalten.

Rabat ist die Hauptstadt des Landes. Von hier aus regiert der König. Der Palast ist der schönste und größte von all seinen Palästen. Am Hauptportal patroulliert die Palastgarde in bodenlangen, weißen Djellabas und in gelben Babuschen, den typischen Pantoffeln.

Das Wahrzeichen Rabats ist der "Hassanturm" der nie vollendet wurde. Nach dem Vorbild der Giralda in Sevilla sollte dieses Minarett mit Pferden bereitbar sein.

Nicht weit vom Turm entfernt befindet sich das Mausoleum von Mohammed V. und Hassan II. Großvater und Vater des jetzigen Königs Mohammed VI.

Das Altstadtviertel "Kasbah Oudaya" thront auf einem Felsen mit einer herrlichen Aussicht. Die Häuser sind ganz in Blau-Weiß gehalten.

Außerhalb der Stadtmauer befindet sich die verfallene "Chellah Nekropole" aus der Römerzeit, die in einen Friedhof umfunktioniert wurde. Heute sind die Ruinen und die Moschee überwuchert von einer üppigen Vegetation. Unzählige Störche haben sich in den Bäumen niedergelassen.


Teil 4

Casablanca - Marrakech
Casablanca, berühmt durch den Kultfilm mit Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart aus dem Jahre 1942 ist heute das wichtigste Handels- und Industriezentrum Marokkos mit dem größten Hafen Nordafrikas und ca. 1,2 Mio Einwohnern die größte Stadt Marokkos.

Die Moschee "Hassan II.", die 1993 am Geburtstag des Propheten Mohammeds eröffnet wurde, ist ein Mammutbauwerk und gilt als Wahrzeichen der Stadt. Sie ist nach der Moschee von Mekka die größte Moschee der Welt. Sie bietet 100.000 Gläubigen Platz. Die Moschee wurde auf den Klippen ins Meer hineingebaut. Der Bau wurde durch Geldspenden ermöglicht, zu denen der Herrscher aufrief. Die Spitze des 200 m hohen Minaretts krönen drei schwere Goldkugeln. Jede Seite des quadratischen Minaretts ist 25 m breit und kunstvoll mit arabischen Ornamenten verziert.

Nach einem Spaziergang entlang der Strandpromenade Casablancas verlassen wir die Stadt mit Ziel Marrakech.

Bevor am nächsten Tag der Rückflug angetreten wird, erleben die Reiseteilnehmer zum krönenden Abschluß am Abend ein Abschiedsdinner mit Musik und Bauchtanz in einem Palast in Marrakech. Ein arabisches Märchen aus 1001 Nacht.

Ma'a s-salama - Auf Wiedersehen!