Rhein-Main-Neckar

Neunter Kongress der Weltmarktführer Drei Tage Wissenstransfer, Erfahrungsaustausch und Inspiration auf höchstem Niveau / Peter Altmeier zu Gast

Der Erfolg braucht Vorbildunternehmer

Schwäbisch Hall/Künzelsau.Drei Tage Wissenstransfer, Erfahrungsaustausch und Inspiration auf höchstem Niveau bekamen die rund 500 Teilnehmer des 9. Kongresses der Weltmarktführer zum Jahresauftakt in Schwäbisch Hall und Künzelsau. Rund 30 nationale und internationale Vordenker aller Branchen lieferten Praxisberichte aus erster Hand und tauschten sich mit den regionalen und überregionalen Wirtschaftsführern auf Augenhöhe aus.

Bessere Vernetzung das Ziel

So wundert es nicht, dass der Initiator der Veranstaltung, der ehemalige Baden-Württembergische Wirtschaftsminister Dr. Walter Döring bereits auf 2020 schaut und für das „Zehnjährige“ etwas ganz Besonderes auf die Beine stellen will. Am Motto wird sich nichts ändern, denn eine bessere Aussage für das bundesweit größte Treffen von tatsächlichen und potentiellen Weltmarktführerunternehmen, Beratern und politischen Entscheidern, als „von den Besten lernen“, gibt es nicht, ist sich Döring ganz sicher.

Mit dem Weltmarktführertreffen will Döring dazu beitragen, dass sich die Hidden Champions des deutschen Mittelstandes noch besser vernetzen und er will zeigen wie man Weltmarktführer wird und bleibt. Behandelt wurden so aktuelle Themen wie „Innovation made in Germany – Best-Practice-Weltmarktführer“, „Next Generation – Führungswechsel zwischen Tradition und Moderne“, „Gesellschaftliche Verantwortung in Zeiten von Digitalisierung“, „Automation und künstliche Intelligenz“ und „The future is wow – Wenn Visionen auf Pioniergeist treffen“.

Künstliche Intelligenz nutzen

Ein Glanzpunkt in der Rednerliste war der Auftritt von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der in den letzten Tagen mit seinen Überlegungen zur Industriestrategie 2030 für Furore sorgte. Auch vor den Wirtschaftsbossen in Schwäbisch Hall versteckte sich der im Saarland geborene CDU-Minister nicht und forderte eine stärkere Fokussierung auf die Wirtschaftspolitik, denn: „Die Menschen und die Unternehmen wollen wissen wohin die Reise geht und wer vorne mitmischen will, kommt um die Nutzung der künstlichen Intelligenz nicht herum, denn sie wird alle Bereiche revolutionieren“.

Gleichzeitig warnte Altmaier aber davor, dass bei zu zögerlichem Handeln die Bundesrepublik zur verlängerten Werkbank internationaler Konzerne wird. Bei all dem dürfe man aber auch nicht die kulturellen Errungenschaften der Vergangenheit über Bord werfen. Jetzt sei es geboten, den Kernfragen für den Wirtschaftsstandort Deutschland auf den Grund zu gehen. Wie soll die Zukunft aussehen? Wie wollen wir es anfangen? Und was soll dabei herauskommen? Dazu sei es nötig zu definieren „wo wir bereits gut sind und wie die Politik den Unternehmen helfen kann“.

An dieser Stelle erinnerte Altmaier an Ludwig Erhard und das Wirtschaftswunder, das auch nicht ohne staatliche Reglementierung stattgefunden hätte. Altmaier stellte unter dem Beifall der Zuhörer aber auch klar, dass er keine staatsgelenkten Unternehmen wolle, denn „der Staat ist ein lausiger Unternehmer“. Gleichwohl sprach er sich für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen durch weniger Steuerbelastung und bezahlbare Energiepreise aus.

Gemeinsame europäische Linie

Ein Festhalten an der freien Marktwirtschaft sei für ihn ebenfalls unabdingbar. Die jüngste Untersagung der Fusion von Alstom und Simens kann der Wirtschaftsminister nicht verstehen. Das Beispiel Airbus habe in der Vergangenheit gezeigt wie erfolgreiche Wirtschaftspolitik auf europäischer Ebene aussehe. Schon alleine deshalb werde er weiter für eine gemeinsame europäische Linie werben. Dazu müsse aber auch ein klares Votum aus der Wirtschaft kommen.

In weiteren Vorträgen wurde beim 9. Kongress der Weltmarktführer auch darüber gesprochen, mit welchen Strategien Firmenchefs sich optimal auf die neuen Entwicklungen zum Beispiel in China oder den USA vorbereiten können, denn ohne den Warenaustausch mit diesen Wirtschaftsmächten, gibt es keine Weltmarktführer.

Unternehmer mit Herz und Mut

Wie in den Vorjahren war einer der Höhepunkt der Veranstaltung die Verleihung des Awards „Unternehmerisches Herz“, eine Initiative der Wirtschaftswoche und der Adolf Würth GmbH & Co. KG. Ausgezeichnet werden mutige und couragierte Unternehmer, die Entscheidungen mit Vorbildfunktion getroffen haben.

Denn einen guten Unternehmer zeichnet nicht nur der wirtschaftliche Erfolg aus, sondern auch mutiges und authentisches Handeln mit der Bereitschaft Risiken einzugehen und gegen Widerstände anzukämpfen.

In diesem Jahr nominierte die Jury das Bielefelder Chemieunternehmen Reckhaus. Seit 1995 führt Dr. Hans-Dietrich Reckhaus das Unternehmen das bisher Insektenvernichtungsmittel herstellte. Künftig will der Firmenchef aber sein Geld vor allem mit der Insektenrettung verdienen und seine Produkte auf Nachhaltigkeit und Ökologie trimmen.

„Zu Beginn hatte ich die ganze Familie und die Belegschaft gegen mich“, so der Firmenchef, „das hat sich jetzt gewandelt“. Würth-Konzernsprecher Robert Friedmann meinte dann auch in seiner Laudatio: „Wir brauchen Vorbilder, die das Unbequeme nicht scheuen, Kritik mutig in Kauf nehmen und keine Angst haben, Profit und Verantwortung in Zusammenhang zu stellen _ Vorbilder mit einem unternehmerischen Herz, die so das Wachstum für eine gute gesunde Zukunft bestimmen“.