Rhein-Main-Neckar

IHK Mainfranken und Heilbronn-Franken Energiegipfel in Würzburg befasste sich mit der "Versorgungssicherheit in Süddeutschland"

"Die Lichter werden nicht ausgehen"

Archivartikel

Die Energiewende soll bezahlbar und nachhaltig sein, und das bei optimaler Versorgungssicherheit: Die Politik hat sich große Ziele gesetzt. Ob sie erreichbar sind, war Thema eines Energiegipfels.

Würzburg. Die Sonne ließ sich nicht blicken an dem Tag, den sich die Industrie- und Handelskammern Heilbronn-Franken und Mainfranken für ihren gemeinsamen Energiegipfel unter dem Motto "Versorgungssicherheit in Süddeutschland" in der Zehntscheune des Juliusspitals in Würzburg ausgesucht hatten. Dabei spielt die Sonne doch neben der Windkraft eine tragende Rolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Und die Zeit drängt, denn 2022 sollen die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen.

Dieter Pfister, Vizepräsident der IHK Würzburg-Schweinfurt, sieht durchaus die Möglichkeit, dass Deutschland in vier Jahren eine Strom-Versorgungslücke drohen könnte.

Steigende Netzentgelte

"Wir brauchen die für den Stromtransport nötigen Leitungen," machte er deutlich und verwies auf die steigenden Netzentgelte, die "die Unternehmen getroffen haben". Deshalb müsse auch die Frage gestellt werden, zu welchem Preis der Strom künftig von den Off-Shore-Windparks im Norden in den Süden der Republik gelange.

Er erhoffte sich von den Referenten des Energiegipfels auch Antworten auf die Frage, ob die Höchstleistungstrasse SuedLink von Brunsbüttel über Grafenrheinfeld nach Großgartach rechtzeitig zum Jahr 2025 in Betrieb gehen kann.

Eine befriedigende Antwort darauf gab es allerdings nicht.

Die Bad Mergentheimer Kurdirektorin Katrin Löbbecke betonte in ihrer Eigenschaft als Vizepräsidentin der IHK-Heilbronn-Franken, dass es beim Ausbau des Stromnetzes keine weiteren Verzögerungen geben dürfe.

An die Unternehmen appellierte sie, bei der Energieeffizienz noch mehr Potenzial auszuschöpfen.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sieht die Versorgungssicherheit nicht in Gefahr. "Aber dafür ist ein Preis zu bezahlen," bekräftigte er. Da alternative Energien nicht immer im benötigten Umfang zur Verfügung stünden, bedürfe es einer Partnerschaft zwischen erneuerbarer und konventioneller Energie. Ohne den Ausbau des Netzes gehe es nicht, denn Speicher-Lösungen im erforderlichen Umfang seien illusorisch.

Kleinteilige Märkte seien "extrem unwirtschaftlich", meinte der Chef der Bundesnetzagentur.

Er verschwieg nicht, dass der Netzausbau teuer wird: "40 Milliarden Euro bis 2025 sind denkbar", so Homann. Das sei viel Geld, und er verstehe auch die Sorge vor weiter steigenden Preisen.

Die Versorgungssicherheit stehe an erster Stelle, denn das Stromnetz sei das Rückgrat der Energiewende, führte Homann weiter aus. Das Jahr 2025 als Termin für die Fertigstellung der Höchstleistungstrasse sei "ehrgeizig", räumte der Referent ein. Klar sprach sich Homann gegen dauerhafte Entschädigungszahlungen für Landwirte aus, auf deren bewirtschafteten Grundstücke Erdkabel verlegt werden.

Der Vorsitzende von Transnet BW, Dr. Werner Götz, sagte, der Umstieg auf Erdverkabelung habe die Akzeptanz bei den Bürgern deutlich erhöht.

Bis 2021 soll das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein, anschließend die rund vierjährige Bauphase beginnen. Großen Wert lege man auf den Dialog mit den Bürgern, sagte Dr. Götz. Seinen Angaben zufolge hätten Untersuchungen ergeben, dass Landwirte keine negativen Auswirkungen auf die Ernteerträge etwa durch Verlustenergie und damit womöglich einhergehende Veränderungen des Mutterbodens befürchten müssten.

Lex Hartmann, Vorsitzender von Tennet TSO, verteidigte den Netzausbau. "Wir brauchen Netze, aber eine dezentrale Struktur braucht noch viel mehr Netze," plädierte er für starke zentrale Versorgungsstrukturen.

Der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung Umweltenergierecht, Thorsten Müller, warf als Rechtswissenschaftler einen Blick auf die Energiewende und bezeichnete die Versorgungssicherheit als "Daueraufgabe". Zugleich war er überzeugt: "Die Lichter werden nicht ausgehen".

Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium Baden-Württemberg, hielt den Leugnern des Klimawandels die sich häufenden Wetterextreme entgegen. Man habe die "richtigen Zielpfade eingeschlagen", um bis zum Jahr 2050 eine weitgehend klimaneutrale Energieversorgung zu haben.

Die Landesregierung stehe voll hinter dem Ausbau der Stromnetze. "Wegen uns muss es nicht länger dauern," bekräftigte der Staatssekretär den Willen, bei der Energiewende - einem "Marathonlauf bergauf" - "Musterknabe" zu sein.

Lob zollte er dem Dialogverfahren bei der Planung von SuedLink. Die Versorgungssicherheit sei für die Wirtschaft "unabdingbar".

Der Staatssekretär sprach sich zwar für "angemessene Entschädigungen" für Landwirte aus, erteilte aber Forderungen nach dauerhaften Entschädigungen eine klare Absage.

Der Staatssekretär im Bayrischen Wirtschafts-Staatsministerium, Franz-Josef Pschierer, forderte mehr Wettbewerb auf dem alternativen Energiesektor und kritisierte garantierte Einspeisevergütungen.

Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit bräuchten höhere Priorität.

Mit den steigenden Energiepreisen könne es so nicht weitergehen.