Rhein-Main-Neckar

Amtsgericht Würzburg 900 000 Euro im Stoffbeutel / 200 000 Euro „Darlehen“ ohne Quittung

Freiheitsstrafe für Betrüger

Würzburg/Schweinfurt.915 000 Euro wollte eine 56-jährige Unternehmers-Gattin angesichts der drohenden Scheidung vor dem Zugriff ihres Mannes retten und im Schließfach einer Bank „parken“. Mit dem Geld in einer Stofftasche saß sie an einem frühen Montagmorgen in Würzburg in einem Café am Dom und wartete darauf, dass die Banken öffnen. Als einer ihrer beiden Begleiter sie bei Kaffee und Hörnchen plötzlich um ein Darlehen in Höhe von 200 000 Euro bat und 12,5 Prozent Zinsen versprach, durfte er sich das Geld aus der Tasche nehmen, zählen, bündeln und einstecken: Ohne Quittung.

Bevor man zur Bank ging, hat die Frau erst noch eine „richtige Tasche“ gekauft, weil ihre Begleiter meinten, mit so viel Geld in einer Stofftasche falle man vielleicht unangenehm auf. Einer ihrer Bodyguards (43 Jahre) wurde jetzt wegen Beihilfe zum Betrug in einem besonders schweren Fall zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Sein mitangeklagter türkischer Landsmann ist nach dem ersten von drei Verhandlungstagen untergetaucht und wird mit Haftbefehl gesucht.

Er hatte der wohlhabenden Frau im Café vorgegaukelt, dass man mit den 200 000 Euro einen Autohandel in Schweinfurt „aufziehen“ wolle, er habe in der Branche Erfahrung und schon Millionen umgesetzt.

Den Mann hatte ihr ein Versicherungsvertreter empfohlen, als sie jemand suchte für die Installation einer Abhöranlage. Es ging dabei ums Materialsammeln gegen den Ehemann. Und der Spezialist fürs Elektrische hat dann, als sie am Wochenende vor dem Geldtransport zuhause auszog, mit dem zweiten Mann beim Umzug Kartons geschleppt.

Wenige Tage nach der formlosen Darlehensgewährung im Dom-Café plagten die Frau jedoch Zweifel: Sie wollte, dass ein Darlehensvertrag bei ihrem Anwalt unterschrieben wird, aber da machten die beiden „Autohändler“ nicht mit. Kurz danach kam die alarmierende Nachricht, dass das Geld nach einer „Fehlinvestition“ weitgehend weg sei.

Schamlos, so das Gericht, sei das Vertrauen einer Frau, die sich zu der Zeit in einer emotionalen Ausnahmesituation befand, ausgenutzt worden. Bei der Strafe habe man aber auch berücksichtigen müssen, dass die Frau es dem Betrüger-Duo sehr leicht gemacht hat. Warum sie überhaupt um einen so hohen Betrag betrogen werden konnte, bleibe ihr Geheimnis, und das sei nicht mehr aufzuklären, denn sie ist inzwischen gestorben.