Rhein-Main-Neckar

Hier hat der Leser das Wort Zum Leserbrief „Auf einen sozialen Verein reduziert“ (FN, 17. September)

„Kirchen erheben moralischen Anspruch“

Archivartikel

Sehr geehrter Herr Pfarrer Zopora,

wenn ich Sie richtig verstanden habe, beklagen Sie unter anderem die unterschiedlichen öffentlichen Wahrnehmungen und Reaktionen auf ein Fehlverhalten hier von Herrn Hoeneß vom FC Bayern und Vertretern der Kirchen (Pfarrer, Bischof und Papst).

Beides ist aber nicht vergleichbar, denn zumindest die christlichen Kirchen erheben im Gegensatz zu weltlichen Organisationen oder Vereinen einen höheren moralischen Anspruch gemäß der Bibel.

Mit Recht darf man deshalb erwarten und hoffen, dass die Vertreter der Kirchen diesem moralischen Anspruch annähernd vorbildlich gerecht werden.

So ist es doch moralisch gesehen ein Unterschied, ob ein Kirchenmann eine Bank ausraubt oder ein unbekannter Ganove.

Das Gleiche gilt auch im Bezug auf die weiterhin aktuellen Missbrauchsfälle und deren schleppende Aufarbeitung.

Wie heißt es doch in der Bibel unter Johannes 2, 1 - 6 : „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen“ – nicht an Ihren Untaten. So wurde das Verkehrsdelikt einer Frau Margot Käßmann in der Öffentlichkeit moralisch viel intensiver wahrgenommen und beurteilt, als es bei Jedermann der Fall gewesen wäre. Damals war das Sprichwort „Wasser predigen, aber Wein trinken“ in aller Munde.

Die Kirchen tragen selbst unter anderem durch die vielen laufend neu ans Tageslicht kommenden Missbrauchsfälle entscheidend dazu bei, dass Gläubige sich von ihre Kirche abwenden und austreten.

Wie wäre es etwa, wenn der so beliebte Papst Franziskus bei seinen Reisen zu den Ärmsten der Armen auch mal gemäß des oben genannten Bibeltextes einen respektablen Geldbetrag mitbringen würde, um die schlimmste Not der Menschen vor Ort zu lindern, als immer nur Barmherzigkeit zu predigen, denn davon wird niemand satt!