Rhein-Main-Neckar

Buch-Tipp Missionsärztin Dr. Gabriele Köthe veröffentlichte Biografie / Begeistert von Land und Leuten in Afrika

„Mit dem Segen Gottes vielen geholfen“

Archivartikel

Würzburg.Es ist ein Kaleidoskop von Geschichten, das Dr. Gabriele Köthe in ihrer Biografie bietet. Ihr Buch „Vom Sambesi zur Goldküste“ enthält rund 120 kurzweilige Kapitel mit Erinnerungen an ihre Arbeit in Afrika. Die Gynäkologin, Jahrgang 1941, hat zwischen 1972 und 2012 in Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, und Ghana für ihre Gemeinschaft der Missionshelferinnen gewirkt.

„Wenn ich zum Beispiel im Heimaturlaub am Kiliani-Tag der Missionare etwas von meiner Tätigkeit und meinen Erlebnissen erzählt habe, dann haben mich die Zuhörer immer wieder ermuntert, die Geschichten aufzuschreiben und sie so für die Nachwelt zu erhalten“, sagt Köthe. Unter anderem Bischof Dr. Friedhelm Hofmann und Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele hätten sie einmal am selben Tag dazu aufgefordert. „Nachdem ich vergangenes Jahr zum vierten Mal eine schwere Lungenentzündung hatte – das Organ ist bei mir durch tagelanges Einatmen eines Insektengifts nachhaltig geschädigt –, bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich mit dem Vorsatz ernst machen muss.“

Begeisterung für den Kontinent

Die Begeisterung für den Kontinent Afrika atmet die Ärztin, die ihren Ruhestand in der Gemeinschaft der Missionshelferinnen neben dem Missionsärztlichen Institut in Würzburg verbringt, aus jeder Pore. „Mich ärgert es immer, dass vielen nur Negatives zum Thema Afrika in den Sinn kommt. Schnell heißt es dann: Bürgerkrieg, Slums, Ausbeutung, Hunger, Aids.“ Das alles gebe es dort. „Mich begeistert aber immer wieder die besondere Gabe der Menschen, die auf dem Schwarzen Kontinent leben.“ Sie hätten eine unbändige Fröhlichkeit, seien dankbar für die kleinen Dinge und besäßen eine außergewöhnliche Leidensfähigkeit. „Ich habe Gottes Schöpfung wie das Meer, den Regenwald mit seinen jahrhundertealten Bäumen, den afrikanischen Busch, die wilden wie die zahmen Tiere sowie die Sonnen- auf- und -untergänge immer wieder in wunderbarer Weise erfahren.“

Diesen und vielen anderen, den meisten unbekannten Aspekten Afrikas widmet sich die 77-jährige Köthe, die in der katholischen Diaspora von Bremerhaven aufwuchs, ausgiebig in ihrem Buch.

Berufungsweg

Nicht weniger interessant sind aber auch die Kapitel, die von ihrem Berufungsweg in das Säkularinstitut der Missionshelferinnen und von ihrem Medizinstudium in Würzburg und Heidelberg berichten. Zentral für ihre Entscheidung, Missionsärztin zu werden, war ein Plakat, berichtet Köthe. „Es zeigte das Bild einer Inderin, die wegen Lepra nur noch Stümpfe statt Hände hatte. Darunter stand: ‚Wer hilft mir?‘ Spontan stieg aus meinem Inneren die Antwort herauf, als wäre sie schon immer da gewesen: Ich helfe Dir!“

Aber auch weniger existenzielle, ausgesprochen lustige Episoden finden sich in dem Buch. Wer hätte gedacht, dass die angehende Ärztin sich in ihrer Würzburger Ausbildungszeit unter anderem länger mit dem Füttern von Schweinen beschäftigte? Oder dass für eine Akademikerin mitunter auch das Backen eines Kuchens eine Herausforderung der besonderen Art darstellt? Selbstverständlich nehmen Schilderungen aus Rhodesien und vor allem Ghana den überwiegenden Teil ein. Nach nur drei Jahren musste Köthe damals nach Deutschland zurückkehren, damit sie innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens ihre Facharztausbildung abschließen konnte. Die Hoffnung, im Anschluss wieder nach Rhodesien im Südosten des Kontinents zurückzukehren, zerschlug sich aber jäh. „Als der dortige Bürgerkrieg 1980 beendet war, lautete das traurige Fazit: 20 000 ermordete Zivilisten, darunter viele afrikanische Christen wegen Kooperation mit den Weißen. Sie wurden unter anderem getötet, weil sie auf Missionsstationen arbeiteten oder heilige Messen besuchten, die von weißen Priestern geleitet wurden“, sagt Köthe.

Weil die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte aus diesem Grund unmöglich war, fand Köthe schließlich ihre Lebensaufgabe im westafrikanischen Ghana, genauer gesagt im Fischerdorf Eikwe. „Von unserem Krankenhaus aus konnte man das Rauschen des Meeres hören.“

Sog auf den Leser

Das Buch entfaltet wegen seiner Vielfalt einen ungeheuren Sog auf den Leser: Mal berichtet es von medizinischen Herausforderungen im Klinikalltag, mal von Erlebnissen bei der Fahrt durch Ghanas Hinterland. Fotos zeigen unter anderem, wie viel die Missionshelferin mit ihren Mitschwestern zwischen 1978 und 2012 bewegt hat: Aus dem aus wenigen Gebäuden bestehenden Hospital mit einfachen afrikanischen Häuschen als Quartier für das Personal entstand ein ansehnlicher Krankenhauscampus. Heute haben alle Angestellten Zimmer mit Strom und fließendem Wasser. Und auch das Krankenhaus wurde deutlich erweitert und modernisiert.

2012 kehrten die Missionshelferin aus Ghana nach Würzburg zurück und übergaben das Hospital in einheimische Hände. Die Gemeinschaft in Deutschland brauchte sie für die Pflege der alten und kranken Schwestern. Köthes Resümee ihres Wirkens auf dem afrikanischen Kontinent fällt genauso bescheiden aus, wie die Ärztin im Gespräch auftritt: „Mit Gottes Segen durfte ich vielen Menschen helfen. Daher habe ich allen Grund, glücklich zu sein und Gott zu danken.“