Rhein-Main-Neckar

Leserbrief Zu „Ein Paradies für Ingenieure“ (FN, 25. November)

„Nutzlose Verschwendung“

Im Bericht „Ein Paradies für Ingenieure“ in den FN wird das umstrittene Bahnprojekt „Stuttgart21“ als „technischer Leckerbissen für Tunnelbauer und Ingenieure“ hingestellt und so der Eindruck erweckt, hier in Stuttgart entstehe nun etwas ganz Großartiges zum Wohle der Stadt und der Allgemeinheit.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine ungeheure und dabei völlig nutzlose Verschwendung vieler Milliarden Euro an Steuergeldern ohne Nutzen für die Bürger und die Stadt, wohl aber zum Vorteil internationaler Baugroßkonzerne. Es soll hier ein gut funktionierender oberirdischer Kopfbahnhof in eine schiefe unterirdische Durchgangshaltestelle umgebaut werden, die aber nur deutlich weniger leisten kann als der heutige Hauptbahnhof. Für S 21 muss die Stadt mit 60 Kilometern Tunneln unterhöhlt werden. Die dabei an den inzwischen etwa hundert Häusern aufgetretenen Setzungsschäden bleiben an den Hausbesitzern hängen; die Bahn weigert sich, diese als Folge der Tunnelbautätigkeiten anzuerkennen und für die Kosten der Schäden aufzukommen. Zur Volksabstimmung im November 2011 wurde damit geworben: „Der Kostendeckel 4,5 Milliarden Euro gilt“. Der Bundesrechnungshof hatte schon vor zwei Jahren 9,8 Milliarden Euro ermittelt. Im März 2011, beim Beginn der S 21-Bauarbeiten, hatte die Bahn eine Liste mit 121 Risiken. Diese ist mittlerweile auf über 1.700 Risiken angewachsen, Die Fertigstellung verzögert sich immer weiter. Ursprünglich sollte S 21 im Dezember 2019 in Betrieb gehen. Der Berliner Großflughafen BER lässt grüßen! Stuttgart21 hat den BER als Skandalbaustelle längst übertroffen.