Rhein-Main-Neckar

Leserbrief Zu „Erster Kelch für Stuttgart 21“ (FN, 22. Oktober)

Risiken im Brandfall

Archivartikel

Die erste von 38 Kelchstützen, die das Dach des Stuttgart-21 Bahnhofs tragen sollen, steht. Was aber nicht steht, ist ein funktionierender Brandschutz. Das momentane Brandschutzkonzept erfüllt nicht die Mindestanforderungen, es wird auf Risiken im Brandfall nicht verzichtet. Ob das Brandschutzkonzept für den Tiefbahnhof und das 60-Kilometer-Tunnelsystem genehmigungsfähig ist, soll erst bei Fertigstellung von Stuttgart-21 entschieden werden. Trotz massiver Bedenken bahnunabhängiger Experten wird weitergebaut. Die jüngste ICE-Brandkatastrophe bei Montabaur sollte den S21-Verantwortlichen eine Warnung sein.

Am Montag sprachen bei der Brandschutz-Informationsveranstaltung im Stuttgarter Rathaus Brandschutzexperten, unter anderem der Gutachter der Tunnelbrandkatastrophe von Kaprun, Hans-Joachim Keim; Hans Heydemann, der nach jahrelangen Recherchen zum Ergebnis kommt, dass der Brandschutz bei S21 nicht genehmigungsfähig ist; Dr. Christoph Engelhardt, der über Brandrisikofaktoren bei S21 und seinen Tunnelbauten, über Richtlinien und den internationalen Vergleich informierte. Dr. Kathrin Grewolls vom Ingenieurbüro für Brandfall Ulm/Chemnitz, stellte eine Simulation der Verrauchung und Evakuierung bei einem S21- Tunnelbrand vor.

Geladene Fachleute wie Dr. Frank Knödler, Leiter der Stuttgarter Feuerwehr, und Klaus-Jürgen Bieger, Brandschutzbeauftragter der DB, die eine Stellungnahme zur Kritik am Brandschutzkonzept geben sollten, erschienen nicht. Auch blieben Oberbürgermeister und Stadträte der Veranstaltung fern.

Kann es sein, dass die Nichterschienenen nicht erscheinen durften?