Rhein-Main-Neckar

Leserbrief Zu „Rheinpromenade wird Kohl-Ufer“ (FN, 16. März)

Unüberlegt oder Schnellschuss?

Archivartikel

Unlängst hatten die FN auf der Titelseite, links oben, einen Knaller: Rheinpromenade wird Kohl-Ufer. Der Stadtrat von Speyer will die Änderung, 25 Räte haben dies bestimmt. Gab es im Gremium des Stadtrats keine Gegenstimmen oder Enthaltungen? Die Verdienste von Helmut Kohl sollen durch diese Maßnahme betont werden. Ich bin mir sicher, dass der lebende Helmut Kohl diese Ehrung abgelehnt hätte. Auf diese Ebene wäre er nicht eingestiegen. Ein Ufer hat nicht die Bedeutung einer Promenade oder, wie in dem Bericht erwähnt, einer „Flaniermeile“. Es gibt ein Bach- oder Flussbett. Die Begrenzung der Gewässer bildet das Ufer. Eine Promenade ist ein übergeordnetes Ufer an besonders schönen Punkten eines Gewässers, das viele Menschen anzieht – also schon ein gesellschaftlicher Mittelpunkt, man flaniert, nicht zuletzt auch romantische Liebespaare usw.

An diesen Promenaden wird wohl das Thema Politik keine große Rolle spielen – wer sich dort in den Vordergrund drängt, wo sich die Natur von der schönsten Seite zeigt, wird keine Lorbeeren ernten.

Kanzler Kohl war auch kein Speyrer Bürger. Ludwigshafen ist doch seine Heimat gewesen, dann Oggersheim – zwingend ist dieser Beschluss des Stadtrates von Speyer also nicht. Ich selbst kenne diesen Teil der Bundesrepublik nicht, wie schön oder unschön die Natur dort sich den Blicken stellt, dem Lebensraum der Bürger zum Wohlbefinden – oder auch nicht. Eines ist absolut sicher – im Zeitalter einer „Globalisierung und Digitalisierung“, benötigt der Mensch Refugien, wo er noch „die Seele baumeln“ lassen kann.