Rosenberg

Gesangverein Rosenberg 1858 Chor feiert am Samstag das 160-Jahr-Jubiläum / In frühen Jahren wurde der Chorleiter mit Naturalien bezahlt

Aus der Gemeinde nicht wegzudenken

Der Gesangverein 1858 Rosenberg begeht mit einer Feierstunde am Samstagabend seinen 160. Geburtstag – Grund für einen Blick in die Chronik.

Rosenberg. Vor 160 Jahren war Philipp Geiger Bürgermeister in Rosenberg. In seiner Amtszeit trafen sich Bürger des Orts und beschlossen, einen Männergesangverein zu gründen. Keines der damaligen Gründungsmitglieder konnte vorhersehen, auf welch lange Tradition der Verein zurückblicken würde.

Da keine schriftlichen Aufzeichnungen aus den Anfängen vorhanden sind, muss man sich auf mündliche Überlieferungen berufen. So ist bekannt, dass in den Singstunden damals viel Wert auf Disziplin gelegt wurde. Fehlte ein Sänger unentschuldigt, musste er mehrere Pfund Weizen oder Roggen abliefern. Damit wurden dann Weißbrotessen arrangiert. Der Roggen wurde geröstet und daraus Ersatzkaffee gebrüht, der unter anderem bei geselligen Stunden getrunken wurde. Auch der Chorleiter wurde bis etwa 1910 mit Naturalien oder Feuerholz entlohnt.

Geselligkeit wird im Verein bis heute gepflegt, wobei der Ersatzkaffee von damals sicher kein Stimmungsgarant mehr wäre.

In den ersten Jahren bestand der Chor aus etwa 20 aktiven Sängern. Sie waren am 9. Juli 1876 Teilnehmer bei der Fahnenweihe des Gesangvereins „Frohsinn“ Sindolsheim. Dabei wurde der Grundstein gelegt für die Gründung eines lokalen Sängerbundes. Geistiger Vater war der in Sindolsheim lebende Pfarrer Gustav Maier. Die Gründung des „Bauländer-Taubergründer Sängerbundes“ wurde kurz darauf in Osterburken von 30 Gesangvereinen vollzogen.

Fahne wurde 1910 angeschafft

Die finanzielle Lage des Gesangvereins Rosenberg war sehr schlecht. Es existiert noch ein Vereinsbuch von 1910, das von Josef Kaiser angelegt wurde. Darin wird vermerkt, dass der Verein von 1910 bis 1913 aus 37 aktiven und 75 passiven Mitgliedern bestand. Eine Vereinsfahne wurde angeschafft, am 5. Juli 1910 geweiht und ist heute noch vorhanden. Chorleiter war damals Lehrer Theodor Ziegler, Vorstand Maurermeister Franz Geier. Im April 1915 wurden die Aufzeichnungen durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen und erst 1920 fortgeführt.

Bis 1937 führte Schreinermeister Josef Kaiser das Kassenbuch. Karl Albrecht beendete die Eintragungen am 4. April 1940. Singen im Chor war nicht mehr möglich, da alle wehrfähigen Männer zum Kriegsdienst einberufen worden waren.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Heinrich Gerner Vorstand. Am 14. Oktober 1949 wurde auf seine Initiative der Gesangverein neu ins Leben gerufen. Vorsitzender wurde Karl Müller, Chorleiter wurde Hauptlehrer Reinhard, der bis 1952 im Amt blieb. Am 4 Juni 1950 trat der Männerchor im „Löwen“-Saal öffentlich auf. An diesem Abend wurden 50 neue passive Mitglieder geworben.

Ab 1955 war Oswald Haas Vorstand, wollte sich aber 1956 in der Generalversammlung im „Ochsen“ nicht zur Wiederwahl stellen. Da kam zufällig sein Bruder David in die Versammlung, und nach kurzer Diskussion wurde er zum neuen Vorstand gewählt, obwohl er kein Mitglied war. Dieses Amt bekleidete er nahezu 38 Jahre lang bis zu seinem Tod am 11. Dezember 1993. David Haas war zudem Vorsitzender der Sängergruppe 1 sowie des Sängerkreises Badisch Franken. Von 1952 bis 1954 war Lehrer Kleinfelder Dirigent. Gustav Lauer übernahm von 1955 bis 1957. Ab diesem Jahr bis 1962 leitete Felix Epp den Chor.

Im Juni 1958 wurde das 100-Jahr-Jubiläum gefeiert. Da die Fahne von 1910 nicht mehr zu öffentlichen Auftritten präsentiert werden konnte, wurde eine neue angeschafft, mit der Aufschrift „Rein im Lied, wahr im Wort, treu der Heimat immerfort“. Sie wurde während des Sängerfests geweiht. 25 Gesangvereine mit etwa 1000 Sängern und drei Kapellen beteiligten sich am Festzug durch Rosenberg. Von 1962 bis 1964 war Bruno Wegert Chorleiter. 1964 wurde dem Verein durch Landrat Schmerbeck im „Löwen“-Saal die Zelter-Plakette verliehen. Von 1965 bis 1975 war Rudi Weber Dirigent.

Gemischter Chor kam in den Blick

In den 60er Jahren sank die Zahl der Aktiven so dramatisch, dass Singen im Chor kaum möglich war. Im Oktober 1965 wurde deshalb bei einer Vorstandssitzung im Café „Arnold“ über einen gemischten Chor diskutiert. Die Gründungsversammlung erfolgte am 28. Oktober 1965. Nach dem Zusammenschluss wurde der Verein in „Gesangverein 1858 Rosenberg“ umbenannt. Mit 40 aktiven Sängerinnen und Sängern war der Verein wieder gut aufgestellt.

800 Sänger beim Jubiläumsumzug

Von 1977 bis 1988 war Ottmar Hettinger Chorleiter. In diese Zeit fällt das 125-Jahr-Jubiläum 1983. Der Festakt war im festlich geschmückten Saal im „Löwen“. Bei herrlichem Sommerwetter bewegte sich ein großer Festzug aus 24 Vereinen mit 800 Sängerinnen und Sängern sowie vier Kapellen durch Rosenberg zum Festplatz.

In den Jahren 1969 bis 1987 wurde alle zwei Jahre zu Weihnachten ein Theaterstück im „Löwen“-Saal aufgeführt und die Bevölkerung mit Weihnachtsliedern erfreut. Von 1979 bis 1993 war Peter Tümmler Dirigent. 1986 fand der Gesangverein ein schönes Domizil in der neu erbauten Sporthalle. Bis heute hält der Verein seine wöchentlichen Probestunden dort ab und ist der Gemeinde Rosenberg sehr dankbar dafür. Nach dem plötzlichen Tod von Vorstand David Haas führte der damalige zweite Vorstand Willi Volk den Verein von 1994 bis 2004. Seit 1994 und bis zum heutigen Tag leitet Dirigent Volker Graseck den Chor.

Bei der Generalversammlung 2005 konnte sich Vorstand Willi Volk aus gesundheitlichen Gründen einer Wiederwahl nicht mehr stellen. Eugen Schweizer wurde zum Vorsitzenden und bekleidet dieses Amt noch sehr erfolgreich bis zum heutigen Tag. Der Gesangverein 1858 Rosenberg feierte das 150-jährige Bestehen mit einem Festgottesdienst am 6. April 2008 und einem Sängerfest in der Sindolsheimer Sporthalle am 19. April. Zu diesem Jubiläum wurde dem Verein die „Conradin Kreuzertafel mit Urkunde“ verliehen. Im Jahr 2016 wurde mit einem Festabend das 50-Jahr-Jubiläum des „Gemischten Chores“ gefeiert.

Der Verein, der älteste in der Gemeinde und ein bedeutender Kulturträger, ist aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken. Er begleitet öffentliche Anlässe wie Gottesdienste, Adventskonzerte, Weihnachtsmärkte, feierliche Gedenken zum Volkstrauertag, Sportfestgottesdienste, aber auch private Feste wie Goldene Hochzeiten, Geburtstage und Trauerfeiern.

Aktuell gehören dem Verein 27 aktive Sänger sowie 36 passive Mitglieder an. Trotz Nachwuchssorgen, wie sie viele andere Vereine auch haben, will man zuversichtlich in die Zukunft blicken und sich weiter den Aufgaben stellen.