Rosenberg

Beim Festabend des „Sängerbundes“ Auf die Festrede der Vorsitzenden Gerda Herrmann folgte ein Rückblick von Ortsvorsteher Martin Herrmann / Ehrungen / Conradin-Kreutzer-Tafel überreicht

„Für den Verein ist das ein historischer Augenblick“

Archivartikel

Hirschlanden.Im Mittelpunkt des Festabends des „Sängerbundes“ Hirschlanden standen neben der Überreichung der Conradin-Kreutzer-Tafel durch Landrat Dr. Achim Brötel Ehrungen langjähriger Mitglieder durch den Verein sowie den Sängerbund Badisch-Franken.

Vorsitzende Gerda Herrmann ging in ihrer Festrede auf die Gründung des Vereins ein. Am 18. August 1868 trafen sich 18 Männer, um junge Leute zur Aufführung von vierstimmigen Liedern in öffentlichen Lokalen auszubilden.

Der erste Vorsitzende war Karl Bechhold, der auch als Dirigent fungierte. Um 1900 spaltete sich der Verein aus unbekannten Gründen auf, so dass Hirschlanden eine Zeit lang zwei Männerchöre besaß – und nach dem 1909 gegründeten Turnverein sogar drei, denn ihm wurde eine Gesangsabteilung abgegliedert.

Zur Zeit der beiden Weltkriege ist wenig dokumentiert. Wiederbeginn war 1948, wo sich im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ 33 sangesfrohe Männer trafen, darunter Eugen Beck, Karl Gehrig und Walter Beck, die am Jubiläumsabend anwesend waren. Ein Sängerfest dokumentierte den Neustart.

1974 öffnete sich der damalige Männerchor für Frauen, was ein wichtiger Schritt gewesen ist. Ein großer Höhepunkt in der Geschichte des Vereins war die Feier zum 100-jährigen Bestehen 1975. Lothar Beck leitete den Verein von 1995 bis 2017. In seiner langen Amtszeit wurde 1999 der Kinderchor gegründet.

Dirigentin Annemarie Moser leitet den Chor seit 1996. „Der Verein lebt von Kontinuität und Engagement“, sagte die Vorsitzende. In der wechselvollen Geschichte mussten auch Höhen und Tiefen gemeistert werden.

2003 wurde das 135-jährige Bestehen gefeiert. Trotz aller Tradition und liebgewonnener Gewohnheiten fordert der strukturelle und gesellschaftliche Wandel auch vom Sängerbund veränderte Ansätze. Sie freue sich als Vorsitzende, gemeinsam mit dem Vorstandsteam und den Chormitgliedern, die weitere Zukunft des Vereins zu gestalten. „Hirschlanden hat mit den errungenen Erfolgen in den letzten Jahren viel erreicht, auch deshalb, weil man sich engagiert und zusammenhält.“

Den zweiten Teil der Festrede bestritt Ortsvorsteher Martin Herrmann: „Wenn man ein solch großes Jubiläum feiert, dann sollte man auch in die Vergangenheit des Dorfes schauen, um die Zusammenhänge zu verstehen. 1868 war Hirschlanden ein kleines Dorf mit 465 Einwohnern. Der Haupterwerb war die Landwirtschaft mit einem kargen Einkommen. Es gab zudem viele Handwerksbetriebe und Kolonialwarengeschäfte. Wegen Hunger und mangelnder Perspektiven wagten immer mehr Bewohner die Auswanderung nach Amerika. Die Menschen in der Region setzten um 1860 die ganze Hoffnung auf den Bau von Eisenbahnlinien, denn die Anbindung an den Schienenverkehr wurde geradezu als Allheilmittel für alle bestehenden Probleme angesehen. Der seit 1847 geplante Bau der Eisenbahnlinie nach Würzburg wurde deshalb euphorisch herbeigesehnt. Aber es gab auch heftigen Widerstand.

Nach dem zweiten Weltkrieg entstand eine entbehrungsreiche Zeit. Die nach Hirschlanden gekommenen Heimatvertriebenen wurden die größten Aktivposten im Dorfleben. Der Bau der Bahn veränderte das Leben in Hirschlanden nachhaltig zum Besseren, denn aus dem verschlafenen Bauerndorf wurde ein Eisenbahner-Ort. Nach dem 1948 erfolgten Wirtschaftswunder ging es aufwärts und die Menschen blickten mit großer Zuversicht in die Zukunft. Trotzdem hat damals sicher noch niemand geahnt, dass der Sängerbund 70 Jahre später sein 150-jähriges Bestehen feiern könne“, sagte der Ortsvorsteher.

Landrat Dr. Achim Brötel ging in seiner Ansprache nicht nur auf die Bedeutung der Conradin-Kreutzer- Tafel ein, sondern auch auf die Besonderheiten des Dorfes.

Der „Sängerbund“ sei ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die Gesangvereine, gerade auch in Hirschlanden, schon längst ein unverzichtbarer Begleiter durch den gesamten Jahreslauf geworden sind – und zu einem wichtiger Teil der Lebensqualität im ländlichen Raum beitragen. „Der Erfolg des Vereins ist ein Resultat einer hervorragenden Arbeit vor Ort, wobei ein besonderer Dank auch Dirigentin Annemarie Moser für ihre Leistung und Engagement galt“, so Dr. Brötel.

An die Vorsitzende Gerda Herrmann überreichte er die Conradin-Kreutzer-Tafel, die sich der „Sängerbund“ nicht nur wegen seines 150-jährigen Bestehens, sondern auch durch ihre künstlerische Arbeit, volksbildende und kulturelle Verdienste um die Pflege der Laienmusik erworben hat. „Für den Verein ist dies ein historischer Augenblick.“

Im Namen des Landkreises gratulierte der Landrat zu dieser „hoch verdienten Auszeichnung“, die auch den Ansporn und Verpflichtung sein solle, das, was die Vorfahren begonnen haben, weiterzutragen und vor allem ständig weiterzuentwickeln.

Grußworte

Die Grüße der evangelischen Kirchengemeinde – und stellvertretend für die politische Gemeinde – überbrachte Dekan Rüdiger Krauth. Glückwünsche zum Jubiläum überbrachte auch die Bundeschorleiterin Brigitta Meuser. Mit Offenheit solle der Verein zukünftige Veränderungen vor- und annehmen, wozu sie viel Glück und Erfolg wünschte. F