Seckach

Solarpark-Vorhaben in Seckach Vier Projekte mit insgesamt 30 Hektar Fläche und einer Nennleistung von knapp 14 Megawatt könnten in den nächsten Jahren entstehen

„Die Initiative ist von unten gekommen“

Archivartikel

Um Freiflächen-Photovoltaikanlagen wird viel gestritten, weil sie landwirtschaftliche Areale verbrauchen. Nicht so in Seckach: Gegen die anstehenden Vorhaben gibt es keinen Widerstand.

Seckach. Schritt für Schritt und frei von jeglichem „Lärm“ kommen gleich vier große Projekte aus dem Bereich „Erneuerbare Energien“ in Seckach voran. In der Gemeinde, die beim Thema „Erneuerbare“ durch frühe Windkraftanlagen und das Nahwärmenetz in Großeicholzheim schon länger die Nase vorn hat, können ab diesem Jahr vier großflächige Freiflächen-Solaranlagen entstehen.

Im Dezember 2018 fielen die einhelligen Gemeinderatsbeschlüsse über die vorhabenbezogenen Bebauungspläne und Durchführungsverträge für die drei Solarparks „Krumme Fürch“, „Hohler Stein/Speckengrund“ sowie „Roter Markstein/Hirschboden“. Im Januar folgte die Freigabe für die frühzeitige Beteiligung der Behörden und der Öffentlichkeit für den Solarpark „Winterberg“.

Für Bürgermeister Thomas Ludwig sind bei dem Thema zwei Dinge wichtig: Die Initiative für die erneuerbaren Energien, in dem Fall für die Solarparks, muss „von unten“ kommen, erklärte er in einem Gespräch mit den FN. Und so war das auch in den aktuellen Fällen.

Das lief so: In einer Zeitschrift für Landwirte hatten die Investoren eine Annonce geschaltet, in der sie ein passendes Gelände suchten. Die Seckacher Grundstückbesitzer meldeten sich, und so kamen die beiden Seiten zusammen. Die Investoren schauten sich das Gelände an und dann klopfte man gemeinsam bei der Gemeinde an.

Zusätzliches Einkommen

Der zweite ausschlaggebende Aspekt für Ludwig: Solarparks sollen den Bauern ihr Land nicht wegnehmen. Denn inzwischen stehen Landwirtschaft und Energiewirtschaft in Konkurrenz um Flächen. Doch auch das sei in den vorliegenden Fällen kein Problem: „Die beteiligten Eigentümer sind der Landwirtschaft verpflichtet, können davon alleine aber nicht mehr existieren. Sie suchen nach einem zusätzlichen Einkommen.“ Und da bietet sich die Verpachtung der Flächen an die Solar-Investoren an.

Für die ausgewählten Areale spricht für den Bürgermeister auch, dass die Photovoltaikanlagen an den geplanten Stellen „eigentlich niemanden stören.“ Grundsätzlich ist es nur sehr eingeschränkt möglich, Flächen für Solaranlagen zu nutzen, so Ludwig. Ausnahmen nach dem „Erneuerbare Energien Gesetz“ bilden beispielsweise Flächen an der Bahn, und zwar auf einer Tiefe von 110 Meter.

Das trifft auf die beiden Solarparks „Krumme Fürch“ und „Hohler Stein/Speckengrund“ zu. In beiden Fällen ist die Firma Anumar aus Ingolstadt der potenzielle Bauherr.

Autofahrer, die von Seckach aus in Richtung Großeicholzheim unterwegs sind, können kurz nach dem Unterqueren der Bahnlinie auf der nordöstlichen Seite, also rechts von der Landesstraße 583, noch vor der Abfahrt zur Hagenmühle kurz einen Blick auf das 3,57 Hektar große Areal des künftigen Solarparks „Krumme Fürch“ werfen. 750 kWp Nennleistung soll der dort geplante Solarpark liefern.

Links der L 583, kurz nach der Bahnbrücke, also südwestlich der Straße, wird eine weitere Sonderbaufläche von knapp zwei Hektar für den Solarpark „Hohler Stein/Speckengrund“ mit knapp zwei Hektar ausgewiesen. Seine Leistung wird mit ebenfalls 750 kWp beziffert.

„Benachteiligte“ Areale

Im Fall des Areals „Roter Markstein/Hirschboden“ greift eine andere Ausnahme des EEG: Hier können sich die Initiatoren darauf berufen, dass es sich um ein „landwirtschaftlich benachteiligtes Gebiet“ handelt. In solchen Bereichen ist großflächige Photovoltaik ebenfalls möglich.

In dieses abgelegene Areal zwischen der Gemeindeverbindungsstraße nach Oberschefflenz und dem Waidachswald verirren sich sicher nur selten Wanderer oder Radler, der „normale“ Autofahrer kommt dort kaum einmal vorbei.

Die Fläche umfasst rund 12,5 Hektar (voraussichtliche Nennleistung fünf MWp). Investoren sind dort die „Energiebauern“ aus Sielenbach. Um die Projekte realisieren zu können, musste eine Änderung der Fortschreibung der Flächennutzungsplanung auf den Weg gebracht und beschlossen werden. Die Details regeln die im Dezember beschlossenen „vorhabenbezogenen Bebauungspläne“. Und diese Pläne beziehen sich ausschließlich auf die geplanten Vorhaben dieses Investors. Steigt er aus, „stirbt“ das Vorhaben. Die Kosten der Verfahren tragen die Investoren.

Die weiteren Details, darunter auch die Frage der Zufahrten oder des Rückbaus regeln die Durchführungsverträge. Außerdem gilt: Sobald die Bebauungspläne beschlossen sind, ist die Gemeinde „raus“, denn sie ist nur für den öffentlich-rechtlichen Teil zuständig. Danach sind die Grundstückseigentümer und der Investor wieder am Zug.

Das vierte und jüngste Vorhaben soll auf einem Areal mit dem bezeichnenden Namen „Winterberg“ in der Nähe des Waidachshofs entstehen und gehört teils zur Gemarkung Seckach, teils zu Zimmern.

Auch dort haben sich Grundbesitzer aus der Landwirtschaft zusammengetan, um eine wirtschaftlich sinnvolle Fläche von rund zwölf Hektar zu erhalten. Potenzieller Investor ist die Firma Juwi aus Wörrstadt bei Mainz. Auch dieses Vorhaben ist nach dem Gemeinderatsbeschluss des vergangenen Jahres bereits in der jüngsten Fortschreibung der Flächennutzungsplanung berücksichtigt. Die im Rahmen der Anhörung eingegangenen Anregungen werden jetzt gerade von der Verwaltung abgearbeitet, so Bürgermeister Thomas Ludwig, und dann im Herbst behandelt, wenn sich der nach der Kommunalwahl neue Gemeinderat konstituiert hat.

Realisierung ab 2019 möglich

„Wenn nichts mehr dazwischenkommt“, so Thomas Ludwig, können die drei Vorhaben „Krumme Fürch“, „Hohler Stein“/ „Speckengrund“ und „Roter Markstein“/ „Hirschboden“ ab diesem Jahr realisiert werden. Wenn die drei insgesamt 18 Hektar umfassenden Solarparks am Netz sind, dann werden sie rund 6,5 Megawatt in das Netz einspeisen – zusätzlich zu den vier Megawatt der Biogasanlage und den je drei Megawatt der Windräder. Wird der „Winterberg“ ebenfalls realisiert, kann man weitere 7,3 MWp Nennleistung dazurechnen. Energieautark wird Seckach dadurch nicht – das ist die Gemeinde schon lange.