Seckach

Kreisbauernverband zog Bilanz Managementplan für FFH-Gebiete erläutert / Vortrag über Pflanzenschutz

„Dürrehilfe ist nicht in Betrieben angekommen“

Archivartikel

Seckach.Auf ein abwechslungsreiches aber auch arbeitsintensives Geschäftsjahr blickte Albert Gramling in seiner Funktion als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes im Neckar-Odenwald-Kreis nach seinem ersten Amtsjahr zurück.

Brisante Situation

Wie brisant es derzeit in der gesamten Landwirtschaft zugeht, dokumentierte der Verlauf der Jahreshauptversammlung in der Seckachtalhalle und hier insbesondere die Inhalte der Redebeiträge.

Weniger die anstehenden Wahlen im Mai, als vielmehr die Anerkennung der Leistungen des Bauernverbandes und dessen engagierter Mitglieder dürften den Anlass gegeben haben, dass zahlreiche Ehrengäste mit ihrer Anwesenheit die Verbundenheit mit der Landwirtschaft dokumentierten.

So waren neben Bürgermeister Thomas Ludwig als Hausherr und MdB sowie stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, Alois Gerig, auch Landrat Dr. Achim Brötel, die zuständigen Referatsleiter im Landratsamt sowie Vertreter der dem Verband geschäftlich nahe stehenden Organisationen und Betriebe der Einladung gefolgt. Erstmals präsentierten sich mit Abteilungspräsident Landwirtschaft im Regierungspräsidium Karlsruhe, Dr. Ulrich Roßwag, und von der gleichen Behörde Dr. Andreas Maier als Referent für pflanzliche und tierische Erzeugung gleich zwei hochkarätige Redner den zahlreichen Verbandsmitgliedern.

Ein besonderer Dank des Vorsitzenden galt dem CDU-Ortsverband Seckach unter der Leitung von Familie Bender für die Bewirtung und den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle mit Geschäftsführer Andreas Sigmund an der Spitze für ihren tatkräftigen Einsatz im Interesse der Mitglieder und der heimischen Landwirtschaft.

„Wir kämpfen unvermindert für eine Verbesserung der aktuellen Situation in der Landwirtschaft und auch dafür, dass nicht noch mehr Landwirte ihre Betriebe aufgeben müssen“, betonte Albert Gramling. Gleichzeitig erinnerte er an die Informationsveranstaltung mit MdL und Minister Peter Hauk zum Thema „Gewässerrandstreifen“ mit dem Erfolg, dass zur Einsaat einer Begrünung eine flache Bodenbearbeitung erfolgen darf. Kritik übte der Kreisvorsitzende unter Zustimmung der Mitglieder daran, dass die zugesagte Dürrehilfe nach der Trockenheit im letzten Jahr in den meisten Fällen noch nicht bei den Betrieben angekommen sei und die Antragstellung einen zu hohen bürokratischen Aufwand darstelle.

Resümiert wurden weiter die Themen über die Blauzungenkrankheit, Verlust von Wirkstoffen im Pflanzenschutz, Biberschäden, Grundsteuerreform und das Wolfsproblem. Erst nachdem der Schlachthofbetreiber in Schefflenz die Schließung des Betriebes mit Kündigung der Angestellten angedroht hatte, nahm das Wirtschaftsministerium das zuvor angeordnete Sonntagschlachtverbot wieder zurück, so dass auch weiterhin im Schlachthof Schefflenz an Sonntagabenden geschlachtet werden darf.

Wie Albert Gramling weiter ausführte, sei dies mit ein Verdienst von MdB Alois Gerig, Landrat Dr. Brötel, Vorstandsmitglied Udo Holder und des Kreisbauernverbandes gewesen. Gleiches gelte dafür, dass die Einführung der Maut für landwirtschaftliche Fahrzeuge erfolgreich abgewendet wurde.

Unter der Mitwirkung des Kreisbauernverbandes konnte der Neckar-Odenwald-Kreis auf dem Hauptfest des Cannstatter Wasen die Auszeichnung als Bio-Musterregion erhalten. In den Grußworten von Bürgermeister Thomas Ludwig und Landrat Dr. Achim Brötel wurde, auch im Hinblick auf die noch ausstehenden Dürrehilfen, gefordert: „Weniger Bevormundung durch den Staat, deutlich weniger Bürokratie, dafür aber endlich wieder deutlich mehr Vertrauen aus der Bevölkerung.“ Dr. Brötel: „Wir sehen eine Chance, die Wertschöpfung ohne Druck auf den Pachtmarkt zu erhöhen, den Strukturwandel zu verlangsamen und den Verbrauchern regionale Bioprodukte mit geringen Transportwegen und nachvollziehbarer Herkunft anzubieten. Sowohl konventionelle als auch ökologische Landwirtschaft können sich ideal mit Respekt ergänzen.“

Thomas Ludwig: „Eine hoch entwickelte Wohlstandsgesellschaft hat nun eben auch einmal Ansprüche. Deswegen tut ein ausgewogener Umgang mit unserer Kulturlandschaft Not und dazu gehören neben Schutzgebieten für Flora und Fauna eben auch Flächenzuschnitte, die der Landwirtschaft ein auskömmliches Arbeiten ermöglichen.“

Berufsstand gewürdigt

Beide Redner brachten ihre Hochachtung gegenüber dem bäuerlichen Berufsstand zum Ausdruck und bezeichneten diesen als Pfleger, Gestalter und Bewahrer der Kulturlandschaft. Geschäftsführer Andreas Sigmund erläuterte unter anderem den Managementplan für FFH-Gebiete, die Einrichtung einer Futterbörse, die Borkenkäferplage, die Biberschäden und den immer noch nicht aufgefüllten Grundwasserstand. Derzeit tragen 1126 Mitglieder den Kreisbauernverband, davon 400 ohne Fläche.

Nachdem er über einen geordneten und zufrieden stellenden Kassenstand berichtet hatte und die Revisoren Wilfried Gruppenbacher und Roland Pföhler keine Beanstandungen zu vermelden hatten, erteilten die Mitglieder dem gesamten Vorstand einstimmig Entlastung. Dr. Ulrich Roßwag vom RP-Karlsruhe ging in seinen Ausführungen auf die Probleme bei den Auszahlungen der Dürrehilfen ein und betonte, dass allein im Neckar-Odenwald-Kreis 14,2 Millionen Euro auf eine Auszahlung warten und dadurch rund 60 Betriebe noch nicht entschädigt wurden, was auf eine EU-Forderung zurückzuführen sei, wonach die Prüfung der fünf Prozent Anträge wegen Mängeln in der 1. Kontrolle nochmals überprüft werden mussten.

Ein 1,5-stündiger Vortrag zum Thema „Wie schützen wir in Zukunft unsere Pflanzen – was können wir noch spritzen?“ über praktikable Lösungen und den verantwortungsvollen Umgang mit Spritzmitteln von Dr. Andreas Maier vom RP-Karlsruhe schloss mit einer regen Diskussion an.

Fahrt zur Grünen Woche

MdB Alois Gerig bedankte sich als stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes für die Wertschätzung der Landwirte in den Grußworten als auch im Referat.

Abschließend erinnerte Vorsitzender Albert Gramling die Teilnehmer an die Fahrt zur Grünen Woche in Berlin und den Grünen Ball am 23. März in Merchingen mit Verleihung der silbernen und goldenen Meisterbriefe. L.M.