Seckach

Inge Marie Bonin wird heute 65 Die Begriffe Ehrenamt und Nächstenliebe sind für sie keine leeren Worthülsen

„Es ist schön, Teil einer Gemeinschaft zu sein“

Archivartikel

Zimmern.Die Begriffe Ehrenamt, Nächstenliebe und Förderung der örtlichen Gemeinschaft sind für sie keine leeren Worthülsen, sondern gelebte Symbiose im zwischenmenschlichen Dasein: Die Rede ist von Inge Marie Bonin, geborene Mamay, die ihren 65. Geburtstag am heutigen Montag zusammen mit ihrer großen Liebe auf dem Weg in den Urlaub feiert.

Denn wie sie sich noch genau erinnert: „Mit 56 Jahren geschah das größte Wunder in meinem Leben: Mein Mann fand mich. Es war das Beste, was mir in diesem Leben passieren konnte, und ich bin Gott oder dem Internet oder dem Zufall zutiefst dankbar.“

Die beiden waren in Köln zusammen aufs Abendgymnasium gegangen, er war auf der Suche nach Ehemaligen auf ihren Namen gestoßen, nach Hunderten von E-Mails zu Besuch gekommen und geblieben.

In ihrer Vita wiederholen sich die eingangs erwähnten Begriffe in regelmäßigen Abständen, und so hat sie sich aufgrund ihres sozialen Engagements in der Gemeinde Seckach Anerkennung und Achtung erworben. Am 30. Juli in Köln geboren, die Kindheit und Jugendzeit verbracht und nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau auf dem Abendgymnasium das Abitur nachgeholt, studierte sie anschließend an der katholischen Fachhochschule Sozialpädagogik.

Als Tiefpunkt in ihrem bis dahin noch jungen Leben geriet sie während der Abiturabschlussreise nach Rom in die Fänge einer Sekte. Nach schneller Einsicht und Austritt engagierte sie sich als Helferin für betroffene Jugendliche und deren Familien. Ihr Engagement reichte soweit, dass sie Interviews gab, Vorträge hielt und bis nach Afghanistan und Indien reiste, um Kinder aus Sekten zu „befreien“.

Mit ihrem Abschluss als Diplom- Sozialpädagogin stellte sie das Erzbistum Freiburg als Bildungsreferentin an.

Im weiteren Verlauf ihres bewegten Lebens verschlug es Inge Marie Bonin in den Odenwald nach Glashofen, Buchen, in die Klinge und nun letztendlich nach Zimmern, wo sie ihr „Traumholzhaus“ baute.

Nach acht Jahren Jugendarbeit wurde sie pädagogische Bereichsleiterin in der Klinge, ehe sie nach fünf Jahren die Stelle als Lehrerin an der Fachschule für Pädagogik in Buchen antrat.

Ehrenamtlich arbeitete sie weiter in der sogenannten Sektenszene. Nach Erhalt diverser Fördergelder gründete sie den „Odenwälder Wohnhof“ für Sektenaussteiger. Die dort gesammelten Erfahrungen veranlassten die umtriebige Jubilarin, ein Buch zu veröffentlichen.

Nach der Heirat mit Wolfgang Bonin beendete sie ihr Engagement in der Sektenhilfe, engagierte sich aber als ausgebildete Notfallseelsorgerin und setzte ihre organisatorischen und lehramtlichen Fähigkeiten in der Flüchtlingshilfe in Hardheim und Seckach ein.

Nach einem Informationsabend durch das Seckacher Rathaus gründete sich ein Helferkreis für Flüchtlingsbetreuung und -begleitung, deren Sprecherin Inge Marie Bonin noch heute ist. Stolz ist sie auf die Tatsache, dass aufgrund der zeitaufwändigen und intensiven Betreuung durch die Mitglieder des Arbeitskreises die Flüchtlinge in Seckach bestens integriert sind.

„Als inzwischen in Rente gegangener Unruhegeist erlebe ich tagtäglich wie schön es ist, Teil einer Gemeinschaft zu sein“. Nach wie vor kann sie sich auf die Unterstützung ihres Mannes verlassen und so wird sie zudem ab 2018 als Schöffin tätig werden. Wir schließen uns den sicherlich zahlreichen Glückwünschen zum 65. Geburtstag gerne an. L.M.