Seckach

Madonnenlandbahn Thema „System ist überdefiniert“ / Woran es hakt bei der 42,5 Kilometer langen Strecke Miltenberg-Seckach

Fahrgastverband „Pro Bahn“ legt Gutachten vor

Archivartikel

Seckach.Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ Main-Tauber hat ein Gutachten zur Madonnenlandbahn Miltenberg-Seckach erstellt, das aufzeigt, woran es bei der 42,5 Kilometer langen Bahnstrecke hakt, wenn es um die Einführung eines attraktiven Fahrplans geht.

Viele Probleme

Die Madonnenlandbahn hat mit vielen Problemen zu kämpfen: Nicht nur, dass sie im Verkehrsschatten und im dünn besiedelten Raum liegt, sondern vielmehr noch, dass sie bisher weder für zeitgemäße Geschwindigkeiten, noch für integralen Taktverkehr ausgebaut worden ist.

„Das System ist überdefiniert,“ sagt Matthias Beß, Sprecher von „Pro Bahn“ Main-Tauber und Mitglied des Landesvorstands in Baden-Württemberg. „Sofern alle Rahmenbedingungen als unveränderlich angenommen werden, gibt es keine brauchbare Lösung.“

Diese Rahmenbedingungen sind unter anderem die Anschlusssituationen in Seckach und Miltenberg, die Lage der Kreuzungsbahnhöfe auf der eingleisigen Strecke und das Geschwindigkeitsprofil. „Die Frage lautet also: Welche dieser Parameter können verändert werden, um möglichst große positive Effekte bei rationellem Mitteleinsatz zu erzielen“, sagt Beß.

Ganztägiger Stundentakt

„Mindestziel muss ein ganztägiger Stundentakt sein, sodass man sich als Fahrgast nur noch die Abfahrtsminute merken muss. An den Endbahnhöfen soll immer Anschluss in alle Richtungen bestehen. Dann spricht man von einem ‚integralen Taktfahrplan‘.“

Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass ein Stundentakt auf der Madonnenlandbahn ohne Wartezeiten („Begegnungsaufenthalte“) möglich ist, wenn die Züge sich stündlich in Amorbach und Buchen begegnen. Die Anschlüsse in Miltenberg und noch mehr in Seckach wären dann aber schlechter als erwünscht. Der Fahrplan der Linie S1 müsste in der Folge um einige Minuten verschoben werden, was angesichts ihres langen Laufwegs quer durch den gesamten Ballungsraum Rhein/Neckar bis nach Homburg/Saar zu unüberschaubaren Folgekonflikten führen würde.

Eine wesentliche Verbesserung, die sofort möglich wäre, ist ein zweistündliches Angebot mit direktem Anschluss an den Main-Tauber-Express beider Richtungen (Aschaffenburg sowie Wertheim-Lauda- Crailsheim) in Miltenberg und gutem Anschluss in Seckach nach Osterburken.

Als Ersatz für den wegfallenden Anschluss nach Rhein/Neckar müssten die Züge über Seckach hinaus bis nach Mosbach verlängert werden.

Dieser Aufwand ist aber überschaubar und weitere Überlegungen wert.

Motorisierung entscheidend

Ob ein (integraler) Stundentakt gelingt, hängt ganz wesentlich davon ab, ob die Fahrzeit im Abschnitt Miltenberg-Walldürn von 31 auf unter 28 Minuten gedrückt werden kann. Untersuchungen der Westfrankenbahn haben ergeben, dass dies allein mit Änderungen an der Infrastruktur nicht möglich ist. Das Fahrgast-Gutachten schlägt nun vor, die Fahrzeit mit den bestmotorisierten am Markt erhältlichen Fahrzeugen zu ermitteln.

Beß: „Wilde ‚Kraut-und-Rüben‘-Fahrpläne finden bei den Menschen keine Akzeptanz.

Sollte sich herausstellen, dass allein durch eine stärkere Motorisierung der Stundentakt fahrbar wird, so wäre dies mit Sicherheit die schnellere und preiswertere Lösung als aufwendige Umbauten an der Strecke.

Dann müssen auch alle Beteiligten bereit sein, den eigentlich bis 2031 fest vereinbarten Fahrzeugeinsatz nochmals zu überdenken.“