Seckach

„Sprechender Sprachatlas“ Seckach nimmt Position des westlichsten Vorpostens des ostfränkischen Dialekts ein

Interesse an vielseitigster Form des sprachlichen Ausdrucks nimmt zu

Archivartikel

Seckach.Wie facettenreich die Sprache in den verschiedenen baden-württembergischen Regionen ist, kann seit wenigen Tagen im ersten digitalen „Sprechenden Sprachatlas“ für Baden-Württemberg nachgehört werden.

Im Rahmen eines mehrjährigen Projekts hat das in Tübingen ansässige Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft unter der Leitung von Dialektforscher Professor Hubert Klausmann diesen Sprachatlas erstellt und nun der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Forscher der Tübinger „Arbeitsstelle Sprache in Südwestdeutschland“ führten für diesen Zweck in ganz Baden-Württemberg 57 Interviews durch und stellten hierbei ausgewählten Dialektsprechern jeweils 200 Fragen zu Begriffen aus Bereichen wie Bekleidung, Haushalt, Körper und Landwirtschaft.

Im Ergebnis sind 103 Karten entstanden, über die sich nicht nur unterschiedliche Bezeichnungen und Aussprachen abspielen lassen, sondern die auch grammatikalische Besonderheiten zeigen. Zusätzlich gibt es Erklärtexte zu besonderen sprachlichen Phänomenen und auch ganze Erzählpassagen, zu denen die entsprechende Übersetzung eingeblendet wird.

Die Gemeinde Seckach nimmt in diesem Sprachatlas die Position des westlichsten Vorpostens des ostfränkischen Dialekts ein. Magda Hornung aus Seckach und Werner Baur aus Zimmern hatten sich im März 2016 dankenswerterweise für dieses Projekt zur Verfügung gestellt, und so sind jetzt auch ihre Stimmen im Internet zu hören. Wer also zum Beispiel erfahren will, wie man im ursprünglichen Dialekt des oberen Seckachtals zu einem Reisigbündel, zu einem Wetzsteinbehälter, zu einer Taufpatin oder zum Schluckauf sagt, ist beim „Sprechenden Sprachatlas“ genau an der richtigen Stelle.

Den Forschern dient das Projekt dazu, den Status quo des gesprochenen Dialekts zu erfassen und künftige Veränderungen durch einen Abgleich zu erkennen. Nicht zuletzt ist der Dialekt in vielen Gegenden teilweise schon verloren gegangen und hinzukommt der allgemeine Strukturwandel, durch welchen zum Beispiel viele Begriffe aus der Landwirtschaft heutzutage nicht mehr geläufig sind. In erster Linie ist der „Sprechende Sprachatlas“ aber für die Allgemeinheit gestaltet, denn das Interesse am Dialekt als vielseitigste Form des sprachlichen Ausdrucks hat in der letzten Zeit wieder stark zugenommen. L.M.