Seckach

Breitbandausbau im Neckar-Odenwald-Kreis Wie das schnelle Internet in den Seckacher Lerchenweg kam

Konkurrenzfähige Auffahrt auf die Datenautobahn

Archivartikel

Wie das schnelle Internet in den Seckacher Lerchenweg kam: Ein Paradebeispiel dafür, was man tun kann, wenn es beim Breitbandanschluss noch hakt.

Seckach. Spätestens seit Anfang des Jahres ist der Neckar-Odenwald-Kreis so schnell im Internet unterwegs, wie andere es zum Teil nicht einmal zu träumen wagen.

Für 97 Prozent aller Anschlüsse stehen Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Download und 40 Mbit/s im Upload zur Verfügung.

Ein Quantensprung

Ein Quantensprung, vor allem im Vergleich zu den teilweise recht bescheidenen durchschnittlichen Geschwindigkeiten in Deutschland. Doch wie bei jedem Großprojekt gibt es auch beim Breitbandausbau im Landkreis noch Ausnahmen. Diese bestätigen aber nicht nur die Regel, sondern lassen sich oft innerhalb kurzer Zeit beheben.

Eine solche Ausnahme war zunächst die Familie Thiemann aus dem Seckacher Lerchenweg. Nachdem Anfang Dezember vergangenen Jahres die Freischaltung in Seckach für Ende des Monats verkündetet worden war, ließen Nicole und Michael Thiemann keine Zeit verstreichen: „Das schnelle Internet ist für uns ein Stück Lebensqualität. Da wollten wir bei den Ersten sein“, sagt Michael Thiemann. Abgeschlossen wurde, denn nur so kommen hohe Bandbreiten überhaupt in einen Haushalt, ein neuer Vertrag.

50 Mbit/s sollten es sein. Da jedoch im Rahmen des von Landkreis und den Kommunen mitfinanzierten Ausbaus ganz in der Nähe der Thiemanns ein neues Multifunktionsgehäuse errichtet wurde, bekam die Familie die Information, dass sogar 100 Mbit/s möglich seien. Gesagt, getan, der flotte Anschluss wurde beauftragt. Doch nun begann eine Phase der Ungewissheit: Die Informationen beim Anbieter flossen nicht so rasch wie erhofft und entsprechend schon gar nicht das schnelle Internet.

Auch gab es unterschiedliche Auskünfte, wieviel Megabit nun letztendlich möglich sind, plötzlich war nur von 16 Mbit/s die Rede. „Darüber waren wir sehr verwundert und das wollten wir nicht so stehen lassen“, so Thiemann, der sich an seinen Bürgermeister Thomas Ludwig wandte.

Was dann passierte, war ein Paradebeispiel für eine schnelle Lösungssuche im engen Austausch von Anschlussbesitzer, Anbieter und den Behörden. Denn der Seckacher Gemeindechef fackelte nicht lange, als er am 15. Januar den Hinweis erhalten hatte.

„Den Unmut kann ich nachvollziehen“, schrieb er an die Familie zurück und leitete den Fall an den Anbieter wie auch an das Landratsamt weiter.

Die Antwort ließ ebenfalls nicht auf sich warten. Schon am 17. Januar wurde mitgeteilt: Die angekündigte Geschwindigkeit ist möglich, alle anderslautenden Auskünfte resultierten aus nicht aktualisierten Datensätzen. Zum gleichen Ergebnis kam der Wirtschaftsförderer des Kreises und Beauftragter für den Breitbandausbau, Johannes Biste.

Verblüfft über Geschwindigkeit

Sehr zufrieden waren die Thiemanns, die sich schon auf weitere Wochen mit Korrespondenz und niedriger Bandbreite eingestellt hatten: „Ich habe mich sehr gefreut, dass unser Anliegen ernst genommen wurde. Das zeigt einfach, dass alle Verantwortlichen das Möglichste daran setzen, um Kinderkrankheiten auszumerzen“, schrieben sie.

Versendet wurden diese Zeilen schon mit über 80 Mbit/s, die aufgrund der Lage des Hauses möglich sind. Denn am 5. Februar um 21 Uhr war es soweit gewesen: Das schnelle Internet hatte die Familie erreicht.

„Durch meine Berufstätigkeit in Stuttgart merke ich, dass einige Kollegen sehr verblüfft über die Geschwindigkeiten in „Badisch Sibirien“ sind“, berichtete Thiemann anschließend dem Bürgermeister.

Der wiederum, als Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetags einer von vielen Treibern des Projekts, freute sich auch: „Dies deckt sich mit den Erfahrungen zahlreicher weiterer Seckacher Haushalte.“

Bestätigung der Vorgehensweise

Auch den Hinweis auf andere Verhältnisse nahm Ludwig gern auf: „Das ist eine Bestätigung unserer Vorgehensweise, die uns innerhalb kürzester Zeit eine absolut konkurrenzfähige Auffahrt auf die Datenautobahn ermöglicht hat.“

Als in gewisser Weise vorbildlich stuft Johannes Biste den Fall ein: „Die Technik ist da. Nun muss man schauen, was bei jedem Kunden individuell möglich ist. Die Voraussetzung ist jedoch, dass jeder seinen Zugang selbst in die Hand nimmt und auch nicht verzagt, wenn es nicht sofort klappt. So muss die Erhöhung der Leistung beim Anbieter beauftragt und die Haustechnik überprüft werden. Und es gibt sicherlich, je nach Anbieter, Kapazitätsprobleme, da die Nachfrage hoch ist.“

Aber in den allermeisten Fällen könne man dies alles in einem Zeitraum lösen, der im Vergleich zu den vielen Jahren, die man anderswo warten muss, zu vernachlässigen sei. Dies, so sagen es Nicole und Michael Thiemann, könnten sie rückblickend nur unterstreichen.