Seckach

Naturschutzbund Seckach und Schefflenztal Naturkundliche Frühwanderung zwischen Streuobstwiesen und Feuchtgebieten

Rückschnitt erhält den Lebensraum „Hecke“

Schefflenz/Seckach.Zahlreiche Mitglieder und Interessierte begleiteten den Vorsitzenden des Naturschutzbunds Seckach und Scheff–lenztal (Nabu), Christian Thumfart auf einer naturkundlichen Frühwanderung am vergangenen Sonntag. Am Ausgangspunkt, dem Feuerwehrgerätehaus in Mittelschefflenz, erläuterte er die erfolgreiche Unterstützung der heimischen Mehlschwalbe durch künstliche Nisthilfen am Gerätehaus, gefördert durch die Gemeinde Schefflenz.

Beim Gang durch den Ort war die Mehlschwalbe des öfteren Thema, so beim Schwalbenbaum der Gruppe am Kertelbach und einigen wenigen Häusern mit Naturnestern.

Von den Schwalben leitete Thumfart zum Thema Insektensterben über, aber auch die Qualität der örtlichen Bäche war Thema. Vogelkundler Frank Laier, ebenfalls von der Nabu-Gruppe Seckach- und Schefflenztal erklärte kurzweilig und fachgerecht die gesehenen zu hörenden Vogelarten. Speziell der Star, Vogel des Jahres 2018, stand im Vordergrund.

Beim Übergang vom Dorf in die freie Landschaft brachte Thumfart die Wichtigkeit der ortsrandprägenden Streuobstwiesen und die „leider kaum mehr vorhandenen Viehweiden“ zur Sprache. Dort fanden früher Arten wie Wiedehopf und Kiebitz, aber auch die Hufeisennasen-Fledermaus reichlich Nahrung in Form von Dungkäfern, Fliegen, Larven und mehr. Heute sei selbst der Dung der Kühe oft mit Pestiziden oder Arzneimitteln verseucht, so dass er als Nahrungsgrundlage nicht mehr geeignet sei.

Laier machte hier auf die Tatsache aufmerksam, dass die Zahl der zu beobachtenden Vogelarten in der Agrarlandschaft immer weiter schwinde. Selbst Allerweltsarten wie die Goldammer wurden während der dreistündigen Wanderung nur mit einem Exemplar gesichtet.

Ein weiteres Thema der Führung war der Umgang mit Hecken und Feldgehölzen in der freien Landschaft. Einerseits werden sie oft ersatzlos beseitigt, andererseits werden sie kaum noch gepflegt, so dass sich Weißdorn-, Holunder- oder Ligustersträucher zu Baumgehölzen entwickelt haben und als Lebensraum „Hecke“ nicht mehr zur Verfügung stehen. Ein turnusmäßiges, abschnittsweises „auf den Stock setzen“ der Gehölze könne diese Entwicklung unterbinden. Das war zum Abschluss dann Thema am Nabu-Feuchtgebiet „Hafengrube“ beim Bogenschießplatz Schefflenz. Dort wurden zugunsten des verlandeten und wieder freizustellenden Feuchtbiotops, einer ehemaligen Tongrube, Heckenarten durch Rückschnitt verjüngt, aber auch Bäume entfernt, deren Schatten und Wurzeldruck den amphibischen Lebensraum negativ beeinflussten. Die große Anzahl zu beobachtender Molche und Kaulquappen in den neu ausgebaggerten Tümpeln begeisterte alle Anwesenden. Die Sträucher wachsen nach und die Amphibien haben wieder Luft und Platz, so Thumfart in seinem Schlusswort.

Frank Laier resümierte 34 beobachtete Vogelarten, zehn weniger als bei der Frühwanderung 2017 von Auerbach ins Dallauer Tal. Er erinnerte daran, dass man in den Anfangszeiten der Nabu-Aktivitäten im Schefflenztal vor über 40 Jahren bei ähnlichen Wanderungen bis zu 74 Vogelarten zählen konnte – „ein herber Verlust“, so Laier.