Seckach

Kinder- und Jugenddorf Klinge Das über die Region hinaus bekannte Spielgelände feierte 40-jähriges Bestehen / Neue „Nestschaukel“

„Volltreffer eines Spieltraums“ für Kinder

Archivartikel

Seckach.Das Kinder- und Jugenddorf Klinge präsentiert sich auch 68 Jahre nach seiner Gründung am 13. Februar 1951 als eine weltoffene und zugängige Einrichtung.

„Der Träger fördert die Einbindung seiner Einrichtungen in die vor Ort existierende gesellschaftliche und kommunale Struktur“, ist dem Leitbild der Einrichtung zu entnehmen. Eindrucksvoll untermauert wird diese Aussage durch die Tatsache, dass das weithin bekannte Spielgelände nun seinen 40. Geburtstag feiert.

Als Ausflugsort für Kinder mit ihren Familien, Schulen, Kindergärten sowie Vereinen gilt das Spielgelände auch als ein Ort der Begegnung und gelungenes Beispiel für eine enge und harmonische Einbindung in die gesamte Region.

Im Rahmen des traditionellen Klingefestes wurde im Beisein zahlreicher Gäste und als Höhepunkt des Festwochenendes das 40-jährige Bestehen dieses Freizeitgeländes mittels eines Festaktes gefeiert.

Vorstand des Kinder- und Jugenddorfes Dr. Christoph Klotz begrüßte hierzu neben Peter Schmackeit als Festredner und Chronist unter anderem auch MdL Peter Hauk, Diözesan-Caritasdirektorin Mathea Schneider aus Freiburg, Bürgermeister Thomas Ludwig sowie das Team für Soziales Engagement der FCA-Bank Deutschland, das die „Klinge“ seit vielen Jahren unterstützt und auch dafür sorgte, dass zum Jubiläum eine Nestschaukel als neues Spielgerät eingeweiht werden konnte.

Rutschen, springen, balancieren

Unter der musikalischen Umrahmung der Feierstunde durch Lorenz Schweizer am Klavier und der sportlichen Einlage durch die Akrobatikgruppe der Klinge bestätigten die Grußredner die hohe Integration des Spielgeländes in die regionalen Gegebenheiten und hoben dessen gesellschaftspolitische Bedeutung hervor.

Minister Hauk erinnerte sich, dass ein Tag auf diesem Gelände bereits für seine Kinder „das Highlight überhaupt“ war. Caritasdirektorin Schneider bedauerte, das falsche Outfit für diesen „Volltreffer eines Spieltraums“ anzuhaben – und auch Bürgermeister Thomas Ludwig bezeichnete das Spielgelände als markantes Beispiel für die allgemeine Ausrichtung der Dorfphilosophie. „Nicht nur an warmen Sommertagen kann man erleben, wie die Liegewiesen dicht belegt sind und ganze Familien hier ihre Freizeit verbringen. Rutschen, springen, balancieren, planschen, schaukeln und vieles mehr ist hier möglich, und dies in einer ansprechenden und erholsamen Umgebung“.

Als „Antriebsfeder“ gilt der ehemalige Dorfleiter Pfarrer Herbert Duffner, der bereits 1972 über ein neues Spielgelände nachdachte. Grund hierfür war auch die Tatsache, so Ludwig weiter, dass die Vorgängerspielplätze dem Bedarf der Hausgemeinschaften im Kinder- und Jugenddorf Klinge nicht mehr genügten bzw. weil sie wegen anderer geplanter Baumaßnahmen weichen mussten.

Bereits bei der Planung sei man von dem üblichen „Schema F“ abgewichen und so wurde für viel Abwechslung beim Spielen gesorgt. Sehr detailliert und mit viel Humor brachte Peter Schmackeit, früher hier Lehrer, heute Chronist der Dorfgeschichte und damit profunder Kenner der Diskussionsdetails die Entstehungsgeschichte in Erinnerung.

Demnach fiel der einzige und sehr veraltete kleine Spielplatz im Dorf den in den 70er Jahren wegen der Erhaltung der Zulassung als „Einrichtung der Jugendhilfe“ notwendig gewordenen Neubauten zum Opfer.

Glück im Unglück war die zu jener Zeit herrschende Flaute in der Baubranche, denn so wurden die Baufirmen von Seiten des Landes mit besonderen Aufträgen und Maßnahmen unterstützt und die Zuschüsse flossen kräftig. In kürzester Zeit waren die Neubauten entstanden, dafür fehlte aber ein Platz für die Spielgeräte, aber auch die notwendigen Mittel für einen adäquaten Spielplatz.

Doch wie es der Zufall wollte, besuchte ein Ehepaar aus der Nähe von Bonn die Klinge und die beiden waren von Pfarrer Duffner und der „Klinge“ so begeisterte, dass sie den Erlös aus ihrem Hofgut dem Kinderdorf vermachten zur Errichtung eines größeren Spielbereichs für Kinder, der auch vom Land noch bezuschusst wurde.

Doch die Planungen wurden zunächst so geheim gehalten, dass abenteuerlich Gerüchte über ein „Spielgelände hinter Mauern“ die Runde machten. Als die miese Stimmung überschwappte wurden endlich – praktisch in Sekundenschnelle – ein Spielplatz-Ausschuss von Damen und Herren aus dem Erziehungsbereich und einigen Lehrkräften gebildet.

Wie Peter Schmackeit weiter erläuterte, verwirklichte dieses Team in den folgenden vier Jahren in unzähligen Zusammenkünften zusammen mit der Dorfleitung, dem Architekten und den Bauleuten das neue Spielgelände, das vom TÜV ohne eine einzige Beanstandung abgenommen und im Sommer 1979 feierlich eingeweiht wurde.

„Die Menschheit schuldet dem Kind das Beste, was sie zu geben hat“, dieser Begründung der Vereinten Nationen zur Erklärung der Rechte des Kindes, die Paul von Basum bei einer Einweihungsfeier zitiert habe, sei man mit dem Spielgelände wenigsten einen Schritt näher gekommen, auch wenn die Wirklichkeit noch immer weit davon entfernt sei.

Denn wie der Pädagoge weiter verdeutlichte: „Für Kinder sind spielen, sich bewegen, Erfahrungen sammeln nicht nur Lebensinhalte, sondern wichtige Tätigkeiten, die ihr späteres Leben entscheidend beeinflussen.

Wie Vorstand Dr. Klotz ergänzte, finden sich hier viele Spielangebote, die die Phantasie und die Kreativität der Kinder anregen, womit auch ihre emotionale und soziale Entwicklung positiv gefördert werde. Im Rahmen des 1. Seckacher Straßenfestes fand die Einweihung dieses Spielgeländes als gemeinsamer Ort für die gesamte Öffentlichkeit aus Seckach und Umgebung statt.

Dieses Angebot Tag für Tag aufrecht zu halten sei nur möglich, weil die Klinge ihr Spielgelände mit großem personellem und auch sächlichem Aufwand in Schuss hält.

Ein besonderer Dank des Vorstands galt allen Personen, die Verantwortung für dieses „einmalige Spielgelände“ tragen und auch den zahlreichen Helfern und Spendern für ihr Engagement.

Als äußeres Zeichen der Verbundenheit überreichte zum einen Bürgermeister Ludwig einen Spendenbeitrag der Gemeinde. Aber einen richtig „dicken Scheck“ – und nicht zum ersten Mal – in Höhe von 7000 Euro erhielt Dr. Klotz von H. Horn von der Heilbronner FCA-Bank, der sich und sein Team für soziales Engagement als „echte Fans des Kinder- und Jugenddorfs Klinge“ outete und das familiäre und dörfliche Ambiente als maßgeblich für die positive Entwicklung der Kinder betonte.

Der Betrag soll die Kosten für die neue Nestschaukel und noch ein bisschen mehr decken. Mit der Freigabe der Schaukel durch die Ehrengäste wurde die Feierstunde beendet.