s.Oliver Würzburg

Basketball Beim ungefährdeten und hochverdienten 72:45-Sieg von Würzburg gegen Braunschweig werden auf der Tribüne einige Misstöne laut

Fanblock geht auf Konfrontationskurs

Archivartikel

s.Oliver Würzburg – Basketball Löwen Braunschweig 72:45.

(25:12, 17:16, 15:12, 15:5)

Würzburg: Klassen (12 Punkte), Singler (12/davon 2 Dreier, Stuckey (11/3), Hammonds (9/2), Taylor (8), Kovacevic (7), Lipkevicius (5), Gaddy (4), Kratzer (2), Hoffmann (2). Braunschweig: Eatherton (15/1), Landsdowne (10/2), Jaramaz (8/1), Klepeisz (6), Schwartz (3/1), Morse (2), Kone (1), Figge, Lagerpusch, Alte, Nawrocki, Ebert. Zuschauer: 3017.

Mit einer beeindruckenden Team-Leistung haben sich die Bundesliga-Basketballer von s.Oliver Würzburg ihre kleine Playoff-Chance erhalten. Gegen an diesem Abend schwache Löwen aus Braunschweig gab es beim 72:45 den höchsten Saisonsieg. Und dennoch gab es aus dem Fanblock deutlich hörbare und sogar sichtbare „Misstöne“.

Dass man dort den eigenen Headcoach Dirk Bauermann nie wirklich geliebt hat, war längst bekannt. Dass man ihn nach dem Bekanntwerden seines vorzeitigen Abschieds (wir berichteten mehrfach) aber derart „beschimpft“, war, zumindest zu diesem Zeitpunkt, nicht erwartet worden. Mit verschiedenen Spruchbannern machte zumindest ein Teil der Anhänger seiner Enttäuschung über Bauermann Luft. Etwa eine Handvoll Fans skandierte bei der obligatorischen Ehrenrunde nach dem Spiel sogar lautstark „Bauermann raus“. Das ist in der Tat ungewöhnlich, wenn die eigene Mannschaft gerade eine Partie mit 27 Punkten Vorsprung gewonnen hat.

Bei Bauermann hat diese öffentlich gezeigte Abneigung definitiv Spuren hinterlassen, auch wenn er es zunächst nicht ganz zugeben wollte. „In einer demokratischen Gesellschaft hat jeder das Recht, sich zu äußern. Wenn die Fans das für richtig halten, dann sollen sie es tun. Ob ich dies für fair und richtig halte, ist eine ganz andere Frage“, sagte Bauermann kurz nach Spielschluss. „Für mich ist das kein Problem, so lange der Fanblock die Mannschaft weiter anfeuert – und das hat er auch heute toll gemacht.“

Auf die Frage der FN, ob ihn ein solches Verhalten doch kränke, antworte Bauermann zunächst mit „So tief lasse ich Sie nicht in meine Seele schauen“, um dann aber doch gleich ein eindeutiges „Ja“ hinterher zu schicken. „Aber es ist egal, was ich empfinde. Hier geht es um Profisport, da sind andere Dinge wichtig.“

Moral und Charakter

Seinem Team attestierte Bauermann nach der Partie „unglaubliche Moral und viel Charakter.“ Schließlich sei es nicht leicht, den Verlust der beiden Verletzten Robin Benzing und Kresimir Loncar einfach so wegzustecken.

In der Offensive glänzten die Würzburger mit so genanntem „Team-Basketball“, den die Mannschaft in dieser Saison nicht immer so gezeigt hat. Phasenweise lief der Ball tatsächlich wie am Schnürchen. Bereits zur Pause hatten alle zehn Würzburger Akteure, die auf dem Spielberichtsbogen standen, gepunktet. „Das zeigt, dass der Ball gut läuft und alle ihre Chance bekommen und sie auch nutzen.“

Aus der starken Teamleistung ein bisschen herausgeragt haben zwei Spieler, die sonst nicht immer in der ersten Reihe stehen. Owen Klassen gelang ein „Double-Double (12 Punkte, elf Rebounds) und E.J. Singler stellte mit ebenfalls 12 Punkten eine persönliche BBL-Bestmarke auf.

Die Braunschweiger zeigten dagegen eine alles in allem sehr enttäuschende Leistung. Trainer Frank Menz: „Wir haben einfach nicht gut gespielt. Offensiv haben zwei Spieler versucht, zu punkten. Für den Rest war es heute einfach zu schwer.“