s.Oliver Würzburg

Basketball Maximilian Kleber, aus Würzburg stammender NBA-Profi, äußert sich im FN-Interview über seine sportliche Entwicklung und seine Ziele

„Ich will unbedingt bei der WM spielen“

Archivartikel

Maximilian Kleber, NBA-Profi in Diensten der Dallas Mavericks, ist derzeit zu einem „Heimaturlaub“ in Würzburg. Während der Woche drückte er seinem ehemaligen Verein, s.Oliver Würzburg, die Daumen im Fiba-Europe-Cup-Finale gegen Dinamo Sassari und schrieb dabei fleißig Autogramme. In einem Interview mit den Fränkischen Nachrichten spricht der 27-Jährige über seine eigene sportliche Entwicklung und über seine Ziele.

Herr Kleber, Sie haben gerade Ihre zweite NBA-Saison hinter sich gebracht. Wie fühlen Sie sich?

Maximilian Kleber: Im Urlaub direkt nach dem Saisonende habe ich mich etwas erholt und fühle mich jetzt schon wieder recht frisch. Diese Woche durfte ich dann meine Mutter in Würzburg wiedersehen – von daher geht es mir sehr gut.

Wenn Sie auf Ihr zweites Jahr in der stärksten Basketballliga der Welt zurückblicken, welches Fazit ziehen Sie?

Kleber: Was mein Spielverständnis und meine Verteidigung angeht, konnte ich mich in der zurückliegenden Saison deutlich verbessern. Für mich persönlich war es ein sehr erfolgreiches Jahr. Als Team lief es aber erneut nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Spätestens, als die ganzen Trades mitten in der Saison dazukamen, war es absehbar, dass es mit den Playoffs leider wieder nichts wird.

Mit Ihrem Distanzwurf hatten Sie in Ihrem Rookie-Jahr noch Probleme. Hat sich hier die Situation verbessert?

Kleber: Ja. Anfangs war die Umstellung von Europa auf die NBA mit und der weiteren Entfernung der Dreierlinie schwierig. Wir haben das ganze Jahr über an meinem Wurf herumgebastelt. Aber ich habe ihn zunächst eigentlich nie richtig konstant finden können. In dieser Saison hat sich mein Wurf nach viel Arbeit im letzten Sommer extrem gut angefühlt. Zwischendurch hatte ich jetzt aber auch mal wieder eine Phase, in der ich anderthalb Monate wirklich keinen Wurf traf. Da waren meine Zahlen supermies. Das hat sich dann zum Glück wieder gefangen. Ich wusste, dass ich beim Werfen eigentlich alles richtig mache. Manchmal passiert es, dass der Wurf einfach nicht fallen will. Ich habe einfach weitergeworfen und irgendwann fielen die Würfe wieder. Zum Ende der Saison hatte ich von Januar bis April mit 40 Prozent von der Dreierlinie ein richtig gutes Händchen. Im nächsten Jahr möchte ich mich da aber natürlich noch einmal verbessern.

Besonders viel Beachtung fanden Sie mit Ihrem wirklich starken Defensivspiel. Wie gelang es Ihnen, in diesem Bereich noch einmal eine Schippe drauf zu legen?

Kleber: Zum einen verstehe ich unsere Systeme einfach besser. Das hat mir geholfen, mein eigenes Spielverständnis auf ein höheres Niveau zu heben. Zum anderen habe ich auch im athletischen Bereich noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht. Das macht dann vieles einfacher auf dem Feld.

Sie haben es schon kurz angesprochen: Die Dallas Mavericks mischten bei den Trades in dieser Saison ordentlich mit. Da war ja einiges geboten. Einmal wurde sogar einer Ihrer Mitspieler während eines Spiels zu einem anderen Team getauscht. Wie haben Sie das als Spieler alles mit erlebt?

Kleber: Letztes Jahr dachte ich mir noch „Wow, krass – Das ist echt verrückt mit den Trades“. Aber dieses Jahr war das alles noch viel krasser. Wir waren gerade auf einer Auswärtsfahrt von New York nach Cleveland. Auf einmal hieß es, dass mit Wesley Matthews, DeAndre Jordan und Dennis Smith Jr. drei Starting-Spieler von uns getradet werden. Da dachte ich mir: „Okay, haben wir das gerade wirklich gemacht?“ Das war schon verrückt. Aber es kam noch heftiger, als mein Mitspieler Harrison Barnes, mit dem ich ein sehr gutes Verhältnis auch außerhalb des Spielfeldes hatte, sogar während eines Spiels zu einem anderen Team getradet wurde.

Das klingt für europäische Verhältnisse verrückt. Wie lief das ab?

Kleber: So genau kann ich das auch nicht sagen. Ich habe mich nur während des Spiels die ganze Zeit gefragt, warum er denn nicht spielt. Ich wusste auch ungefähr die Zeit, wann er für mich wieder ins Spiel kommt. Aber da ist nichts passiert und ich musste einfach bis zum Ende durchspielen. Nach dem Spiel in der Umkleide haben wir dann erfahren, dass er gewechselt ist. Das war alles verrückt in dieser Saison. Jetzt habe ich den ganzen Zirkus einmal mitbekommen.

Denkt man da nicht auch: „Oh nein, jetzt wird es mich treffen?“

Kleber: Auf jeden Fall. Bis zur Trade-Deadline hast du als Spieler ordentlich viel Stress. Wenn sich die ersten Trades anbahnen, hoffst du nur, nicht dabei zu sein. Beeinflussen kann man das als Spieler überhaupt nicht. Wenn die Trades dann durch sind, ist man einerseits enttäuscht, dass Freunde von dir jetzt in irgendeinem anderen Team spielen. Andererseits ist man aber auch einfach nur erleichtert, dass es einen selbst nicht getroffen hat. Zumindest in meinem Fall kann ich das sagen, da ich mich in Dallas wirklich sehr wohl fühle.

Wie gehen Ihre Teamkollegen in der NBA damit um?

Kleber: Wirklich viel darüber gesprochen wird eigentlich untereinander gar nicht. Wenn man in die NBA kommt, weiß man, dass das Teil des Business ist. Bestimmt wird es beim ersten Mal sehr unangenehm. Daran muss man sich gewöhnen. Mein Mitspieler Dwight Powell wurde beispielsweise in seiner Anfangszeit gleich drei Mal getradet. Er sagte mir einmal, dass er hat sich irgendwann schon gar keine Möbel mehr in die Wohnung gestellt habe, weil er eh nicht wusste, wie lange er noch dort bleibt. Im Unterbewusstsein ist das schon ein bisschen Stress für uns Spieler. Blöd ist für mich beispielsweise, wenn sich die Familie ankündigt. Da muss ich immer dazu sagen: „Ihr wisst aber schon, dass ich jederzeit woanders sein kann.

Eine ungeklärte Situation haben Sie auch aktuell. Sie sind ab Sommer sogenannter Free-Agent, also ein vertragsloser Spieler, für den alle Teams bieten können – ihr letztes Team, die Dallas Mavericks, können allerdings jedes eingegangene Angebot für Sie überbieten.

Kleber: Genauso sieht es aus. Das Ganze beginnt aber erst ab Juli. Von daher bringt es aktuell nichts, sich die ganze Zeit damit auseinanderzusetzen. Klar, hin und wieder denke ich darüber nach, hoffe, dass das alles gut geht und so verläuft, wie ich es mir wünsche. Aber ich habe überhaupt keinen Einfluss darauf.

Wie sind Sie denn nach der abgelaufenen Saison mit den Dallas Mavericks verblieben?

Kleber: Dort gibt es mit jedem Spieler immer ein Saisonabschlussgespräch. Da sitzen dann auf der einen Seite der Manager, ein Physiotherapeut und der Headcoach und auf der anderen Seite du als Spieler. Im Gespräch wird dann darüber geredet, wie die Saison für einen verlaufen ist. Der Spieler kann dabei selbst auch alles sagen, was ihm irgendwie im Kopf herumschwirrt. In meinem Fall war das Feedback sowohl von Seiten der Mavs als auch von mir selbst sehr positiv. In Dallas weiß man, dass ich mich sehr freuen würde, weiterhin dort zu spielen. Die Bedingungen sind sehr professionell, mit Headcoach Rick Carlisle komme ich auch sehr gut klar. Natürlich weiß ist, dass die NBA ein Business ist, aber ich empfinde die Atmosphäre bei den Dallas Mavericks als besonders familiär.

Mit Dirk Nowitzki hat die Mavericks-Familie ihr bekanntestes Gesicht verloren. Wie haben Sie von seinem anstehenden Karriereende erfahren?

Kleber: Genauso wie alle anderen erst, als er es nach dem Spiel über das Hallenmikrofon verkündet hat. Natürlich haben wir Spieler es vorher schon vermutet. Der Abend war ja dann auch wirklich super emotional. Wahnsinn, was man dort für ihn alles aufgefahren hat. Das war eine unglaubliche Wertschätzung. Man konnte sehen, wie dankbar ihm die ganze Stadt ist. Dirk selbst ist natürlich auch super dankbar. Auch beim allerletzten Spiel, am nächsten Tag in San Antonio, war es extrem geil. Das muss man sich einmal vorstellen: Der Erzfeind macht extra für dich ein Tribute-Video. Unfassbar.

Immerhin durften Sie noch zwei Jahre mit Ihrem Idol aus Kindheitstagen zusammenspielen.

Kleber: Dafür bin ich auch sehr dankbar. In der Nationalmannschaft hat es damals ja leider nie mit uns beiden geklappt. Umso schöner, dass es auf diesem Weg noch zustande kam. Dirk war außerdem auch einfach ein toller Mitspieler. Er sorgte immer für die richtige Balance und für gute Stimmung im Team. Die Rolle muss künftig in Dallas irgendwer anders übernehmen.

Ohne Nowitzki geht es für die deutsche Nationalmannschaft im Spätsommer zur Weltmeisterschaft nach China. Dafür mit Maxi Kleber?

Kleber: Davon gehe ich momentan aus. Ich will unbedingt bei der WM spielen. Klar, muss ich das noch mit meinem Team abklären. Die Dallas Mavericks wären da nicht abgeneigt. Falls ich irgendwo anders lande, muss man halt sehen. Wir haben jedenfalls eine gute Truppe und wollen endlich mal wieder einen großen Erfolg feiern. Ich hoffe, dass dann auch das Interesse der Fans in Deutschland groß sein wird und die Leute durch uns sehen, was für ein schöner Sport Basketball ist.