s.Oliver Würzburg

Basketball In Würzburg ist nach dem größten internationalen Erfolg der Geschichte ein Anflug von Euphorie nicht von der Hand zu weisen / Wucherer gibt sich optimistisch

„Im Europe-Cup ist für uns nun eine Menge möglich“

Ein internationaler Wettbewerb ist doch etwas anderes als der sportliche Alltag in der Bundesliga. Das wurde nach dem hartumkämpften 94:90-Achtelfinalsieg von s.Oliver Würzburg gegen das russische Team von Avtodor Saratov überdeutlich (wir berichteten). Die Spieler feierten eine Spur ausgelassener als sonst, und selbst Coach Denis Wucherer wirkte in Anbetracht des größten internationalen Erfolges in der Vereinsgeschichte für seine Verhältnisse fast schon euphorisch: „Im Europe-Cup ist für uns nun eine Menge möglich.“ Gleich darauf relativierte er seine Aussage zwar dahingehend, dass dies alle Vereine, die jetzt noch im Wettbewerb sind, genauso sehen. Aber er widersprach immerhin nicht, als er mit der Frage konfrontiert wurde, ob seine Spieler nun auch schon vom Finale träumen dürfen. „Aufs Endspiel zu schielen, das ist ab sofort erlaubt.“

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Im Viertelfinale geht es zunächst einmal gegen die Bakken Bears. „Da treffen zwei Underdogs aufeinander, die im bisherigen Wettbewerb positiv überrascht haben“, so Wucherer. Das Hinspiel in Dänemark findet am Mittwoch, 20. März, um 18.30 Uhr statt. Das Rückspiel in der Würzburger s.Oliver Arena steigt dann eine Woche später am 27. März um 19 Uhr. Vorausgesetzt, Würzburg überspringt auch diese Hürde, dann käme es im Halbfinale (10. und 17. April) zu einem Duell gegen den Sieger der Begegnung Pallacanestro Varese (Italien) gegen Filou Oostende (Belgien).

Bisher wichtigstes Spiel der Saison

Doch dies ist alles nur Zukunftsmusik, was am Mittwoch Abend zählte, war die große Freude über den Einzug ins Viertelfinale des Fiba-Europe-Cups. „Das war heute das bisher wichtigste Spiel der Saison“, erklärte Wucherer. „Wir sind jetzt im Viertelfinale eines europäischen Wettbewerbs und haben die Möglichkeit, auch weiterhin Duftmarken zu setzen. Wir sind auf dem Weg, Würzburg endgültig auf die internationale Basketball-Landkarte zu bringen.“

Einer, der ganz entscheidenden Anteil daran hatte, dass Würzburg nach einem zwischenzeitlichen 16-Punkte-Rückstand im zweiten Viertel zurück in die Partie fand, war Johannes „Joe“ Richter. Wucherer schickte ihn in der 15. Minute erstmals aufs Parkett, und der 25-Jährige, der zuletzt etwas in der Kritik stand, sorgte zwischen dem 23:37 und dem 35:44 in nicht einmal drei Minuten für zwölf Würzburger Punkte in Serie. „Heute sind ein paar Bälle zu mir gekommen und ich habe sie reingemacht“, doch gleich fügte er hinzu, dass er „leider nicht so gut verteidigt“ habe. Sein Defensivverhalten in den vergangenen Partien war der Grund, warum er zuletzt vom Trainer mehrfach kritisiert wurde. Dieses Mal gab es zumindest ein paar lobende Worte von Wucherer. „Als Joe reinkam, war der Gegner schon ein bisschen müde. Da bekommst du dann halt Freiheiten – und die hat er dieses Mal sehr gut ausgenutzt.“

Insgesamt 18 NBA-Teams hatten insgesamt mehr als 20 Scouts in die s.Oliver-Arena geschickt, um die beiden 18-jährigen „Riesentalente“ Joshua Obiesie auf Würzburger und Nikita Mikailovskii auf Saratover Seite näher in Augenschein zu nehmen. Zumindest „Joshi“ wirkte davon ziemlich unbeeindruckt. „Klar wusste ich, dass die da sind. Aber wenn ich spiele, denke ich nicht so viel daran.“ Woran er aber denkt ist die Tatsache, dass Würzburg zu den Teams gehört, die den Europe-Cup holen können. „Wir sind jetzt immer noch dabei, und jetzt wollen wir das Ding auch gewinnen.“