s.Oliver Würzburg

Basketball S.Oliver Würzburg startet mit rundum erneuertem Team in die siebte Bundesliga-Saison / Nach dem vorzeitigen Ende der Ära Dirk Bauermann ist Denis Wucherer jetzt Headcoach

Mehr Spektakel in der Würzburger „Turnhölle“

Archivartikel

Es geht wieder los in der Würzburger „Turnhölle“. Die Basketballer von s.Oliver Würzburg starten am Wochenende in ihre siebte Bundesliga-Saison. Und wieder mal ist fast alles neu: Nach dem vorzeitigen Ende der (Kurzzeit-)Ära von Dirk Bauermann übernimmt Denis Wucherer als neuer Headcoch. Mit einem rundum erneuerten Team soll es endlich wieder mit den Playoffs klappen.

Der Trainer

Das Jahr 2016 endete mit einem Paukenschlag für die Würzburger Basketballer. Dirk Bauermann, der erfolgreichste und renommierteste Trainer Deutschlands, wurde als neuer Headcoach von s.Oliver Würzburg vorgestellt. Mit dem Star-trainer wollte der Klub mittelfristig in die nationale Spitze vorstoßen. Ein Unterfangen, das nach nur eineinhalb Jahren bereits an Glanz und Glamour verlor. Bauermann verpasste mit Würzburg zweimal die Playoffs und folgte im Sommer einem finanziell lukrativen Angebot aus China. Die Nachfolge tritt Denis Wucherer an, ein ehemaliger Sprössling Bauermanns. Doch der 45-Jährige hat sich unlängst selbst einen Namen als Bundesliga-Trainer gemacht. Mit den Gießen 46ers stürmte der Ex-Nationalspieler vor drei Jahren die Bundesliga und verpasste mit den Hessen zweimal nur knapp die Playoff-Ränge. Sein Engagement bei den RheinStars Köln in der vergangenen Saison war jedoch von deutlich weniger Erfolg gekrönt. Nun also Würzburg. Dort, wo er bereits als Spieler vor 17 Jahren für wenige Monate einmal aktiv war. „Es fühlt sich wie zuhause an. Zwar war ich als Spieler nur eine kurze Zeit hier, aber mein Bruder lebt seit über 20 Jahren in der Stadt. Von daher ist Würzburg für mich kein Neuland. Ich kannte das Umfeld, die Stadt – und die Halle ist ja auch immer noch die gleiche. Nur das Trainingszentrum ist neu für mich. Das übrigens ein Traum ist. Da gibt es keine Entschuldigungen mehr. Wir haben hier in Würzburg alles, um erfolgreich zu arbeiten“, erzählt Wucherer, der bei den Baskets vor Saisonstart einen Vertrag über zwei Jahre unterzeichnet hat und die Ziele des Klubs und der Fans klar kennt: „Unser Ziel muss es sein, die Playoffs zu erreichen. Das halte ich auch für realistisch.“

Bewerkstelligen soll Wucherer die Mission Playoffs mit einem rundum erneuerten Team. Mit Loncar und Hoffmann sind nur zwei Spieler aus dem letztjährigen Kader übrig geblieben. Die Leistungsträger Robin Benzing (Besiktas Istanbul) und Maurice Stuckey (Brose Bamberg) waren für den Verein im Sommer nicht zu halten, und die restlichen Spieler passten als vermeintliche Rollenspieler ohnehin nicht mehr in die Planungen. Drei der Neuen (Olaseni, Bowlin, Wells) spielten bereits früher in Gießen unter Headcoach Wucherer. Außer den Flügelspielern Ellis und Cooks verfügen alle Spieler über Bundesliga-Erfahrung, was angesichts des neuerlichen großen Umbruchs die schwere Eingewöhnungszeit zumindest etwas vereinfachen dürfte. Der Australier Cooks kommt direkt vom College aus den USA. Der schnelle und schlaksige Small Forward mit dem „Auge eines Aufbauspielers“ (Wucherer) könnte für viel Spektakel sorgen und eine der Überraschungen der Saison werden. Die Guards Hulls, Wells und Bowlin sind allesamt starke Scorer. Gleiches gilt für den neuen Power Forward Perry Ellis, der bei seiner einzigen Europastation in Italien Anfang des Jahres allerdings noch nicht gänzlich überzeugen konnte. Der athletische Center Olaseni möchte nach zwei durchwachsenen Jahren in Italien, Frankreich und Spanien unter Wucherer wieder an seine starke Saison 2015/16 in Gießen anknüpfen.

Auf den deutschen Positionen wollen Richter, Loesing und Koch ihre Entwicklung in Würzburg vorantreiben. Besonders der gebürtige Bonner Florian Koch überzeugte in der Saisonvorbereitung als exzellenter Dreierschütze. Im Gegensatz zum Vorjahr erwartet die Baskets-Fans ein schnelleres Offensivspiel mit deutlich mehr Spektakel, bei dem das ganze Team einbezogen werden soll. „Einen einzelnen Spieler, wie letztes Jahr Robin Benzing, dem man einfach mal den Ball zupassen kann, und der macht das schon, so einen haben wir dieses Jahr nicht mehr“, versucht Denis Wucherer seine Spielidee zu erklären: „Im Vergleich zur letzten Saison wollen wir etwas mehr Tempo ins Spiel bekommen. Das bietet sich auch einfach an, weil wir viele gute Schützen im Team haben. Je schneller wir in der Transition aus einer guten Verteidigung sind, desto schneller kriegen wir gute Würfe. Meine Erfahrung zeigt aber auch, dass es gegen gute Mannschaften sehr schwer ist, das Spieltempo hochzuhalten.“ Das klappte in der Vorbereitung auf die Saison bereits sehr gut. Mit viel Offensivpower gewann Würzburg Testspiele unter anderem gegen den Euroleague Teilnehmer Anadolu Efes Istanbul und auch die Generalprobe beim Bosch-Rexroth-Cup konnte als Turniersieger erfolgreich bestritten werden.

Die gesteckten Ziele

Zwei Jahre ohne Playoffs waren für die Verantwortlichen von s.Oliver Würzburg bereits zwei zu viel. Im Mai kommenden Jahres soll es für die Baskets endlich wieder in die Postseason gehen. Ein Selbstläufer wird das freilich nicht. „Außer uns wollen auch noch zehn bis zwölf andere Mannschaften in die Playoffs. Vom Etat her liegen wir vermutlich zwischen Rang acht und zehn“, schätzt Wucherer die Lage treffend ein: „Aber am Ende macht es ja erst richtig Spaß, wenn nur noch die Besten dabei sind und die Teams von Platz neun bis 18 schon in den Urlaub fahren müssen.Wir werden hart dafür arbeiten, um unser großes Ziel Wirklichkeit werden zu lassen.“ Neben der Bundesliga stehen noch zwei weitere Wettbewerbe an. Im BBL-Pokal trifft Würzburg am 6. Oktober im Achtelfinale auswärts auf Brose Bamberg. Mindestens sechs Gruppenspiele werden es im FIBA Europe.

Es herrscht Aufbruchstimmung

Es herrscht mal wieder Aufbruchstimmung im Basketballstandort Würzburg. Rund 1600 Dauerkarten wurden an den Mann und die Frau gebracht. Der neue Trainer weckt Hoffnungen auf eine erfolgreiche Saison und das neu zusammengestellte Team verspricht attraktiven Basketball. Dazu scheint die neue Halle nach Jahren endlich in greifbare Nähe zu rücken, wie Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler kurz vor Saisonbeginn auf der Ligatagung verkündete: „2019 sollen die Bagger rollen, 2021 soll die neue Halle fertig sein.“ Bis dahin müssen Fans, Spieler und Verantwortliche aber noch mit der in die Jahre gekommenen s.Oliver Arena in der Stettiner Straße vorlieb nehmen.

„Im Hinblick auf die neue Halle und den großen Zielen des Klubs ist es wichtig, in Vorleistung zu gehen. Der Umzug in eine große Halle funktioniert nur, wenn die Stadt sich mit dem Team identifiziert. Dafür werden wir hart arbeiten, hart spielen und die Fans begeistern“, erklärt Steffen Liebler.

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