s.Oliver Würzburg

Basketball Von allen Seiten gab es viel Lob und Trost für die unglücklichen Verlierer des Fiba-Europe-Cup-Finales

„Würzburg kann stolz sein“

Archivartikel

Die Szenerie wirkte fast schon skurril. Die Basketballer von s.Oliver Würzburg hatten gerade das vielleicht wichtigste Spiel ihrer bisherigen Karriere verloren. Die Spieler standen nach der Schlusssirene wie ein Häuflein Elend auf dem Feld, viele hatten Tränen in den Augen, einige ließen ihnen freien Lauf – und die Zuschauer feierten die Verlierer minutenlang mit Sprechchören und stürmischem Applaus. Allen in der proppenvollen s.Oliver-Arena war klar: Auch wenn das berühmte Tüpfelchen auf dem „i“ gefehlt hat, haben die Basketballer in den 20 Partien ihrer „Europareise“ Großartiges geleistet. Trainer Denis Wucherer drückte es wie folgt aus: „Ich bin stolz auf dieses Team. Und die Spieler haben Würzburg stolz gemacht.“

Gegner zollt Respekt

Auch sein extrovertierter Trainerkollege aus Sassari, Gianmarco Pozecco, zollte dem unterlegenen Team seinen Respekt und verteilte viel Lob: „Würzburg hat zwei fast perfekte Spiele abgeliefert. Großartiger Job. Auch Denis Wucherer und sein Team hätten den Titel verdient gehabt, aber am Ende kann halt immer einer nur gewinnen.“

Auch Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt war natürlich in der Halle und fieberte von der ersten Sekunde des packenden Endspiels mit: „Das Team um Denis Wucherer hat Außergewöhnliches geleistet und viele Male begeisternden Basketball abgeliefert. Baskets, seid nicht traurig! Ihr habt – auch wenn am Ende das letzte Quäntchen Glück gefehlt hat – trotzdem etwas bisher Einmaliges geschaffen und Würzburg auf die europäische Basketball-Landkarte gesetzt. Die Fans werden lange von den europäischen Auftritten zehren und erzählen.“

Gesellschafter hinter der Bank

Bernd Freier, alleiniger Gesellschafter des Klubs und Chef von Haupt- und Namenssponsor s.Oliver, hielt es gar während des Spiels nicht mehr im Ehrengastbereich auf dem Platz neben OB Schuchardt aus. Er zog um und setzte sich auf einen Stuhl direkt hinter der Auswechselbank. Immer wieder stand er auf, ruderte mit beiden Armen und forderte damit die Zuschauer zu noch mehr Unterstützung auf.

Aber das war eigentlich nicht möglich, denn die sorgten ohnehin schon für eine Gänsehautatmosphäre, die man nicht vergessen wird, wenn man dabei gewesen ist. Ihren Anteil daran hatten auch die rund 200 sympathischen Tifosi, die nach Würzburg gekommen waren und ihr Team auf dem Weg zum Europe-Cup-Sieg leidenschaftlich unterstützten.

Mit leerem Akku in die BBL

Der Traum vom Titel ist ausgeträumt, jetzt stehen noch vier Partien in der BBL an. Alle vier innerhalb einer Woche: Am kommenden Sonntag in Berlin, am Dienstag dann in Bayreuth, am Freitag zu Hause gegen Bonn und dann am Sonntag gegen Bamberg. Aber der Akku bei den „Baskets“ scheint leer zu sein, nach bisher 30 BBL-Spielen und 20 Partien im Europe-Cup, wo man exakt 29 954 Kilometer unterwegs war. Auch bei Wucherer herrscht Skepsis vor: „Von uns darf man jetzt nicht zu viel erwarten“, zumal mit Loncar, Richter und Hulls definitiv drei Spieler verletzt bis zum Saisonende ausfallen und auch der Einsatz von Obiesie (Probleme mit den Bändern im Sprunggelenk) noch ungewiss ist. „Er wird schwer, noch einmal Qualität und Intensität zu entwickeln, um vielleicht das eine oder andere Spiel zu gewinnen“, sagt Wucherer, und fügt hinzu: „Ich muss ehrlich sein: Für Berlin sehe ich schwarz.“