Sommerserie

Barocke Baukunst

Archivartikel

Das Kloster Schöntal zählt zu den besterhaltenen Klosteranlagen in Nordwürttemberg und bietet den Besuchern viele Einblicke und Eindrücke.

Natur, Stille und barocke Baukunst findet man an der Jagst, einem Fluss, der zu den naturbelassensten Flüssen in Deutschland zählt. Das Kloster Schöntal gehört zu den besterhaltenen Klosteranlagen in Nordwürttemberg. Imposant erheben sich die Doppeltürme in den Himmel und geben Zeugnis von der Bedeutung des Klosters in längst vergangenen Zeiten. Es ruht im Tal unweit eines bewaldeten Hanges. Die Jagst tangiert die Klosteranlagen, einer der naturbelassensten Flüsse in Deutschland. Durchs Tal schlängeln sich auch die Schienen der stillgelegten Jagsttalbahn. Die Schmalspurbahn verkehrte bis zum Jahr 1988, zuletzt als Museumsbahn.

Ländliche Idylle

Ländliche Idylle prägen Klosteranlage und das Dorf mit seinen rund 200 Einwohnern. Wer nach Kloster Schöntal kommt, sucht Stille, Natur und Geschichte. Das Kloster entstand als Tochterkloster des Zisterzienserklosters Maulbronn im 12. Jahrhundert. Der Edelfreie Wolfram von Bebenburg aus dem Geschlecht derer von Berlichingen stiftete das Kloster und erfüllte damit ein Gelübde, das er auf einem Kreuzzug abgelegt hatte. Als Standort wählte er Neusaß aus in der Nähe der „Hohen Straße“, an der Wasserscheide zwischen Jagst und Kocher. Er schenkte dort den Mönchen Herwicus, Henricus und Siboto Grund und Boden. Diese errichteten dort um das Jahr 1152 herum eine hölzerne Kapelle und legten einen See an. Doch den Mönchen war es nahe der belebten Straße wohl nicht einsam genug. Und so zogen sie um in das nahe Jagsttal, wo ihnen die Herren von Berlichingen ein Gebäude als Kloster schenkten. Im Gegenzug sagten die Mönche den Edelleuten zu, die Klosterkirche als Grablege für ihre Verstorbenen nutzen zu dürfen.

Die Kapelle in Neusaß erfreute sich auch nach dem Wegzug der Mönche großer Beliebtheit und entwickelte sich zur Wallfahrtskapelle. Ein Besuch dort ist auch heute noch empfehlenswert. Im Hochaltar befindet sich die zwischen 1470 und 1480 geschaffene Schmerzensmutter Maria inmitten eines Kranzes goldener Rosen. Auf der linken Seite im Kirchenschiff ist Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm aufgestellt. Das Kunstwerk stammt aus den Jahren 1450 bis 1460. Ein Leinwandbild, das die Verkündigung des Engels an Maria darstellt, wurde im Jahr 1865 geschaffen.

Pilger und Wallfahrer suchten auch das nahe gelegene „Heiligenbrünnle“ auf, das 1667 neu gefasst wurde und insbesondere bei Augenleiden helfen soll. In einiger Entfernung von der Kapelle steht seit über fünfhundert Jahren eine mächtige Linde.

Doch kehren wir zum eigentlichen Kloster im Jagsttal zurück. Denn dort entstand im Laufe der Jahrhunderte eine der schönsten barocken geistlichen Zentren Nordwürttembergs. Neben der Barockkirche mit ihrer reichen Ausstattung und dem ebenso prunkvollen Konventsgebäude gehören zur Anlage viele Wirtschaftsgebäude, Torhäuser, der Mohrenbrunnen, ein großer Klostergarten sowie die barocke Heiliggrabkapelle und ehemalige Kreuzkapelle auf dem neben dem Kloster liegenden Kreuzberg.

Mönche begannen mit dem Bau

Mönche aus Maulbronn begannen mit dem Bau im 12. Jahrhundert. Im Halbkreis um die Kirche errichteten sie alles, was sie für ein selbstständiges Wirtschaften brauchten: Klostermühle, Bäckerei, Viehhaus, Molkerei, Schlachterei, Fruchtscheuer, Brauerei und Brennerei. Das Kloster schützten sie mit Wehrmauern und Tortürmen. Im Eingangsbereich des Klosters steht der Offiziantenbau, der 1617 als Dienstort und Wohnraum für Amtsträger wie Ober- und Kameralbeamte gebaut wurde. Das Innere Torhaus entstand um 1400 und wird derzeit als evangelisches Pfarrhaus genutzt. Bis 1621 gab es an dieser Stelle einen Pförtner, der den Zugang zum Kloster regelte. Daneben steht die Kilianskapelle, seit 1975 evangelische Pfarrkirche. Der gotische Bau wurde um 1320 errichtet und ist das älteste erhaltene Gebäude im Klosterareal. Die Alte Abtei, die den Mönchen als Speisesaal diente, entstand 1617. Heute befinden sich eine Dauerausstellung und das katholische Pfarramt darin. Die Bäckerei, die Molkerei, die Klostermühle, der Stall, die Fruchtscheuer und das Brauhaus – all diese Gebäude werden schon länger nicht mehr in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt. In die Fruchtscheuer ist 1990 die Forstverwaltung mit ihrem Waldschulheim eingezogen. Das einstige Brauhaus wurde 1996 als Stilles Haus des Bildungshauses umgestaltet. Die Verwaltung der Gemeinde Schöntal fand im Offiziantenbau ihren Platz.

Nach dem Bauernkrieg und dem Dreißigjährigen Krieg vollzog sich ein architektonischer Wandel. Renaissance-, Barock- und Rokoko-Elemente gaben dem Kloster ein neues Aussehen – von der mittelalterlichen Anlage blieb nicht viel übrig.

Die barocke Klosterkirche mit der Doppelturmfassade wurde ab 1708 erbaut. Abt Benedikt Knittel war es, der die Bauarbeiten stetig vorantrieb. Baumeister Bernhard Schießer vollendete das Bauprojekt um 1717. Das Konventsgebäude wurde zwischen 1701 und 1707 erbaut. 1720 wurde die Heilig-Grab-Kapelle auf dem Kreuzberg eingeweiht. Die palastartige Neue Abtei entstand unter Knittels Nachfolger Angelus Münch in den Jahren 1738 bis 1745 und erhielt ein prächtiges Treppenhaus. Mit ihr war das barocke Gesamtkunstwerk vollendet. Nach der Säkularisation und der Aufhebung des Klosters zog ein evangelisch-theologisches Seminar in die Gebäude ein. Heute beherbergt die Neue Abtei ein Bildungshaus der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Kloster am Jakobsweg

Kloster Schöntal liegt am Jakobsweg. Der Pilgerweg teilt sich hinter dem Kloster in eine Südroute über Bad Wimpfen und eine Nordroute über Mosbach, die in Sinsheim wieder aufeinandertreffen. Außerdem bietet sich die naturbelassene Jagst für Kanu- und Bootsfahrten an. Touristikunternehmen bieten Touren von Dörzbach bis Kloster Schöntal an mit 22 Flusskilometer Länge. Von dort bis nach Widdern legt man weitere 17 Kilometer zurück. Bei einer Bootstour von Altkrautheim nach Schöntal legt man 15 Flusskilometer zurück und muss dabei ein Wehr in Westernhausen umgehen. Für diese Tour sollte man sechs Stunden einplanen. Für seine Mühen wird man mit einer wunderschönen Landschaft entlohnt mit weiten Auen, Seitentälern und steilen Hängen. Bitte beachten: In den Sommermonaten ist der Wasserstand der Jagst für eine Bootsfahrt oft zu niedrig.

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