Tauberbischofsheim

MdB Nina Warken Die waschechte Tauberbischofsheimerin trat bereits mit 20 Jahren in die CDU ein und stellt sich über die Landesliste am 24. September wieder zur Wahl

"Über Dinge nur zu faseln, mag ich nicht"

Schon mit 20 Jahren trat sie in die CDU ein. Auch heute noch, 18 Jahre später, fühlt Nina Warken sich in ihrer Partei gut aufgehoben.

Tauberbischofsheim. Pünktlich kommt die Bundestagsabgeordnete zum verabredeten Treffpunkt in Tauberbischofsheim. Die Glocke an St. Martin schlägt 10 Uhr. Mit der Stadtkirche ist Nina Warken eng verbunden. Sie feierte dort ihre erste Heilige Kommunion, und auch ihre beiden Söhne Leo und Frederik wurden dort getauft. Leo ist jetzt sieben, Frederik fünf. Die zwei Jungs sind ihr ganzer Stolz. Sportlich seien die beiden, erzählt sie, und sie singen gern und gut. Die junge Mutter bestellt einen Cappuccino und muss lachen: "Ich singe zwar auch gern, aber furchtbar schlecht".

Und wenn wir schon beim Thema sind: Auch Ballett gehört nicht zu ihren Stärken. "Als ich noch ganz klein war, ging ich da ein paar Mal hin. Aber man sah mir förmlich an, dass ich dazu überhaupt keine Lust hatte." Also wurde die Karriere als Ballerina ad acta gelegt. Sehr zu ihrem Verdruss kam kurz danach der Tanzfilm "Anna" heraus und löste einen regelrechten Ballett-Boom aus. "Ich dachte, Mist, und ich hab' jetzt aufgehört!".

Gerne erinnert sich die Politikerin an ihre Kindheit, die sie erst in Impfingen, dann am Brenner in Tauberbischofsheim verbrachte. "Damals gab es dort oben fast noch keinen Verkehr. Wir Kinder verbrachten die meiste Zeit draußen und spielten auf der Straße. So etwas ist heute ja unvorstellbar". Am Brenner lernte sie auch Radfahren.

Schon in der Grundschule am Schloss war Deutsch ihr Lieblingsfach. Das sollte sich auch später, auf dem "Gymi", wie die 38-Jährige es liebevoll nennt, nicht ändern. Bis heute hält sie überhaupt nichts davon, etwas zu sagen, wenn es eigentlich gar nichts zu sagen gibt: "Über irgend welche Dinge nur zu faseln, mag ich nicht".

Während sie da in einem Tauberbischofsheimer Café so locker von ihrer Kindheit und Schulzeit berichtet, muss man unwillkürlich an ein Bild auf ihrer Homepage denken: Nina Warken in Berlin, umringt von Journalisten, Mikrofonen und Kamerateams. Wie passt das zusammen, die einst eher schüchterne Schülerin und heute die "taffe" Bundestagsabgeordnete? "Da wächst man rein und wird auch relaxter", erklärt die junge Frau - übrigens erklärter Loriot-Fan, und lächelt.

Dennoch gibt sie zu, wie groß ihre Aufregung vor ihrer ersten Rede im Bundestag war. "Ein Stück weit wird man schon auch ins kalte Wasser geworfen", ist ihre Erfahrung. Nina Warken ist bekanntlich unter anderem Obfrau im NSA-Untersuchungsausschuss. An die wöchentlichen Pressegespräche hat sie sich mittlerweile gewöhnt. "Da kommt man aus einer Sitzung heraus, und die ganze Hauptstadtpresse steht schon bereit. Man muss sich dann vor eine bestimmte Wand stellen und aus dem Off was sagen." In solch einer Situation entstand also dieses Bild auf ihrer Homepage. Hierbei halfen ihr die Erfahrungen, die sie schon früh in Tauberbischofsheim sammelte - etwa im TSV im Jugendvorstand oder in der Jungen Union.

"Die Inhalte sprachen mich an"

Zu der Jugendorganisation der CDU kam sie durch Freunde. "Ich war auf Parteitagen mit dabei und merkte, dass mich die Inhalte, die da diskutiert wurden, ansprechen. Allerdings hätte ich nie geglaubt, dass ich mich da einmal intensiver einbringe. Ich habe gedacht, das macht Spaß, da mach' ich mal mit". Und so, sagt sie und nimmt einen Schluck von ihrem Cappuccino, hat sich eines nach dem anderen ergeben.

Auch später als junge Rechtsreferendarin konnte sie sich durch ihre Redeerfahrung auf sich selbst verlassen und selbstbewusst auftreten: "Wenn ich bei Gericht etwas sagen musste, fühlte ich mich sicherer, weil ich wusste, dass ich das kann." Deshalb rät sie jungen Menschen, sich in einer Jugendorganisation zu engagieren, "damit man lernt, sich 150 Gleichaltrigen vorzustellen - oder auch mal über einen Antrag zu streiten. Das alles prägt einen", sagt Nina Warken.

Schmunzelnd erinnert sich die Rechtsanwältin an ihren ersten Tag in Berlin. "Der SWR hat meine Kollegin Margaret Horb und mich gefilmt, wie wir zwei Tage nach unserer Wahl auf dem Weg zu einer Fraktionssitzung durch die falsche Türe gehen. Aber es ist dort einfach so: Man schlappt da schon ein bisschen rum, bis man sich zurechtfindet. Während andere erfahrene Kollegen schon geschaut haben, welche Posten verteilt werden und wie die Koalitionsverhandlungen laufen, hatten wir beide ganz andere Sorgen - wir mussten erst einmal von A nach B finden."

Dass ihre Mutter seitdem öfters mal in Berlin und dann per Skype erreichbar ist, das finden Leo und Frederik inzwischen mehr oder weniger "normal". "Klar fragen sie mich ab und zu mal, warum ich nicht im Supermarkt um die Ecke oder bei Papa in der Kanzlei arbeiten kann", gibt Nina Warken zu. Doch als die Mama neulich im Radio zu hören war, fanden die Jungs das dann schon ziemlich "cool". Ehrlich gibt sie zu: "Es wäre gelogen zu sagen, das Wegsein von Zuhause fällt einem total leicht. Aber natürlich gewöhnt man sich ein Stück weit daran."

Tolerant sollen die Söhne werden, offen sein für andere und anderes, Menschen respektieren und zu ihrer Meinung stehen - so werden sie erzogen. Wenn einer von ihnen später auch einmal "in die Politik" möchte, wird Nina Warken ihn gewiss nicht davon abhalten. Eines jedoch ist ihr wichtig: "Schule, Ausbildung oder Studium müssen an erster Stelle kommen."

Zuhause bei Warkens bleibt der Fernseher oft aus, viel lieber liest sie - und das schon seit ihrer Kindheit. Mit eBooks kann die passionierte Tennisspielerin nichts anfangen, es müssen "echte" Bücher sein. Deshalb geht die waschechte Tauberbischofsheimerin auch gerne in Buchhandlungen, vor allem, wenn der Zug nach Berlin mal wieder Verspätung hat.

Berlin - Tauberbischofsheim: Größer könnten die Unterschiede fast nicht sein. "Dort, das ist ein ganz anderes Leben. Es dauert zum Beispiel ungefähr drei Wochen, bis man einen Termin bekommt, an dem man sein Auto zulassen kann", weiß sie und schwärmt von den kurzen Dienstwegen in ihrer Heimat. "Ich finde es schön und gut hier. Man kennt sich, das mag ich." Sie freut sich am Anblick der illuminierten Stadtkirche, wenn sie abends von der Autobahn herunterfährt, sie mag das grüne Idyll am Hexenturm, sie liebt die gute Luft in ihrem Wahlkreis. Die Anliegen der Menschen aus ihrer Heimat vertreten zu können, die unterschiedlichsten Termine wahrzunehmen, das macht ihr genauso viel Freude wie die inhaltliche Arbeit, die strategische Politik in Berlin.

Musikalisch ist Nina Warken "quer Beet" unterwegs. Ihre erste CD war von Roxette, aber auch Ace of Base, ABBA oder Guns 'n' Roses erinnern sie an ihre Jugend. Und das Lied "To be with you" von Mr. Big - "das", sagt sie, "haben wir immer im Landschulheim gesungen."

Wie sie sich selbst sieht? Nina Warken nimmt einen letzten Schluck von ihrem Cappuccino und überlegt. "Unkompliziert, offen. Und teamfähig. Hoffe ich zumindest", lautet ihre Antwort. Dann heißt es Abschiednehmen. Leo kommt bald von der Schule nach Hause, Frederik muss vom Kindergarten abgeholt werden. "To be with you" - bei dir, bei euch zu sein. Das ist in diesem Moment für sie alles, was zählt.

Berlin und die Politik sind jetzt gerade ganz weit weg.